Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 4 (19.1.1857)
- Date
- 1857-01-19
- Page
- Seite 49 (sequence 9)
- Language
- German
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49 * beständige Aufsicht über dm Religionsunterricht gesetzlich oblag, der gröbsten Pflichtverletzung anklagen, heißt den frommen Sinn der Gemeinden und die in vielen Gemeinden herrschende, jedoch abnehmende Processirlust, welche sicherlich zu offenen Anklagen geführt, wobei fromme Gutachten nicht gemangelt hätten, gänzlich ignoriren. Auch die später angcstellten Lehrer, die das Terrain schon geebneter fanden, folgten ihren Vorgängern auf dem betretenen Wege treulich nach. Sie lachen über Eure kleinliche Controlle ihres religiösen Verhaltens und die Rollen, welche sie zu spielen gezwungen waren. Sie fanden nirgends „das ehrwürdige Gebäude des historischen Judenthums niedergebrannt und die einmal theuer gewordenen Bräuche mit Gewalt umgestoßen." Auch sie lehren einen Unterschied zwischen 'rvTiiHa und 'pa'ina, zwischen irwn und zwischen ächten« ansa und niaas arwa; auch sie lehren die bildliche Deutung der Midraschim, und auch sie wollen und können der neuen Volksanschauung nicht wehren. Mögen sie auch die Bemühungen für Cultusreforinen rc. füglich jetzt den Rabbinern überlassen, was die frühem aus bekannten Gründen nicht konnten, sie sind nirgends die Antipoden der Reform; mag auch Mancher weniger freisinnigen Ansichten huldigen, ist er nur tüchtig pädagogisch gebildet, so fügt er sich leicht dem Ganzen ein. „Die Lehrer halten zusammen!" sagt das Volk; mag auch iminerhin die Begeisterung für den Lehrerberuf der nüchterner«« LebenSanschauung hie und da gewichen sein, «nag auch bei Einzelnen die Rücksicht auf ein gutes Schiur- oder Schnuder-Geld einein energischem Auftreten vorgezvgen werden: im Ganzen und Großen bildet der jüvische Lehrerstand in Bayern den Kern der Fortgeschrittenen. Das bewiesen sie s. Z. bei den Kreisversammlungen, das bezeugt noch jetzt die öffentliche Meinung. In der That! ein Rabbiner kai«n sich in seiner Studirstube gegen das Leben und seine Anforderungen abschließen und wähnen, es gehe Alles nach seinen Predigten, ein Lehrer, der im Leben und für das Leben wirkt, vermag es nimmermehr. Aber unter den „Frühem" (tjaiaan) und „Später»" (tp:-nnN) gab es Etliche, und ihre Zahl hat sich seit dem letzten Alles beglückenden Decennium vornehmlich durch solche vermehrt, welche sich durch bekannte Mitwirkung ohne Seminarbesuch in den Schulstand eingedrängt haben, und daS sind wahrscheinlich, Herr Correspondent, Ihre neuen „Lehrkräfte, welche in die Lchrstube berufen «vorden" uird die hatte auch der andere Correspondent d. Bl. im Auge. — Die huldigen allerdings einer dem Lehrerstande fremden religiösen Richtung und man nennt sie, wie Sie selbst sagen, die Finsterlinge. Nun diese „Lehrkräfte", die, statt rechtzeitig in ihren Schulen zu erscheinen, in ihre Thaletim gehüllt, in den Synagogen weilen, oder die Mikiva frequenteren, oder mit dem Mischnajoth unter dem Ar«n, die Runde durch das Dorf machen, ja die, die sind der Spott ihrer Schüler und des gebildetem TheilS ihrer Gemeinden, die schließen sich von ihren College», von aller öffentlichen Gesellschaft ab, weil sie dieselbe, im Bewußtsein aller geselligen Forinen gebildeter Männer baar zu sein, nicht zu betreten wagen. < Die vermögen aber auch nichts zu pflanzen und nichts zu bauen. Die können höchstens Staub und Sand ausstreuen und Wasser darauf gießen, aus welchen Bcstandtheilen sich bekanntlich ein Boden bildet, auf dem nur Schmarotzer- und Schlingpflanzen und anderes Unkraut fortkommcn, und «vas sie etwa zu bauen versuchen, das wird eckig und schief, das stößt der Fuß eines bezahlten Missionärs um, und ein rauher Wind «virst es über den Haufen. — Und kennen Sie, «nein Herr, die Leistungen dieser „Lehrkräfte" in ihren Schulen nicht aus eigener Erfahr««ng, und wollen Sie dem Urtheile solcher Rabbiner, «vclche ihre Lehrer nach ihren Leistungen und nicht nach ihren religiösen Gesinnungen beurtheilen, keinen Glauben schenken, nun, so hören Sie auf die Volksstinrme. Fragen Sie einen jüdischen Landmann nach seinem Lehrer, der zu Ihren Niedecreißern «c. zählt, er «vird in den meisten Fällen sagen: „Unser Lehrer ist ne««, ist stolz, aber er ist ein rechter Mann, ein braver Mann, und unsre Kinder lernen was!" Fragen Sie dagegen nach einer Ihrer Lehrkräfte, so wird es in den meisten Fällen wieder heißen: „Er ist ein frommer Mann, aber, ich mein', ein Mann für sich, hat keine rechte Schneid' und — unsre Kinder lernen nichts!" Ja, mein Herr! das ist des Pudels Kern! Solche Subjecte, solche aufgestlltzte Bachuriin werdet Ihr zu Rabbinern und Lehrern allmählig iminer mehr, besonders auf den« Lande, bekommen. Die pecuniäre Stellung unserer Rabbiner und Lehrer, der Kampf, welchem sie, besonders die strebsamem, ausgesetzt sind, und die Zeitverhältnisse überhaupt begünstigen Euer Vorhaben. Ob aber solche „Kanzel- 4 *