Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1857)
- Date
- 1857-01-12
- Page
- Seite 38 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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38 traulichen, leicht hingeschriebenen, für die Oeffentlichkeit nicht bestimmten Briefen und Mittheilungen an Freunde spricht fich am deutlichsten der reine, warme Gefühlsausdruck, der treue Erguß des Herzens über alle Vorkommnisse des Lebens aus — und darum'findet man hier auch sehr häufig die freimüthigsten, unbefangenen Urtheile über die Zeitgeschichte, über Personen und Gegenstände. Der Einblick in den Briefwechsel eines bedeutenden Mannes der Geschichte, der Kunst und Wissenschaft gewährt zugleich einen tiefen Einblick in die geheimsten Falten seines Herzens und ist auch der beste Maßstab zur Beurtheilung seines Charakters und seiner Denkweise. Die gesammelten Briefe des Herrn Blumenfeld sind ein eben so nützlicher als trefflicher Beitrag zur Kenntniß der neueren jüdischen Literatur und deren vorzüglichsten Träger vornehmlich in Italien. Unter diesen 50 Briefen gehören die meisten, 22, dem fei. Reggio, ferner Luzzato, della Torre, Gentiluomo, Sam. Vita Loli, an. Von deutschen Gelehrten, blos mit einzelnen Briefen vertreten, haben Beiträge geliefert: Herr Rabbiner S. L. Rapoport, Geiger (eine Abhandlung über Josef Kimchi), S. Bloch u. A. m. Die glänzenden Slawen der Briefsteller versprechen wohl im Voraus eine geistreiche Lecture, die aber bei weitem die gehegten Erwartungen übertriffr. Besonders ausgezeichnet ist das memoirenartige Schreiben Gentiluomv's, — eine Charakteristik der Lehrer und Schüler, so wie der Studien und des geistigen Lebens des Paduaner Rabbinercollegiums, das, wie Geiger im Vorworte bemerkt, an den franzöfischen unübertrefflichen Esprit, der in solchen Memoiren Funken sprüht, erinnert. — Als Zugabe hat der Herausgeber einige Gedichte aus alter und nener Zeit und zwar von den Meistersängern: R. Moses b. Esra, R. Jehuda Halcwi, Hartwig, Wessely, Sal. Kohn, Luzzato und Almanzi mitgetheilt. — Diese Tage ist uns die Ankündigung folgender periodischer Schrift zugekommen, die wir hier auch folgen lassen wollen: Hechalug. Wissenschaftliche Abhandlungen über jüdische Geschichte, Literatur und Alterthumskunde. Herausgegeben von M. Dubs. 3. Jahrg. Lemberg, 1856. — Wir glauben auch, im Interesse vieler Leser, endlich noch die Anzeige machen zu müssen, daß der 4. Band, 1. Doppelheft, der allgemein beliebten „Sippurim", eine Sammlung jüdischer Volkssagen, Erzählungen, Chroniken, Denkwürdigkeiten u. s. w. Herausgegeben von W. Pascheles. Prag 1856 — vor Kurzem erschienen ist und ununterbrochen fortgesetzt werden wird. Anzeigen. Erledigte Rabbinatsstelle. Nach der auf Ansuchen Sr. Ehrwürden, des durch 30 Jahre in Amtirung gewesenen Herrn Comitats- und Localrabbiners Israel Löw erfolgten Pensionirung desselben mit seinem vollen Gehalte, und in Folge einer gleichzeitigen Beschlußfassung von Seite der Cultusvorstände dieses Comitates laut Commissionsprotokolles der k. k. Comitatsbehörde vom 2. December l. I. wird für den Posten eines Cvmitatsrabbiners der Baranya mit dem Sitze und Localrabbinate zu Fünfkirchen sofort der Concurs ausgeschrieben und bis 15. März k. I. geschlossen. Die jäbrlrche fire Dotation ohne die Nebenemolumente beträgt Fl. 500. C.-M., vom Comitate, Fl. 200. C.-M., von der Fünfkirchener Gemeinde, als zum Comitate gehörig, und Fl. 300. C.-M. von der letztem für Führung des Localrabbinates zu Fünfkirchen, zusammen Fl. 1000. C.-M. Geneigte Bewerber belieben sich an den gefertigten Vorstand zu wenden, und sich auszuweisen a) über die Tüchtigkeit ihres bis jetzt in solchem Fache zurückgelegten Wirkens, d) über alle zu diesem wichtigen Berufe nöthigen Qualificationen, als: über philosophische Studien, jüdisch-theologisches Wissen, homiletische Befähigung, über die Zurechtweisung im öffentlichen Schulwesen überhaupt, und über die Gewandtheit im Religionslehramte insbesondere, e) über die Hatarath-Haraah bei noch gar nicht oder noch nicht lange amtirenden Candioaten von 3 anerkannten Autoritäten, 6) selbstverständlich über einen sittlich religiösen, moralisch wie politisch rechtlichen Lebenswandel. Fünfkirchen (in Ungarn), am 15. Decbr. 1856. Der israelitische Cnltns-Vorstand. Gabriel Reich, Vorsteher. Zum 1. Mar 1857 wird bei uns die Stelle eines Schächters, zweiten Religronslehrers und Vorbeters erledigt. — Bewerber um das vacante Amt muffen musikalisch gebildet sein, und haben sich der Approbation des Herrn Landrabbiners zu unterziehen. — Gehalt 180 Thlr. Crt. und circa 60 bis 70 Thlr. Schechitagebühr. Strelitz in Mecklenburg, im December 1856. Der israelitische Gemeinde-Vorstand.