Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1857)
- Date
- 1857-01-05
- Page
- Seite 19 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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IS „sich das Christenthum sowohl philosophisch als historisch als wahr erweisen" müsse, daß das Ziel der Philosophie des Geistes sei, „die in jenem geschichtlich offenbarten Lehren als Vernunftwahrheiten zu erkennen." Es srägt sich hier zunächst, was des Verfassers Christenthum eigentlich sei, da er alle bisherigen historischen Erscheinungen des Christenthums verwirft (S. XLIL)? welche die in ihm geschichtlich geoffenbarten Lehren seien? da diese, wie esscheint, nur die vom Christenthume aus dem Judenthume übernommenen Lehren befassen, da diese allein als Vernnnftwahrheiten erkannt, behandelt und dargestellt werden können. Und da nun diese selben Lehren vom Judenthum ebenfalls in den Islam übergegangen, so scheint die geschichtliche und philosophische Beweisführung zu einem ganz andern Ziele, und zwar zu Gunsten des Judenthums zu führen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worms, im December. (Privatmitth.) Bei den weiteren Recherchen im Archiv des Ministeriums fand der thätige Dr. Wolf in Wien den kaiserlichen Brief vom 12. Dcccmber 1624, welcher das Abziehen der Juden nach der damals untern Wcststadt, jetzt Leopoldstadt, verordnet. Dies geschah in Folge eineö PelitumS von Seiten der Juden selbst, so daß hier an keine Art Verbannung zu denken ist. — Das „Univ. isr.“ bringt in seiner jüngsten Nummer eine auffaUcnd große Anzahl von Dccorationcn an mehrere unserer Glaubensbrüder; wir fügen noch hinzu, daß die Brüder Karl und Wilhelm v. Rothschild, elfterer das Commandcur-, letzterer das Ritterkreuz deö Ordens Philipps des Großmächtigen vom Grvßherzog von Hessen erhalten haben. — Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß der spanische Orden der Isabelle der Katholischen, welcher in der letzten Zeit oster an Juden erlheilt wurde, im Jahre 1492 in Folge der Vertreibung der Juden aus Spanien gegründet wurde. Was würden Ferdinand, Isabelle und Abarbancl zu diesem sonderbaren Anachronismus sagen? — In mehreren Synagogen Warschaus wird jetzt nicht mehr in deutscher, sondern in polnischer Sprache gepredigt; auch dies ist eine naturgemäße Schöpfung der Tendenzen des jetzigen liberalen Gouvernements in Rußland. — Dr. Adler, bisher Rabbiner in Alzei, geht an HerzbacherS Stelle nach New-Dork. Adler nimmt die Achtung und Liebe seiner Gemeinde, so wie seiner zahlreichen Freunde mit sich. Er geht kommenden März von Alzei ab. — In diesen Tagen verließ die Presse: Judith, oder die Franzosen in Worms. Von Luitpold Baumblatt (Worms 1857). Das Sujet der Novelle ist anziehend und ist der jüdischen Geschichte der hiesigen Gemeinde aus dem 17. Jahrhundert entnommen. Bei vielen Vorzügen dc§ Buches hat jedoch die Kritik Vieles auszusetzen. Jedenfalls wird hier dem jüdischen Leser eine anziehende Lectüre geboren. — Dr. Beer in Dresden wird gegen die Frankel'sche Kritik seines BucheS über die Jubiläen eine ausführliche Replik in Form einer Ertrabeilage zu seinem Werke herausgeben. Dieselbe wird nächsten Januar erscheinen. — Von dem würdigen Prediger Dr. Eduard Klay ist jüngst ein interessantes Werk: „Predigtskizzen" erschienen, welches zur Anleitung einer künftigen Homiletik dienen soll. Es erstreckt sich über das 2. Buch Mosis. Indem Sie gewiß dieses treffliche Werk einer ausführlichen Recension würdigen werden, will Referent bloS die Herren Prediger auf dieses nützliche Handbuch aufmerksam machen. Kurhessen (Kreis Esch Wege), 4. Decembcr. (Privatmitth. Verspätet.) Wieder habe ich von einer Amtsjubelfrier aus unser:« Hessenlande zu berichten: eS ist die am 1. d. M. stattgehabte 25jährigc Amtsjubelfeicr dcS Herrn Kreisrabbinen Philipp Gold mann zu Eschwege. Derselbe erhielt unter mehren: von auswärts*) eingelaufenen Gratulativnsschreibcn ein schönes Anerkennung S- und BeglückwünschungSschrciben von Kurfürstlichem Vorsteheramte der Israeliten für die Provinz Niederhessen zu Kassel. — Von den israelitischen Lehrern des Kreises Eschwege wurde dem Jubilar durch einen derselben eine Adresse überreicht, in welcher sich deS ehrwürdigen Jubilars Wirken nach seinen Hauptgrundzügen gezeichnet findet. Durch diese Adresse sollten die sämmtlichen Lehrer deö Kreises vertreten sein, weil mehrere derselben, namentlich die entfernt wohnenden, sowohl durch die ungünstige *) Darunter auch ci» von seinem Sohne — B. Eolvmann — verfaßtes schönes Festgedicht, das Herr Bangnier Hahn zu Frankfurt a. M. hat drucken und in einigen Prachteremplaren durch den Verfasser hat überreichen lassen.