Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1857)
- Date
- 1857-01-12
- Page
- Seite 34 (sequence 8)
- Language
- German
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34 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worms, 1. Januar. (Privatmitth.) Mosenthal soll ein neues Drama: „Die moderne Rache" vollendet haben. — B. Auerbachs neueste Erzählung „Barfüßele" ist bereits in einer englischen Uebersetzung erschienen. Wie man vernimmt, soll der Verfasser dieses schönen Buches von unbekannter Hand eine namhafte Geldsumme mit dem Wunsche übersandt erhallen haben, daß von dem Geschenke andere „Barfüßle" bekleidet werden möchten. — Von Ihrem gediegenen Mitarbeiter, H. Zirndorf in Wien, ist ein vorzügliches Drama: Kassandra, Trauerspiel in 5 Acten, erschienen. Eine edle Sprachform begleitet unzertrennlich die dramatische Entwickelung des Stückes, und beide, Form und Inhalt, gewähren im gleichen Maße die anziehendste Lectürc. — Von Löw in Szegedin wird in Kurzem eine Reihe historischer Abhandlungen erscheinen. — Preußen. Berlin, 4. Januar. (Privatmitth.) Die Erlaubniß zum Bau einer neuen Synagoge an die Stelle der interimistischen sogenannten Hamburger auf dem angekauften Platze ist endlich herabgelangt. Es ist dies sehr erfreulich, schon darum, daß auch hier sich gezeigt, daß das klare, einfache Recht zuletzt alle Nebel der Jntrigue zerstreut. Oesterreichischer Kaiserstaat. Tarnow, im Deccmber. (Entgegnung. Eingesandt.) Unter dem Titel „Briefe von der westgalizischcn Grenze" erschienen in den Spalten der Allg. Ztg. d. Judenth. eine Reihe von Aufsätzen, deren vorherrschender Zweck, die Schattenseiten des galizischen Judenthums hervorzuheden, sich fast aus allen deutlich und wahr auöspricht. Ich will mich hier in keine weitere Polemik bezüglich deren allgemeinen Tendenz cinlassen, dies aber auch schon aus dem Grunde nicht, weil ich, als Galizianer von Geburt, in dem Vertheidigungseifer meiner hiesigen Rcligionsgenossen vielleicht etwas zu sehr von dem Gegenstände mich hinreißen ließe, so daß es den Verdacht erregen könnte, als habe Schreiber dieses aus übertriebenem patriotischen Interesse die Wahrheit übersehen, ja etwa gar demselben seine eigene innigste Ueberzeugung zum Opfer dargebracht. Fand ich mich aber aus diesen Gründen bewogen, wegen der dem gesummten Judenthume Galiziens zur Last gelegten Beschuldigung nicht in die Schranken zu treten, so kann ich jedoch eine gleiche Zurückhaltung hinsichtlich einer in den letzten Berichten des Herrn Reisenden (in Nr. 47. dieser Blätter) vorkommenden Aeußerung nicht beobachten. Daselbst griff er eine wiewohl unbenannte, aber aus dem Inhalte seiner Anmerkung leicht zu erkennende Persönlichkeit an, welche nicht nur in Galizien, sondern auch in Deutschland den gerechten Anspruch, unter die Celebritaten der neuen Zeit gezählt zu werden, machen dürfte. Man muß den hiesigen ehrwürdigen Krciörabbincr, Herrn Israel Rapoport, — dem offenbar jene verletzende Anspielung galt — kennen gelernt haben, um eine jenen Beschuldigungen ganz entgegengesetzte Meinung von diesem religiös und literarisch hochgebildeten Manne zu erlangen. Während er auf der einen Seite als würdiger Nachkömmling seiner talmudisch hochberühmten Vorfahren das weit ausgebreitete Gebiet des Talmuds mit seinem Scharfsinne umfaßt, trägt er auf der andern Seite den Anforderungen einer fortschreitenden Zeit die vollkommenste Rechnung. Am hiesigen k. k. Gymnasium unterzog er sich einer strengen Prüfung aus den propädeutischen Gegenständen, und erwarb sich durch seine bei dieser Gelegenheit an den Tag gelegten wissenschaftlichen Kenntnisse die Freundschaft und den Umgang der höhern Beamten. Als kurzer Beleg der Beschränktheit und Unwissenheit deS eben der Wahrheit gemäß geschilderten KreisrabbincrS citirt der Herr Reisende dessen Ausdrücke, worin er die Worte More nebuchim und Chobolh ha-Lebaboth als hinreichende Quellen der philosophischen Fächer in einer an die hohe Regierung gerichteten Schrift bezeichnet habe. Abgesehen davon, daß diese fragmentarisch aus dem Conterte ausgezogenen Aeußerungen in demselben einen klaren, mit der Eultur Hand an Hand gehenden Sinn erhalten, wüßte ich nicht, welche Logik den Schluß von jenen Worten auf die „Erbärmlichkeit und Eigennützigkeit" des Herrn Rapoport berechtigen dürfte? Wer könnte es nur wagen, jenen großartigen Wer-