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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-12 · Heft 3 (12.1.1857) · p. Seite 35

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 3 (12.1.1857)
Date
1857-01-12
Page
Seite 35 (sequence 9)
Language
German
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35 fett der berühmtesten Männer deS Mittelalterihren erhabenen Gehalt, ihren philosophischen Schwung abzusprechen? Over sollte etwa die — leider! — ander Mode gekommene hebräische Sprache, in der sie niedergeschrieben sind, ihren Effect vermindern? — Und gesetzt, die Beantwortung dieser Fragen fiele zum Rachtheile jener Meisterwerke aus, sollte die enthusiastische Hervorhebung der nationalen Literatur im Angesichte der höchsten Gewalt im Staate, weit entfernt, der Begeisterung für Glaube und Judenthum zugeschrieben zu werden, nur die Dunkelheit und Finsterniß deS Hervorhebenden enthüllen? — Es wäre mir eine Leichtigkeit, von diesem Punkte aus nunmehr einen heftigen Angriff gegen den Verfasser jener Briefe zu richten. Aber auch hier wird der Geist der Versöhnung mich nicht verlassen, und jenen ethischen Spruch: riivr cpb vn« bv m in tritt vor Augen habend, soll der Schluß meines Aufsatzes der Lieferung eines kurzen Auszuges aus jener vom genannten Herrn Kreisrabbiner verfaßten Schrift gewidmet sein. Die Veranlassung dazu gab eine von Seiten der hohen Landesregierung an denselben gerichtete Frage: in wie fern eine Modification des Hofkanzleidccrctes vom 7. Juli 183ß, Z. 17,719, worin von den anzustellenden Kreisrabbinen öffentliche philosophische Studien gefordert werden, für Galizien, wo die reine Durchführung jener Verordnung auf mannigfache Hindernisse stieß, vorzunehmen wäre? Darüber sprach sich Herr Rabbiner Rapoport, — als ein von ächt religiösen Gesinnungen durchdrungener, mit den Verhältnissen seiner galizischen Glaubensgenossen wohl vertrauter Mann — dahin aus, daß absolvirte Prediger bei den im Lande vorherrschenden Vorurtheilen gegen ihren wahren mosaischen Lebenswandel daselbst zwar noch nicht zeitgemäß sind, eS kann und soll aber immerhin eine literarische Ausbildung, entsprechend dem Zeitgeiste, von den Religionöweisern gefordert werden, und zu diesem Behufe schlug er die Unlerziehung derselben unter eine aus Sachverständigen dazu deligirte Prüfungscommissioii vor. Als Hauptelement ihres Wissens aber stellte er den Talmud, jenes alle Kenntnißzweige beherrschende, das mosaische Princip bewahrende große Werk, dar, und führt endlich zur Begründung seiner aufgestellten Behauptung, daß auch bei Israel die Schätze der Philosophie mit allen ihren Nebenzweigen aufgehäuft sind, die Lehrbücher „More Nebuchim" und „Eho» both ha-Lebaboth" an. Was aus solchen ausgesprochenen Meinungen auf den Charakter ihres Urhebers gefolgert werben kann, überlasse ich gern dem unbefangenen Beunheiler, in der sichern Erwartung, d»ss» Urrbcil werbe, wo nicht zum größten Vorkheile, zum Rachtheile desselben gewiß nicht auSfallen! — H. Daniel. Die Schweiz. Lengnau, 1. December. (Privatmitth.) Der Rector der sehr bedeutenden Zürich'schen Industrieschule, Herr Tschetsche, hat unlängst den Stundenplan dieser Anstalt einigen israelitischen Schülern zu Liebe, die sich am Sabbath des Schreibens enthalten, dahin abgeändert, daß er die Schreibestunden von Samstag auf einen andern Wochentag verlegte, obschon in der gleichen Anstalt auch israelitische Schüler sich befinden, denen der Sabbath kein Hinderniß im Schreiben ist. Eine solche Zuvorkommenheit ist in Betracht des letztem Umstandes um so erfreulicher. Wie es jetzt bei so günstigen bürgerlichen Zuständen mit dem Judenthume, mit den synagogalen Zuständen steht? Run, was soll ich sagen? Alle Institutionen, wie man sie nur fordert, befinden sich in unseren Gemeinden: Rabbi, Chasan, Schochet, Sckames, Chebrot, Mikwe, Armenkasse u. s. w. Was bleibt noch zu wünschen übrig? Die Synagogen sind im herrlichen Styl neu erbaut. Was darinnen vorgeht, das ist etwas Anderes. Wer wird sich darum kümmern? Hier sind deren nur Wenige, und diese werden entweder als Narren ober Lehrer betrachtet. Doch — über ähnliche Zustände hat die Ztg. d. Juventh. schon oft genug berichtet. Rußland. Zylomir, 7. December. (Privatmitth.) Am 23. November a. St. (5. December n. St.) visitirte Se. Ercellenz, der Curator deS Kiew'schen LehrbczirkeS, Herr von Rehbinder, unsere Schule. Am folgenden Tage, Sonnabend, Abends wurden der Director unsrer Schule, Herr Jnspector Eichenbaum, und drei jüdische Lehrer zu einer Conferenz, die allgemeine Verbesserung der jüdischen Schulen betreffend, zu Sr. ö

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