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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-19 · Heft 4 (19.1.1857) · p. Seite 47

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 4 (19.1.1857)
Date
1857-01-19
Page
Seite 47 (sequence 7)
Language
German
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47 wahrscheinlich vergessen) treten sollen; die Befürwortung isolirter israelitischer Neligionsschulen und deö Besuchs der christlichen deutschen Schulen, trotz ihrer entschiedenen konfessionellen Tendenz, was mit der Abneigung gegen das Studiren der Rabbiner und den Semliiarbesuch der Lehrer sonderbar contrastirt; die Aufreizung der am Sitze der Kreisregierungen angestellten Rabbiner, hinter dem Rücken der Lehrer*) Schritte zur Verlängerung der Schulzeit für den Religionsunterricht zu thun; der Widerwille gegen die „wissenschaftliche" Durcharbeitung des Judcnthums; die Verhöhnung der anerkannten Berechtigung unsrer Zeit mit ihren Anforderungen, und namentlich noch die Verdächtigung der Leistungen reformfreundlicher Rabbiner und Lehrer, wie dies Alles in dem Artikel Nro. 44. geschieht — Alles dies bezeichnet im Wesentlichen die Ansichten und Bestrebungen der Partei, welche man allgemein die stabile und hyperorthodore nennt, und die besonders in Bayern seil dem gerühmten letzten Decennium so gewaltige Anstrengungen in dieser Richtung gemacht hat. Der Correspondent aus Unlerfranken muß es sich daher auch gefallen lassen, als deren Schildträger angesehen und behandelt zu werden. Wenn wir einerseits auf eine Widerlegung dieser Ansichten schon des Raumes wegen hier nicht eintreten können und Vieles dem andern mit angegrissencn Korrespondenten**) zur Widerlegung anbeimgeben müssen, andererseits die Beibringung von Beweisen für das verderbliche Wirken der Rabbiner und Lehrer, besonders in dem Regierungsbezirke Mittelfranken, und das rege, gesegnete Streben derer von Unterfranken und Schwaben in Nro. 44. gänzlich vermissen, zumal wir die Einladung zu einer Rundreise bei dieser Jahreszeit und in der „abgekühlten" Atmosphäre höflich ablehnen müssen: so sind wir doch nicht gewillt, solche schwere, durch nichts motivirte Anklagen auf der bei weitem größern Mehrheit bayerischer Rabbiner und Lehrer, und auf uns, dem armen harmlosen Corrcspondenten, sitzen zu lassen, sondern wollen durch Darlegung des wahren Sachverhalts vor der ausländilchen Jubenheit für Bayern werden wir wenig Neues sagen — der Wahrheit die Ehre geben. *) Schon da gewesen. Corresp. **) Es gilt dies besonders bezüglich der Nothwcnvigkeit der Errichtung einer Obcrkirchenbehörve. Corresp. 3st bereits in Nro. 49. d. Ztg. geschehen. Redact. Die Grundsätze deS Herrn Rabbiners Bamberger zu Würzburg in Unterfranken, seine Bestrebungen und die eiserne Consequenz, mit welcher er sie durch alle Gebiete bei einem übrigens höchst achtbaren Privatcharakter verfolgt, sind so bekannt, als bekannt es ist, welch einen mächtigen bestimmenden Einfluß er auf sämmtliche Rabbiner Unterfrankens verübt. Das ist in diesen Blättern schon früher von einem andern Correspondenten, ohne Widerspruch zu erfahren, genugsam dargethan worden. Nicht minder bekannt ist, daß die meisten Rabbiner Schwabens, namentlich die im „letzten Decennium" dort angestellten, es sich zur Ehre anrechnen, mit aller Entschiedenheit jener Richtung anzugehören. Da heißt es: „nichts ReueS auf- und nichts Alles abbringen", und wenn wir warten wollen, bis einer dieser Herren Oberrabbiner — vorläufig haben wir jedoch in Bayern gar keinen Oberrabbiner — es für zweckmäßig erachten wird, die Orgel oder die andern von den französischen Rabbinern als zulässig erklärten Reformen in unfern Synagogen einzuführen, wie der Correspondent auS Unlerfranken in Aussicht stellt, dürfen wir uns das Warten nicht verdrießen lassen. Das kennen wir Alle, und wir wollen nur froh sein, wenn man uns nicht etwas Aehnliches, wie dermalen in der bayerisch-protestantischen Kirche versucht ward, so ein Bischen Kirchenzucht in Form eines Cherem u. dgl. zugebacht hat! — Dagegen haben sämmtliche Rabbiner der Regierungsbezirke Oberfranken, Mitlelfranten, Pfalz und Obcrpfalz und ein Theil Schwabens von jeher mehr oder weniger einer Reform deö Gottesdienstes gehuldigt , und selbst der so viel angefeindele Rabbiner l>r. Löwy in Fürth, dieser mit den „Hörnern der Verfolgung in die Berühmtheit hineingesloßene Mann", sammt allen seinen Zeit- und Gesinnungsgenossen, haben nichts Anderes gethan, als was die Koryphäen der Hyperorthodorie ihnen später nachgemacht haben. Sie haben deutsch gepredigt, die Synagogen von ihrem langjährigen Staub und Schmutz reinigen und zweckmäßig verschönern lassen, den Chorgesang eingeführt und mehrere Piutim abgeschaffr. Das ist Alles, was sie gethan, und der Ankläger (pia) aus Unterfranken wird hiermit aufgefordert, die Institutionen des Judenthums zu bezeichnen, welche vr. Löwy oder andere bayerische Rabbiner „der Sturm¬ und Drangperiode" aufgehoben oder sonst Neues außer der Gotteödienstordiiung eingerichtet haben. Auf

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