Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1857)
- Date
- 1857-01-12
- Page
- Seite 28 (sequence 2)
- Language
- German
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den Frühlings, wenn die Sonne die Schneedecke der Erde weggeschmolzen und ihre Strahlen in das Eisjoch der Ströme ^gedrungen und es zerbröckeln mSMn — diese) Zeit ist die gefährlichste Zeit für die Saaterj. Wenn da die Lenzsonne die ^prößlinge aus der Erde und die Knos^ pen an den Bäumen hervorlockt, aber in den Nächten kommt ein rauher Nordwind, und schüttelt den Reif über Flur und Gesträuch, so wird die Hoffnung des kommenden Sommers, so wird die Frucht des Jahres vernichtet. Und die allzu schnell geschmolzenen Schneewasser des Gebirges kommen herunter, und die sich bäumenden Fluchen überrollen ihre User und durchbrechen ihre Dämme, und wandeln weithin die gesegneten Länder zu verderbenschwangerer Wasserwüste. Es ist nicht zu verkennen, daß selbst die Herrschaft der Humanität und des Rechtes gefördert und unterstützt wird durch den Mangel an Innerlichkeit, durch die Abschwächung heißerer Gefühle und durchdringenderer Gedanken. Die steigende Cultur mit ihrer vorherrschenden Verstandesbildung, mit ihrer Ausdehnung des Interesses auf zahllose Gegenstände, auf Nähe und Ferne kann nicht anders als den Menschen immer mehr nach Außen führen, ihn seiner Innerlichkeit abwenden und auf das Mannigfaltigste beschäftigen. Wer in großen und kleinen Städten seine Aufmerksamkeit auf die Letzte Rubrik der Zeituugen, die Anzeigen der öffentlichen Vergnügungen richtet, dem kann es nicht entgehen, daß die Zahl dieser, der Glanz und die Anziehungskraft derselben außerordentlich gestiegen, und gerade dadurch und daß sie immer lukrativer werden, noch fortwährend steigen. Gleicher Weise wächst auch das Vedürfuiß nach den öffentlichen Vergnügungen unbewußt, so daß sich ja selbst die Eltern schon von dem Gefühle beherrschen lassen, der Jugend, und zwar sehr frühzeitig, doch auch ein „Vergnügen" verschaffen zu müssen! Wir sind durchaus nicht rigoros, und gönnen dem Menschen eine stüchtige Stunde der Lust, wenn dieselbe frei ist von Schuld und Leidenschaft. Aber wie selten bleibt sie lange so! Und daß diese außerordentliche Zerstreuungssucht, welche nicht blos den Palästen der Reichen und den Hütten der Proletarier, sondern auch den Häusern des einfachen Bürgerstandes ihre Bewohner entzieht, das innerliche Leben des Menschen vermindert und ihn zu einem beständigen Außenleben bringt, wer vermöchte dies zu läugnen?! Hierzu aber nun und als hauptsächlichstes Motiv — die steigenden Bedürfnisse und die große Entwickelung des gewerblichen Lebens. Der Handel hat^ seiA festes .Bett, feinest einfachen Weg, Ws Haridnserk seimn sichern, goldenen Boden verloren.— Alles muß ins Große getrieben werden, Alles mußspeculiren, Alles den möglich größten Gewinn aus Ein- und Verkauf und Production zu ziehen suchen — das ganze gewerbliche Leben ist zu einem unermeßlichen Kampfe geworden, zu einer wechselnden Fluth und Ebbe, die bald selbst die höchsten Klippen überschlägt, bald den niedrigsten Strand zur weiten Sandbank macht. Aber dieser Kampf, dieses Ringen, dieses in Beschlagnehmen der Menschen durch die Sorge um den Erwerb, so furchtbar herangewachsen im Verhältniß zu dem einfachen Gewerbsleben der früheren Zeiten, läßt den Menschen wenig zu sich selbst kommen, und verdrängt alles innere Leben, alles tiefere Menschenwesen. Dies sind die bedeutenderen Momente, durch welche es geschieht, daß unsere Zeit, die so außerordentliche Glanzseiten besitzt, durchweg an Innerlichkeit verloren hat, und jener Frühlingszeit gleicht, wo die rauhen Nächte mit ihrem Frost mehr zerstören, als die laue Tagessonne schafft. Das wichtigste Moment der Innerlichkeit ist aber das religiöse Bedürfniß, dessen Mangel der Schlüssel zu den mannigfaltigsten Erscheinungen der Neuzeit ist. Die commcrcielle Stellung der Juden in Ca- Ufornien. (Aus dem californischen Blatte Me Voiee of Israel No. 6.) Bei der ersten Ankunft in unserer Stadt überkömmt eine Art von Erstaunen alle die, welche die große Anzahl der von Israeliten geleiteten Geschäftshäuser erblicken, welche im Verhältniß zu dem Handel weit größer ist, als in irgend einer Stadt Amerikas. Jever Zw^g des Geschäfts wird von ihnen bearbeitet unter gegenseitigem Credit und allgemeiner Achtung. Unter den größten Importeurs nehmen viele jüdische Firmen den ersten Platz ein3 das Glück in ihren Unternehmungen ist in den bedeutenden Sendungen, welche an jedem Dampsschifftage gemacht werden, ersichtlich. Der Einfluß, welchen sie auf den Handel im Staate ausüben, der bedeutende Werth ihrer Versendungen und die Größe ihres kaufmännischen Rufes lassen sie unter die nützlichsten, wohlthätigsten und ehrenwerthesten Kauf- Leute zählen. Jede kleine und große Stadt hat von ihnen eine aus-