Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1857)
- Date
- 1857-01-12
- Page
- Seite 29 (sequence 3)
- Language
- German
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29 gebreitete Repräsentation und überall hört man vtn ihrem Erfolg und Glück, welches sie dem Gedeihen des Platzes durch Errichtung von soliden Bauwerken und Niederlagen für das Anwachsen ihres Geschäftsbetriebes widmen, welches durch Betriebsamkeit, Sparsamkeit und Vorsicht hervorgerufen wird. Bei allen den großen Feuern, welche die Häuser von Californien zerstört haben, haben sie viel zu leiden gehabt. Jahre lang haben sie den sauren Schweiß ihrer Mühen durch unbarmherzige Feuersbrünste vernichtet gesehen, und dennoch haben sie mit der ungeba'ndigten Energie ihres Stammes daran gearbeitet, das wieder zu gewinnen, dessen sie so durch Mißgeschick beraubt worden waren. Ost, in der That, sollten sie nicht nur verlieren, was sie gesammelt, sondern sie kamen noch mehr zurück, da sie durch die Zerstörung ihrer Waarenlager in Schulden gestürzt wurden. Dies jedoch konnte sie nicht zurückschrecken. Ihr vorsichtiger, kluger und ehrenwerther Charakter hat unumstößliches Vertrauen und Sympathie für sie eingeflößt, und sie rafften sich bald aus diesem Unglück auf. Ueberall wachten sie ängstlich über diese große Plage unseres Landes, und durch Errichtung von festen Gebäuden verhinderten sie ferneres Unglück. In allen commerciellen Unternehmungen hielten sie Schritt mit den Vedürsniffen und Fortschritten des Tages und wurden als Kaufleute beliebt, bewundert — ja sogar zuweilen beneidet. Der fast allgemein glückliche Erfolg der Juden als Kaufleute in Californien muß einigen besonderen Gründen zugeschrieben werden; denn ob auch andere Nationen in diesem Staate glücklichen Erfolg von ihren Unternehmungen gesehen, so hat doch, was ganz besonders hervorzuheben, keine Volksclaffe, welche mit einem so unbedeutenden Kapitale angefangen, sich zu einer solchen Höhe emporgeschwungen. Der ernste Beobachter wird finden, daß ihr besonderer Fleiß sie größtentheils enthebt, besondere Commis zu halten, welche bei dem ungeheuer hohen Gehalt, den sie bekommen, bald einen so traurigen Ausfall in dem monatlichen Gewinn hervorbringen. Sie bezahlen ferner selten unerhörte Zinsen, und unterziehen sich lieber mancherlei Unbequemlichkeiten, ehe sie sich dergleichen Ungehörigkeiten zu Schulden kommen lassen. Sie meiden jede Schaustellung glänzender Decorationen, machen sonst keine unnützen Ausgaben, sondern befleißigen sich vielmehr der Sparsamkeit in allen Geschäftszweigen. Selbst nach Jahren des-Erfolges, und wenn sie sich ihrer Geschicklichkeit in der Zurschaulegung ihrer Maaren wohl bewußt sind, auch dann noch sind es nur Wenige , die auf diese Aeußerlicbkeiten etwas geben. Auch ihre Art der Geschäftsführung ist der Beachtung werth. Sie sind immer darauf bedacht, ihr Geld in kurzer Zeit und mit geringem Nutzen nmzufttzen, und man wird finden, daß im ganzen Lande ihre Verkaufsläden als die „billigen"' bezeichnet werden. Dies ist ein wichtiges Handelsgeheimniß; und wer sich diesen Ruf der Billigkeit einmal erworben hat, kann sicher sein, viel Käufer zu finden. Gewöhnlich suchen sie sich vor Allem für ihr Geschäft diesen beneidenswerthen Ruf zu gründen, alsdann durch stete Höflichkeit und das Bestreben, einen Jeden zu befriedigen, ihre Erfolge unzweifelhaft zu machen; und was auf diese Weise erworben ist, wird durch Sparsamkeit zusammengehalten. Ihre schnelle Auffassungsgabe läßt sie das zu einem jeden Handels weige Erforderliche bald durchschauen, und haben sie erst einmal Etwas unternommen, so sind sie auch entschlossen, mit all ihren Kräften auf das Ziel loszuarbeiten, wobei ihre natürliche Neigung sowohl wie auch die engen Beziehungen zu den andern Glaubensgenossen sie zu einem Wetteifer anreizen, dessen Ziel eben eine hohe kaufmännische Stellung in der Stadt ist. Die Waare, vom Augenblick an, wo dieselbe aus den Schiffen verladen, bis zur Zeit, wo sie verbraucht ist, geht fast nur durch die Hände der Juden. Als Einfuhrhändler, Aufkäufer und Krämer scheinen sie fast den ganzen Handel in Händen zu haben, und unsere Geschäftsstraßen sind dicht von ihren Läden, Waarenhäusern und Niederlagen angefüllt. Ihre kaufmännische Stellung ist in der That groß, und ohne sie würde jetzt in unserem Staate der Handel ins Stocken gerathen. Die Handelscompagnien für das Innere hängen zumeist von ihrer Unterstützung ab, und die Ladungs- und Paquetlisten wimmeln fortwährend von ihren Namen. Eine solche Stellung konnten sie sich jedoch nicht ohne große Aufmerksamkeit, Redlichkeit, Fleiß und persönliche Opfer, nur durch unausgesetzte Klugheit und Höflichkeit erringen, und wie es scheint, sind sie fest entschlossen, ihr Streben nun noch durch Würde und Reichthum zu krönen. Dies Alles hat viel dazu beigetragen, die sonst gegen die Juden als eine schmutzige, hinterlistige Race gefaßten schmachvollen Vorurtheile zu besiegen. Gewohnheit und Erfahrung haben unsere. Nachbarn in Californien über die Unrichtigkeit ihrer Ansichten belehrt. Nirgendwo in Amerika wird der Jude richtiger beurtheilt und so bereitwillig anerkannt und gewürdigt als in die- 3*