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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-19 · Heft 4 (19.1.1857) · p. Seite 48

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 4 (19.1.1857)
Date
1857-01-19
Page
Seite 48 (sequence 8)
Language
German
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48 dieser, dem Volksbewußtsein zusagenden zeitgemäßen Bahn haben sie aber seit längerer Zeit aus uns nicht zusagenden Gründen fast Alle Halt gemacht*) — unseres Wissens kann nur der greise Rabbiner Nosenfeld in Bamberg das leidige Rcformiren noch immer nicht lassen — während noch Manches ohne Schwierigkeiten und ohne Aergerniß zu erregen geschehen könnte. Wir erwähnen beispielsweise die allgemeine Handhabung der in allen Regierungsbezirken durch sämmtliche Rabbiner, Lehrer und Gemeindeabgeordnete berathcnen und regierungsseitig genehmigten, die gröbsten Mißbräuche beseitigenden Synagogcnordnung; die allgemeine Einführung der selbst in der Synagogenordnung für Schwaben aufgenommenen öffentlichen Confirmation; die allmählige Einführung des dreijährigen Cyklus der Thora-Vorlesung, und wenn der Correspondcnt aus Unlerfranken ob solchen Begehrens etwa Bauchgrimmen bekommen könnte, die Wiederherstellung des Instituts der -jca-nra; die mehr controUrende Einwirkung auf die Gemeindestatuten und Reorganisation der rvnan und msp, so wie einen mehrseitigen Conncr mit den Filialgemeinden und den Schulen u. s. w. Die Abwesenheit alles Dessen nannten wir in unserem Berichte in Nro. 29. im Vorbeigehen einen Mangel an Leben und Bewegung, Todtes. Aber diese Ausdrücke verdreht nach frommer Leute Weise der Correspondent aus Unterfranken, und behauptet, wir hätten „dem I ud e n lh u m so fo r t a l le s Leben abgesagt"! Aber nein, mein Herr! wir Neuen haben von der Lebensfähigkeit deS Judenthums einen bessern Begriff. Wir wissen, daß ein innerlich mächtig pulsirender Organismus durch loses zeitweiliges Unterbinden eines äußern Gliedes nicht sogleich abstirbt, sondern kräftig in sich selbst den schwachen Verband bald wieder abzustoßen und neues Leben in das genesende Glied cinströmen zu lassen vermag. Wir sind nicht die Todtengräber des JudenthumS! Und die Lehrer an den öffentlichen Schulen, diese von jeher so viel geschmähten und verfolgten Männer, die sich mit so vieler Anstrengung und Selbstverläugnung überall erst Boden schaffen mußten und reichlich geschaffen haben, diese „ersten Sprößlinge der Seminare", oder die sich ihre pädagogische Bil- *) Die Rabbiner der Pfalz rühmlich ausgenommen. Cvrresp. düng auf dem Privatwege erworben haben, die haben freilich ihr religiöses Wissen nicht durch kaum zweistündigen wöchentlichen Unterricht in bin 'n re., sondern meistens gleichzeitig mit vielen nachmaligen Rabbinern auf den Jeschibot erlangt und verstanden daher aus den Quellen zu schöpfen; die haben zu einer Zeit, in welcher fast sämmtliche Rabbiner Bayerns das Deulschpredigcn noch für eine Todsünde erklärten, durch ihre Predigten in den Synagogen den Sinn für dieselben geweckt; sie haben Euch ein Publikum mit deutschem Ohr herangebildet; sie sind muthig mit Hintansetzung ihres irdischen Voriheils, wo es galt, für Bildung, für Licht und Recht, für opferfähiges Judenthum eingestandcn. In ihren Schulen haben sie gelehrt, waS die Synagoge lehrt — Ihr selbst haltet ja in Eurer Jugend solche Niederreißer und Mordbrenner zu Lehrern —; sie suchten die ihnen anvertraute Jugend für die Erkenntniß des Einzigen, für die hohe Mission Israels, für erwärmendes Beten, für selbstbewußte Ceremonialübung zu erwärmen und zu begeistern, ihr gegen die Gefahren der Verführung ein Gegengewicht in Kopf und Herz zu legen; sie suchten ihnen das elementarische und eregctische Verständniß der Bibel und der Gebete näher zu bringen und das mit Erfolg. Unsre herangewachsene Generation ist sittlich nicht gesunken. Wir getrauen eS unS zu beweisen. Wenn gleichwohl manche beklagenswerthe Erscheinungen zu Tage treten, so entstehen sie aus Einflüssen, die sie nicht zu bewältigen vermochten. Die Schule ist nur eine Potenz in der Bildung des Menschengeschlechts. Die Familie, die Synagoge und noch mehr, das Alles überwältigende Leben wirken stärker als alle Lehre. Dabei haben sie ihre Schulen in allen anderen Gegenständen in verhältnißmäßig kurzer Zeit anerkanntermaßen auf gleiche Stufe mit den christlichen gebracht, kurz, die Verdienste der Lehrer gehören der israelitischen Culturgeschichte an, aus der sie keine noch so fromme unterfränkische Feder wegstreichen kann. Behaupten nun aber wollen, wie Sie, Herr Correspondent, eS gcrhan, die Lehrer hätten als Juden, und Angesichts ihrer beschworenen Pflicht, das gelehrt, waS dem Judenthum schnurstracks entgegen, heißt nicht nur diese in der Uebung ihres Amtes nun alt gewordenen Männer böslich verleumden, sondern auch die Schulbehörden und speciell die Rabbiner, welchen die

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