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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-19 · Heft 4 (19.1.1857) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 4 (19.1.1857)
Date
1857-01-19
Page
Seite 50 (sequence 10)
Language
German
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und Lehrkräfte" dem Judenthum und der Judenheit zur Zierde und zum wahren Wohle gereichen werden, das wird die Zeit lehren. — So durchweg im diametralen Widerspruch mit den Anschauungen und Uriheilen des Correspondenten aus Unterfranken, stimmen wir jedoch mit ihm in der Nothwendigkeit der Betheiligung der Rabbiner am Jugendunterricht überein. Nur darf dieselbe nicht in einem bloßen „Eingreifen in den Unterricht", nicht in Jnspectorsspielen, auch nicht darin bestehen, daß man dem armen Ortslehrer das Bischen Privatunterricht wegschnappt, oder sich den Namen giebt und die Mühe einem Schulgehülfen überläßt, sondern in der Uebernahme deS Ganzen des Religionsunterrichts, besonders auf dem Lande. *) Dazu ist aber dann wahrhaftig die gering geachtete didaktische Bildung ganz unentbehrlich, denn wer ohne sie ein guter Lehrer zu sein vermeint, der gleicht jenem christlichen Bewerber um eine Schulstelle, der, als ihn der Patron auf das damit verbundene Orgelspielen aufmerksam machte und ihn fragte, ob er es könne? ganz naiv antwortete: „Ich habe schon öfter zugesehen und eS wird schon gehen." Schließlich dürfte die Aufforderung an den Correspondenten aus Untcrfranken, aus dessen Phrasen überdies nicht ersichtlich ist, ob er die Verdienste eines Samuel oder den Freimuth eines Jerobeam in Anspruch nimmt, gerechtfertigt erscheinen, zu dem Muthe einer so schweren Anklage noch den zu gesellen, mit offenem Visir aufzutreten und seinen Namen und Stand in diesen Blättern anzugeben. Wir unsrerseits sind hierzu gern bereit. Doch vor der Hand noch: R. E. Mark. Preußen. Stettin, im Januar. lPrivatmitth.) Es sind nunmehr drei Jahre, daß unser würdiger Rabbiner, Herr l)r. Meisel, in einer Predigt das Bedürfniß der Errichtung eines israelitischen Waisenhauses in Anregung gebracht, resp. sich unmittelbar darauf in Gemeinschaft mit einigen Vertrauensmännern hiesiger *) Die Erfahrung spricht nicht dafür. Eine Gemeinde Mittelsrankens, in welcher der Rabbiner vertragsmäßig Religionslehrer der Jugend ist, mußte sich jene dazu verstehen, noch einen eigenen Religionslehrer freiwillig anzustellen. Corresp. Gemeinde einer Sammlung zu einem derartigen Institute persönlich unterzogen und seine Wirksamkeit nicht nur auf den hiesigen Ort, sondern auch nach außen hin, namentlich Berlin und Stargard in Pommern ausgedehnt hat, und schon besteht ein derartiges Institut feit circa zwei Jahren in hiesigem Orte, schon gewährt dasselbe vier verwaisten Knaben Alles, was ihnen nöthig und nützlich ist, um brauchbare Subjecte der menschlichen Gesellschaft zu werden, schon besitzt die Anstalt nicht nur einen Grundfond von circa 4000 Thlrn. und eine jährliche Einnahme von circa 1000 Thlrn., sondern auch ein eigenes Domicil für ewige Zeiten in dem neu erbauten Gemeindehause, welches so eingerichtet ist, daß darin 30 Zöglinge Platz finden können. Dies konnte aber auch nur einem Rabbiner gelingen, der, wie Herr vr. Meisel, mit den Vertretern der Gemeinde resp. den Gemeindemitgliebcrn selbst durch die zarten Bande der Liebe und Achtung verbunden ist, der in dem Präses des Gemeindevorstandes, Herrn A. Rosenheim, einen Mann gefunden, der für alle Gemeindeinteressen warm erglüht ist und in jeder Beziehung mit ihm sympathisirt, wenn es gilt, Großes und Nützliches zu schaffen. Freuen wir uns daher, daß die Wahl für die Predigerstelle in Wien Herrn Dr. Jellinek getroffen, wodurch es uns vergönnt ist, Herrn Dr. Meisel, der, beiläufig gesagt, in Folge seiner in diesen und anderen Blättern rühmlichst besprochenen Homilien von dem Herrn Justizminister den ehrenhaften Auftrag erhalten hat, für die israelitischen Gefangenen der preußischen Strafanstalten ein Andachtsbuch zu verfassen — länger und, was im Interesse unserer Gemeinde wünschenswerth ist, möglichst für immer in unserer Mitte zu erhalten; freuen wir unS ferner, daß die hiesige Gemeinde überhaupt von Männern repräsentirt wird, die es sich angelegen sein lassen, das Wohl und Gedeihen der Gemeinde wahrhaft zu fördern; freuen wir uns endlich, daß unsere Gemeinde Männer zählt, wie Herrn H. Moses, der mit wahrhaftem Großmuthe dem hiesigen Waisenhause nicht nur 4000 Thlr. zum Fonds und angemessene Jahresbeiträge, sondern erst neuerdings behufs Erwerbung eines eigenen DomicilS 4000 Thlr. als Geschenk zugewendet hat, und hoffen wir, daß diese seine Handlungsweise in engern und weitern , Kreisen Begeisterung erregen und Nachahmung finden werde, rl.

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