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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-12 · Heft 3 (12.1.1857) · p. Seite 30

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 3 (12.1.1857)
Date
1857-01-12
Page
Seite 30 (sequence 4)
Language
German
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so fern Staate, und nirgends verdient er aber auch in höherem Grade das Ansehen und die Achtung seiner Mitbürger. Möge es immer so bleiben; möge das Aufgeben jener Vorurtheile eben so dauernd sein, als es gerecht ist, und der Jude, sofern er gerecht und redlich ist, sich stets und überall die Achtung und das Ansehen erwerben, die seinem Volke so lange vorenthalten worden und welche die Freisinnigkeit Amerikas und Californiens immer bereit sein werden, seinem Unternehmungsgeist, seiner Sparsamkeit, Höflichkeit, Enthaltsamkeit und Fähigkeit zu zollen. Wiener Briefe von H. Zirndorf. V. Dem Ungefähr einer Reise verdankten wir den Genuß, Herrn Dr. Adolf Jellinek auf der Kanzel des Wiener Gotteshauses zu begrüßen. Es war am 1. November, N2 v, als dieser gefeierte Prediger fich hier vernehmen ließ. Nicht leicht hatte eine Probepredigt jemals so große Erwartungen erregt; und kein Wunder, daß der kleine Raum unseres Bethauses bei weitem den Zudrang der Hörer nicht zu fassen vermochte. Man kann wohl sagen, eine vielfach gespaltene Theilnahme knüpfte sich an die Person dieses Redners; und wer in den Herzen der Zuhörermenge härte zu lesen verstanden, der würde die Erwartung, die Hoffnung, die Zuversicht und wohl auch die Befürchtung, die sich in den Blicken malte, mannigfach haben deuten können. Der Mann, welcher in der Nische neben dem greisen Mannheimer Platz genommen hatte, der noch Jugendliche in dem schlichten Talare, den die Lehrer Israels tragen, war er nicht ein Sohn dieses Landes? Aus dem mährischen Orte Ungarisch-Brod gebürtig, hatte er früh seine Wanderung in die Welt angetreten und auf den Hochschulen Norvdeutschlands fich für seinen hohen Beruf vorgebilvet. So war er den meisten selbst seiner engeren Landsleute fremd geworden; aber doch galt er als ein Sendbote des österreichischen Geistes; doch rief Einer dem Andern zu: er ist Einer der Unseren, ein Sohn jenes verkannten Oesterreich, dessen geistige Kraft, dessen Aufschwung man vornehm läugnet. Das ist er nun freilich; aber aus jener Provinz des Kaiserreiches, die sich des frischesten Strebens bcrübmt, aus dem lernbegierigen Mähren, daS die strebsamsten Jünglinge auf die Hochschulen entsendet, die fleißigsten Lehrer und Schüler zählt und in einem noch verworrenen und unklaren Drange und im Kampfe divergirender Elemente fich unverkennbar um das Bessere bemüht. Nicht minder als die Hörer beschäftigte der Ruf dieses Mannes die Leser. Jahr um Jahr kamen frische Gaben, die der uuermüdete Forscher auf den Feldern des jüdischen Alterthums gesammelt hatte. Die Kabbala, die Literatur des Midrasch, die Religionsphilosophie ward durch seine rastlose Thätigkeit immerfort ans Licht gefördert. Als dieser Mann die Stufen vor der heiligen Lade hinausschritt, und als das erste Wort das erwartungsvolle Schweigen brach, da öffneten sich ihm die Herzen der Hörer. So selten ist der einheitliche Genuß eines vollendeten Kunstwerkes, daß der Kritiker, soll er Kunde geben von dem, was er vernommen, sich darauf beschränkt, das Werk selbst für sich sprechen zu lassen und seinen Eindruck zu schildern. So werden auch wir unserer Aufgabe am besten entsprechen, wenn wir diese Homilie an den schwachen Fäden der Erinnerung zu reproduciren suchen. ":n nr rnbm „Dies ist die Geschichte Noahs: Noah war ein gerechter und frommer Mann in seinen Zeiten; — mit Gott wandelte Noah." Diese weltbekannten Worte des Wochenabschnittes bildeten die Grundlage des Vortrages, der fich auf scheinbar einfachen Ausgangspunkten zu einem Meisterwerke wölbte und immer überraschender neue Fäden in den schlichten Teppich der Tertesworte webte. Erst im jüngsten Wochenabschnitte ward die Schöpfung in all ihrer Herrlichkeit geschildert; wir haben sie stufenweise werden sehen. Heute vernehmen wir bereits: diese Schöpfung ist zerstört. Jedes Geschöpf ist entwürdigt, jedes Gebilde von seiner Höhe herabgesunken, und auch der Mensch, das edelste Gebilde Gottes, „die Hebe der Welt", nöfin, auch er ist entwürdigt und gesunken. — Das Bild der Sündstuth, der Zerstörung wird hierauf in einer ergreifenden Darstellung von malerischer Wirkung ausgeführt, eine Darstellung, welche an die besten Werke jener neuen Maler erinnert, welche die Kunst um eine neue Provinz bereichert haben: die dramatische Malerei, und besonders an die berühmte Sündfluth von Schorn. So stehen die beiden Schilderungen, Schöpfung und Zerstörung, einander gnll gegenüber. Doch ein Mann

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