Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-05 · Heft 2 (5.1.1857) · p. Seite 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 2 (5.1.1857)
Date
1857-01-05
Page
Seite 20 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226042--15833-3244649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Jahreszeit, als auch durch ihr Schachteramt behindert waren, in persona bei dem Jubilar zu erscheinen. Nur die Lehrer aus der nächsten Umgegend fanden sich ein und statteten nochmals ihre Gratulation, in einem paffenden hebräischen Segensspruche gefaßt und von dem Senior derselben Namens aller übrigen College» des Kreises vorgetragen, mündlich ab. Der ehrwürdige Jubilar, erfreuet und gerührt durch diese Beweise der Liebe und Verehrung, die ihm vom Lehrerstande seines Sprengels gegeben wurden, stattete in einer kurzen, aber herzlichen Anrede seinen Dank dafür ab, nöthigte sodann die anwesenden Gratulanten, einige Erfrischungen bei ihm einzunehmen, und lud sie zu einem Festmahle auf den Abend bei sich ein, da er diesen Tag als einen nano rp3?n verbringe. Der Abend ward im traulichen Kreise bei einem frohen Mahle unter Gesängen und freundschaftlichen Unterhaltungen recht munter und vergnügt zugcbracht. Eine nochmalige Ansprache des Jubilars, in welcher er am Ende auch nochmals seine Gefühle für die Lehrer äußerte, erwiderten letztere mit den Worten des heiligen Sängers im 112. Psalm, den sie als Gebet und Wunsch für den Gefeierten im Urtert mit passender Melodie absangen. — Zum Schluffe der Feier und zum dauernden Gedächtnisse derselben wurde von den Lehrern des Kreises eine Lehrerconferenz gegründet und die Statuten dazu vorläufig entworfen, die bei der betreffenden hohen Behörde behufs der Einholung der erforderlichen Genehmigung eingereicht werden sollen. Ueber die Wirksamkeit dieses Vereins werde ich, so Gott will, zu seiner Zeit, wenn er sactisch ins Leben getreten sein wird, das Wichtigste berichten, was von allgemeinem Interesse für die Leser der Allgem. Ztg. d. Judenth. ist. Eine Ehrenbezeugung des Jubilars Seitens seiner Gemeinde und der Schuljugend, deren Lehrer derselbe seit einem Vierreljahrhundert ist, vermißte Referent gänzlich. Wahrscheinlich hatten die Vertreter der Gemeinde diese Zeit einer Jubelfeier ihres Geistlichen und Jugendlehrers für eine rnianb ns und nicht für eine -mb na gehalten und geglaubt, daß es dem stillen, anspruchslosen Manne lieb sei, wenn man eine öffentliche, Aufsehen erregende Feier unterlasse. Doch hätten sie bedenken sollen ',2 iS a-ma irret» Nin mim ar ntn arn am? -cros yiy -38221. (2 B. Kön. 7, 9.) Zugleich erlaubt sich Ref., noch Einiges aus der nahe an 80 Familien zählenden israelitischen Gemeinde Eschwege mitzutheilen. — Sie besitzt eine im Jahre 1838 neu erbaute Synagoge, geräumig und schön eingerichtet, mit einem Chor. Der G ottesdienst, in welchem noch alle unsere Gebete in unabgckürzter Form beibehalten sind, wird aus eine sehr würdige Weise abgehalten. Predigt und vierstimmiger Chorgesang tragen hierzu nicht wenig bei. Viele der hebräischen Gesang stücke (die früher von dem vorhinnigen Vorsänger Schloß sel. Andenkens in gewöhnlicher Weise Solo vorgetragen) werden seit Bestellung deS jetzigen Cantors Engelbert (im Jahre 1551) mit einem von demselben gegründeten und eingeübten vierstimmigen Chore präcis und erhebend abgesungen, und an den Fest- und sonst auszeichneten Sabbathtagen und wenn gepredigt wird, werden auch noch deutsche Choräle — aus bip m?:i von Dr. Büdinger, und seit dem Erscheinen Ihres mit den ansprechenden rhythmischen Melodien ausgestatteten „kleinen Gesangbuches" auch aus diesem — von dem Chore vorgetragen. Dabei herrscht die schönste Ordnung und Ruhe während deS ganzen Gottesdienstes, den darum Keiner unbefriedigt verläßt. Bei dem regen GeschäftSleben der israelitischen Gemcindeglieder findet man überall ein ächt jüdischreligiöses Leben, strenge Beobachtung der Speise- und Sabbathgesetze, erfreuliche Ausübung der Menschenliebe, vornehmlich der Wohl- und Milbthätigkeit gegen einheimische und auswärtige Hülfsbedürstige und Nothleivende in einem seltenen Maße*); dabei eine wohlthucnde Einigkeit. In ihrem 1845 errichteten Casino sicht man den schönen Spruch: aia na n:n *) Zu diesem Zwecke bestehen daselbst mehrere Vereine, als: eine i>rna2 inan, eine nahm inan i-rnn unv eine Frauen - inan. Ans diesen Vereinen erhalten hauptsächlich die Onsarmen Unterstützung, indem venselben die fehlenden Lebensbedürfnisse verschafft werden, und in Krankheiisfälleu für Pflege, Aufwartung, ärztliche Hülse und Arzneimittel gesorgt wird. Der Frauenverein sorgt insbesondere und aus liebevolle Weise für die Leidenden oder Hülssbedürfligen weiblichen Geschlechts. Auch sieht man von dieser Seite her das fehlende Heizmaterial rc. für die Armen herbeischaffen, ohne daß letztere wissen oder erfahren, woher ihnen Hülfe geworden. Für durchreisende oder umherziehcnde Arme bestehet seit 1851 eine israelitische Armenkasse, die jährlich über 400 Thlr. verausgabt. Corresp.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.