Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1857)
- Date
- 1857-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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21. Jahrgang 5. Allgemeine Zeitung des Zudenthumö. Ein unparteiisches Organ skr alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 26. Januar 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bvgen in Quart incl. des Titels. Registers u. s w. um fassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Tblr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22*^ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr ang, sitzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beite Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs. Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel! Eine immer wiederholte Lüge! — Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. — Die Gründung eines israelitischen Hospitals zu Marienbad in Bödmen. — Rußland. — Literarischer Wochenbericht. — Bunsen's „Gott in der Geschichte." HI. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Dresden. Oesterreichischer Kaiserstaat: Von der Donau, Wien, Horic, aus Mähren. Frankreich: Paris. Italien: Aus Oberitalien. Leitende Artikel. Magdeburg, 20. Januar. Eine immer wiederholte Lüge! Es liegt uns die Abschrift eines Gutachtens vor, welches ein galizischer Rabbiner vor Kurzem über Aufrechterhaltung oder Wegfall des k. k. Hofkanzleidecrets vom 7. Juli 1836, nach welchem die Rabbinatscandidaten philosophische Bildung haben sollen, erstattet hat. Wir werden nicht anstehen, dieses durch und durch heuchlerische Machwerk abzudrucken und mit Bemerkungen zu begleiten, wenn uns dies gestattet sein wird. Wir nennen jenes Gutachten heuchlerisch, nicht weil es eine uns entgegengesetzte Meinung verficht, denn diese wissen wir wohl zu würdigen, sondern weil es der unlautersten und unwahrsten Mittel sich bedient, um seinen Zweck zu erreichen, weil es Verleumdung und Denunciation, selbst in politischer Beziehung, nicht scheuet, weil es die Farben, die es austrägt, auf die raffinirteste Weise mischt, um Vcrdammniß der einen, Heiligung der anderen Seite zuzusprechen. Doch wie gesagt, wir behalten uns vor, unter Umständen näher darauf einzugehen, noch dazu, da es jedenfalls ein interessantes Actenstück ist, unv die bedeutsamsten Fragen der Gegenwart, unv der Cultur überhaupt, wenn auch nur mittelbar, berührt. Nur ein Moment wollen wir heute hervorheben, welches freilich für das Gutachten das hauptsächlichste ist: es ist die immer wiederholte Lüge, daß die deutschen Rabbiner und Prediger schuld seien an dem Verfall des orthodoxen Judenthums. Wir gehen heute auf den Werth des orthodoxen Judenthums überhaupt nicht ein, wir wollen der Schilderung des Gutachtens über das deutsche Judenthum nicht eine Schilderung des galizischen Judenthums — über das uns eine ganze Reihe von Skizzen zu Gebote steht — gegenüberstellen) sondern nur jene aus dem Munde feindlich gesinnter Orthodoxen so oft mit Gepränge vorgetragene Lüge noch einmal beleuchten. Um kurz zu sein, wenden wir unsre Augen nach Plätzen, wo der Rabbinerstuhl fort und fort von den orthodoxesten Männern in Besitz gehalten worden. Was sehen wir da? Die Gemeinden in Zerrüttung, der Gottesdienst in den letzten Zügen, die Jugend in der größten Verwahrlosung — und was sich an neuerwachendem religiösem Leben zeigt, ist gerade der Ausfluß solcher Männer, welche der Zeitbildung angehören und des schaurigen Zustandes sich erbar-