Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1857)
- Date
- 1857-01-12
- Page
- Seite 36 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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3« Ercellenz eingeladen. — WaS da gesprochen und verhandelt wurde, wäre zu weitläufig, Ihnen auSeinanderzusetzen. Nur das ist hervorzuheben, daß Se. Ercellenz sich besonders huldvoll gegen unS Juden zeigte, uns niedersitzcn und uns Thee serviren hieß, eine Ehre, die fast unerhört bei unfern Großen ist. — Se. Ercellenz geruhte mehrere Male zu versichern, daß sie die jüdische Nation liebe und achte; daß die Regierung ernstlich bedacht sei, die bürgerliche Lage der Juden zu verbessern, Bildung und wahre Aufklärung unter ihnen zu verbreiten, und alles Gute zu befördern und zu Unterstützen. — Wir wurden durch eine solche liebevolle Herablassung und väterliche Behandlung, welche an die Milde des seligen Grafen Woronzoff erinnerte, überrascht und bezaubert, und fanden keine Worte, um unsre dankbaren Gefühle auszudrücken. Wir betrachteten eS als die Morgenröthe einer bessern Zukunft für unser Volk. — Beim Schluffe der Conferenz äußerte Se. Ercellenz, daß er aus der „Allgemeinen Zeitung deS JudenthumS" und dem „jüdischen Volksblatte" mit Vergnügen den Gang der jüdischen Angelegenheiten im Auslande beständig verfolge, und ihnen besondere Aufmerksamkeit widme, ertheilte mir zugleich den angenehmen Auftrag, Ihnen, Herr Doctor, im Namen Sr. Ercellenz für Ihren an Se. Ercellenz gerichteten Brief ausS Verbindlichste zu danken, was ich hiermit mit Freuden thue. — Denselben Abend empfing Se. Ercellenz mit derselben Huld auch eine Deputation der vornehmsten Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, und machte ihnen die nämlichen wohlwollenden Versicherungen, so daß sich dieselbe den besten Hoffnungen für die Zukunft ergeben konnte. — Riga, im December. (Privatmitth.) Das Rabbiner -Comike wird nunmehr bald in St. Petersburg zusammentreten. Der hiesige Rabbiner Ilr. Neumann, der für Lievland und Kurland zum Mitgliede ernannt worden, geht in der Mitte Februars dahin. Die Dauer der Sitzungen ist vorläufig auf zwei Monate bestimmt. — Zum Krönungsfeste deS Kaisers hielt derselbe eine sehr gediegene Predigt, welche auch im Druck erschienen, und deren Ertrag zu einem wohlthätigen Zwecke bestimmt ist. Die „Rigaische Zeitung" brachte eine ausführliche Besprechung, deren Anfang hier stehe. „Unter den Tausende» von feierlichen öffentliches Kundgebungen, wodurch die Herzen am KrönungSfeste im Dankgefühl zu Gott erhoben wurden, um in erneuerter Liebe und Treue sich dem aüverehrten Herrscher und Seiner erhabene» Gemahlin zuzuwenden, nimmt auch diese Predigt eine ehrenvolle Stell« ein und verdient eine über ihren ursprünglichen Kreis gehende Verbreitung. Mit warmer Begeisterung/ folgerichtiger Klarheit und gediegener Rednergabe ist hier die Schilderung der Liebe der Unterthanen zu dem ihnen von Gott neu geschenkten Monarchen und die Begründung derselben durch seine ersten RegierungSthaten an die Spitze der Rede gestellt- Dev Ruhm des TageS, die Freude der Seelen, der Dank der Herzen wird aus diesem Verhältniß hergeleitet- Auch die Kinder des Hauses Israel haben die väterliche Huld und Gnade erfahren, fährt der Redner fort und macht nun zum Gegenstand seiner Rede dis Beantwortung der Frage: „Wie machen wir uns dieser Huld und Gnade des Kaisers würdig, wie sichern wir uns seinen Segen?" Die Antwort wird nach 5. Buch MoseS Cap. 4 Vers 5—6 also gegeben: Dies geschieht, wenn wir die geoffenbartö Lehre Gottes 1) in wahrem Geiste aus der Schrift erlernen, 2) in wahrem Geiste befolgen, und 3) in wahrem Geiste sie unseren Kindern lehren." — Frankreich. Paris, im Januar. (Arch. isr. de Fr.) In Bona wurde Herr Jsaac Taib zum Mitgliede dev Handelskammer ernannt. — Herr Dr. Lumbroso, Oberarzt deS Bai von Tunis, hat nach seiner letzten Reise nach Paris dem Herrn Dr. Michel Levi, der vor Kurzem zum Vorsitzenden in der medicinischen Akademie für 1857 gewählt worden, einen Besuch abgestattet. Herr Levi empfing ihn mit großer Auszeichnung. Nachdem er ihn eingeladen, einer Vorlesung vor den Schülern in der Militär - Special - Schule für Medicin und Pharmaceutik beizuwohnen, stellte er seinen Kollegen den ehrenwerthen Herrn Lumbroso „seinen Glaubensgenossen" vor; sein wörtlicher Ausdruck war folgender: Es für eine Ehre halten, sich öffentlich als Israeliten zu bekennen, heißt sich selber ehren, wenn man eine solche Höhe erreicht, wie der weise Oberarzt von Val-de-Gräce.