Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1857)
- Date
- 1857-01-12
- Page
- Seite 33 (sequence 7)
- Language
- German
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33 fühl der Beruhigung schauen; denn sicher wird auch sie Männer im Schoße hegen, die von der Vorsehung berufen sind, Muster und Vorbilder der kommenden Zeit zu sein. w nV^n -pa I1N1722 Kein Gerechter scheidet früher aus dem Leben, bis ein Gerechter geboren worden, der ihm gleichen wird. Und während sich hier das Grab schließt über die letzte Hoffnung des Zeitalters, blüht dort in stiller Kammer, in dem Lächeln eines Neugeborenen, dem Weltgeiste allein bemerkbar, neue Wonne der Menschheit auf. „Der Satz, der Beweis, die Anwendung sind zu Ende; vielleicht auch das Zeitmaß einer Predigt, zumal einer Probepredigt, die Jeden ergötzen und Keinen verletzen soll; die durch kein Wort, keine Miene, Bewegung, Wendung Anstoß erregen soll, die von dem zweischneidigen Messer der Kritik bis in die kleinsten Fasern unbarmherzig zerlegt wird. Wie gesagt, das passende Zeitmaß ist vielleicht zu Ende; allein, wenn auch der Satz zu Ende ist, der Schrifttert, der ist nicht zu Ende. Und als Diener meines Gottes und als Lehrer des göttlichen Wortes ist es meine heilige Pflicht, den T'ert zu erklären. „Den Schluß der Schristworte: ritt Nd — diesen Schluß müssen wir erst noch im Zusammenhänge mit dem vorigen deuten; und in der That, diese vier Worte werfen erst das rechte Licht aus unseren heutigen Satz. „Jede Zeit hat ihren Mann; allein was ist das für ein Mann! Muß er seine Zeit überragen durch Reichthum, Macht, Ansehen, Ehre, Einfluß, Würden? — Nicht doch; hier steht es deutlich: tnfrbKfi n«. Dieser Mann soll in Allem, was er denkt und thut, Gott vor Augen und im Herzen haben; dann bildet er gleichsam das lebendige Ehrenzeugniß eines ganzen Zeitalters. „Jede Zeit hat ihren Mann; allerdings; aber, was überdauert alle Tage, was ist es, das in der Fluth der Zeit nicht untergehen kann? — Mit Gott wan - delte Noah! — Das, was wahrhaft göttlich, für Gott, mit Gott unternommen worden, als' Segen verheißende Saat für alle Zeiten ausgestreut worden, mbin nba Nd dies ist die Geschichte Noahs! Schreibt man die Geschichte eines solchen Mannes nicht blos für seine nächste Umgebung und für seine Zeit, sondern auch für die späteste Zukunft, dann verschwindet Ehre, Reichthum, Amt und Würde, und der Geschichtschreiber prüft lediglich ob er ein üv:n p'NL 2^8, ein frommer und redlicher Mann gewesen; und na — ob er mit Gott sein Leben lang gewandelt bis zu der Stunde, die ihn seiner Zeit entzieht und mit dem göttlichen Reich: verbindet, wo der Staub der Erde schwindet und die Seele mit dem gnadenreichen Vater im Himmel sich verbindet." Ich bin am Ziele; an vielen Stellen habe ich den Redner selbst sprechen lassen und den äußeren Rahmen seiner Gedanken und Bilder und Gleichnisse unverfälscht wiedergegeben. Den Zauber der Sprache, die meisterliche Diction, die kunstgerechte Rundung, die Fülle, die Lebendigkeit, die Kraft des Ganzen habe ich nicht wiedergeben können. Auch die damit gepaarte Gelassenheit und Ruhe, die bezwingende Kraft der Logik, die plastische Formenvollendung, und endlich die rhetorische Einheit läßt sich nicht wiedergeben; so wie denn überhaupt nichts schwerer zu reproduciren ist als ein Meisterwerk, und die Aufgabe der Kritik in diesem Punkte die undankbarste und die dankbarste zugleich ist. Weniges bleibt mir noch hinzuzufügen. Daß das Gebet ein würdiger Abschluß des Ganzen war, daß Vortrag, Pronuneiation, Mimik nicht hinter dem Gesammteindrucke zurückblieben, mag nur beiläufig bemerkt werden. Mancher, der mit kalter Neugier die Hallen des Gotteshauses betreten hatte, ging bewegt und erwärmt von dannen und fühlte den Gott in seinem Innern. Mancher Andere stellte in seinem Sinne Vergleiche an zwischen dem Manne in Silberlocken, der seit einem Menschenalter das Wort Gottes hier gelehrt, und zwischen dem Manne in Jugendlocken, der sich heute neben ihn gestellt. Und gewiß schloß er seinen Vergleich damit: hier gälte es nur, zwei Kränze oder keinen zu vertheilen. Der treffliche Mannheimer selbst konnte mit schöner, neidloser Freude den Erfolg des Bewerbers begleiten. Sah er sich doch hier ergänzt und den Voügehalt seiner Lehrthätigkeit wiedergeboren in einem Manne des jüngeren Geschlechtes. Daß Dr. Jellinek andern Tages mit großer Majorität erwählt worden, ist bereits aus anderen Mittheilungen kund geworden. So haben meine Berichte endlich doch einen erfreulichen Abschluß erhalten, und Wien hat einen zweiten Prediger.