Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1857)
- Date
- 1857-01-05
- Page
- Seite 22 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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22 und zwar die armen Kinder in der Kindecbcwahranstalt und die Schützlinge des Kreuzervereins. Man kann sich nur freuen, wenn man die massenhaften, wahrlich reichlichen Geschenke sieht, die für die Kinder bestimmt sind. Allerdings ist auch die Anzahl der Kinder, die betheiligt werden, sehr groß. Wenn man von der Wiener israelitischen Gemeinde spricht, hat man gewöhnlich die reichen Namen vor Augen. Wenn man das Kindcrcontingent, das betheiligt wird, betrachtet, sieht man, wie groß die Armuth ist, und es lhut wohl, daß die Mildthütigkeit und Wohlthätigkeit nicht ermatten. Ich erlaube mir, Ihnen zugleich von einer andern Bctheiligung mitzuthcilen. In St. Miklos in Ungarn war früher der Gebrauch, daß die Kinder der Armen an Chanuka und Purim herumgingen und bettelten. Seit einigen Jahren ist dieser Mißbrauch abgestellk. Einige Schüler, Kinder wohlhabender Leute, gehen zwei Mal des Jahres mit einem Subscriptionsbogen herum und sammeln Geld für ihre armen Mitschüler. Das Ergebniß dieser Subscriptionen reicht gewöhnlich hin, um den armen Kindern vor Rosch haschono einen Winteranzug und am Purim einen Sommeranzug zu geben. — Wir können diesen Vorgang nicht für Wien und ähnliche Gemeinden Vorschlägen; aber in kleinen Gemeinden dürfte er sich praktisch sehr bewähren. Das bürgerliche neue Jahr wird mit einer rr-ün rmro der Chcbra Kadischa eingeleitct werden, die am 4. Januar 1857 statlsindet. Es wird auch hoffentlich eine fromme Absicht, die damit in Verbindung stehet, erreicht werden. Die Gemeinde mußte nämlich in letzter Zeit daran gehen, den Gottesacker zu erweitern. Es wurde ein Grundstück um beiläufig 15,000 Fl. zu diesem Zwecke angekauft. Die türkische Gemeinde übernimmt einen Theil davon, die andern >0,000 Fl. sind noch zu decken. Da die hiesige Gemeinde als solche kein Geld besitzt, so will man durch eine Subscriprion die Summe einbringen. Der begabte Sohn des hiesigen Obercantors, Herrn Julius Sulzer, ist von der Akademie der Tonkunst zum Professor des Gesanges ernannt worden. Zum Schluffe noch einige literarische Neuigkeiten: Bei Della Torre hier erscheint nächstens das vollständige Gebetbuch der Karäer. Es ist von den jüdischen Gemeinden in der Krim bestellt. Das Original, nach welchem es gedruckt wird, ist in der Krim gedruckt und ist allerdings nicht elegant ausgestattet. Zu bedauern ist nur, daß bei der Uebergabe zur Drucklegung die Bedingung festgesetzt wurde, sämmtliche Eremplare abzuliefern. Kein Exemplar darf verkauft oder wie sonst wcggcben werden. Hoffen wir im Interesse der liturgischen Wissenschaft, daß noch ein Ausweg vermittelt werden wird. Bei Knöpflmacher erscheint nächstens der zweite Jahrgang des Ozar Nechmad von Blumenfeld. Er enthält unedirte Briefe und Poesien von Maimonides, Raschi, Abarbancl, Ihn Tibon, Gabirol, Jehuda Halewi. Von den Mitlebenden haben Beiträge gegeben: Dr. Geiger, Luzzato, Reggio, Carmoly, Steinschneider, Duckcs ic. bl. B. Berlin sucht einen Ncligionslehrer und sucht ihn unter den Medicinern. Das geschieht in der Stadt, wo 'rrnnn dn o^nr' Was soll anderswo geschehen? Literarische Nachrichten. Jamnitz, 1. December. (Von D. Oppenheim, Rabb.) Die bisher in Oesterreich so spärlich vertretene, wahrhaft stiefmütterlich behandelte Schulliteratur nimmt jetzt einen solchen erfreulichen Aufschwung, einen solchen rapiden Anlauf, sich des wiedergewonnenen Terrains zu bemeistern, daß es fast unmöglich ist, all die mannigfachen täglich austauchenden Erscheinungen zu überblicken oder gar einzeln zu registriren. Die glückliche Zeit ist vorüber, wo ein Schulbuch wenigstens seine 5 0 — 6 0 Jahre, wie jeder andere Staatsbeamte, dienen mußte, bevor es Pension erhielt, ja wo sich ein solches Werk gleich einer heiligen Reliquie von Geschlecht zu Geschlecht, vom Großvater auf den Enkel vererbte und fortpstauzte. Der Geist der neuen Zeit hat diese welken Blätter von dem Baume der Erkcnnrniß bis auf wenige Spuren weggefegt. — Auch die israelitische Volksschule hat kürzlich ein solches Erbstück der guten alten Zeit zu Grabe getragen und wir haben das betreffende Circular in Nummer 45. dieser Zeitung mitgetheilt, wodurch das bisher für dm gesammren jüdischen Religionsunterricht in seinen mehrfachen Abtheilungen und nach den verschiedensten Alters- und Bildungsstufen einzig und allein gesetzlich eingeführte religiös - moralische Lehrbuch „Vne Zion" von Anno 1810, von dem auch eine italienische Uebersetzung veranstaltet, außer Wirksamkeit gesetzt