Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1857)
- Date
- 1857-01-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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21 Jahrgang. Allgemeine Zeit««g des Zudenthums. Eil! unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»« in Magdeburg. Leipzig, den 12. Januar 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bvgen in Quart incl. des Titels. Registers u. s. w. um« fassen. Zn Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22|/a> Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angefetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs«Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die körngl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Was ist der tiefste Schaden unsrer Zeit? I. — Die eomrnercielle Stellung der Juden in Californien. — Wiener Briefe von H. Zirndorf. V. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Worms. Preußen: Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Tarnow. Die Schweiz: Lengnau. Rußland: Zytomir, Riga. Frankreich:Paris. Großbritannien: London. Literarische Nachrichten: Jamnitz. (Schluß.) Leitende Artikel. Magdeburg, 5. Januar. Was ist der tiefste Schaden unsrer Zeit? I. Daß wir es mit wenigen Worten aussprechen: es ist der Mangel an religiösem Bedürfniß, der Mangel an tiefer Innerlichkeit überhaupt. Wir kennen die glänzenden Vorzüge unsrer Zeit. Zu den strahlendsten gehört das immer mehr und immer weiter verbreitete Humanitäts- und Rechtsgefühl. So sehr auch manche Erscheinungen der jüngsten Zeit dagegen zu sprechen scheinen, so sehr von einigen Seiten selbst diese Ausdrücke geschwächt und verpönt werden — so ist es doch wahr, daß die Herrschaft der Humanität und des Rechtes sich immer mehr kräftigt und immer größere Theile des Menschenstammes überwältigt. Wir brauchen nur gerade auf das letzte Jahrzehend mit ( seinem ungeheuren Inhalt zu blicken, und einen Vergleich zu ziehen mit früheren Jahrhunderten, um unsren Ausspruch zu wahrhafter Freude gerechtfertigt zu finden. Eine Alles erschütternde Bewegung ging durch die civilisirte Welt) eine mächtige Gegenbewegung schlug jene zurück — wie viel Ströme Blutes hätten in früheren Zeiten bei solcher Veranlassung, bei so riesigem Kampfe die Länder überschwemmt, wie zahllose Aechtungen die Völker decimirt, wie lange wäre der Lauf der Gerechtigkeit gehemmt, die rächende Gewalt auf den Thron gehoben, alle sanfteren Gefühle und alle Künste ves Friedens verbannt worden! Wenn nun auch jene großen Erschütterungen unsrer Zeit nicht ohne mancherlei UnbiUe vorübergegangen sind und vorübergehen konnten, so schwinden diese doch im Verhältniß zu den Geschehnissen früherer Zeit zu Nichts zusammen, und die gräßlichen Tage der Geschichte wurden durch die Vorgänge des letzten Jahrzehends nicht vermehrt. Der Parteihuß, die Parteiverblendung sind nicht mehr stark genug, um den in die Geister tief eingedrungenen Gefühlen der Humanität und des Rechtes siegreich entgegenzutreten. Ja, auch auf unsrem Gebiete bewährt sich dieses, und wenn auch wirklich Mecklenburg den Juden den Erwerb von Grundbesitz versagt, und Meiningen ihre Niederlassung verwehrt: denken wir daran, wie in den Staaten des Sultans die Gleichberechtigung der Juden anerkannt werden mußte, und im unermeßlichen Czarenreiche eme mildere Sonne ihnen aufgegangen, so werden auch wir an dem Wachsthum des Rechts und der Humanität nicht zweifeln. Vergessen wir aber nicht, jene Zeiten des erwachen-