Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 über Friedrichsstadt geliefert, so daß der Leser glauben sollte nrn aipaa a^nbi« m*V' y>N, daß weder Sinn für Ordnung in der Synagoge, noch Interesse für den Schulunterricht in der ganzen Gemeinde rege wäre. — Daß der Berichterstatter in seiner Schilderung gänzlich mit Unwahrheit aufgetreten sei, wäre eine Unwahrheit; daß er aber das hiesige ganze Gemeindewesen mit einem schwarzen Pinsel gezeichnet hatte, kann mit der reinsten Wahrheit behauptet werden. Es ist wahr, daß einige Eltern unwillig waren, die erforderlichen Schulbücher für ihre Kinder anzufchaffen; es ist ferner auch wahr, daß ein (?) Mitglied der Gemeinde am verflossenen Jom kipur die Andacht in der Synagoge gestört hatte, worüber er von dem Vorstande mit Strafe belegt wurde. Deswegen aber soll nun die ganze Gemeinde leiden? wahrlich r^pri nir'n^a rruni im urnn. Es ist dem Berichterstatter doch nicht unbewußt, daß die hiesige Gemeinde noch bis im vorigen Jahre ohne einen geistlichen Beamten bestand, und, da ein solcher von der Regierung angcstellt wurde, jetzt schon, nach Verlauf von einem Jahre sollte Alles verändert und verbessert sein? das wäre doch allzu viel verlangt. Daß hingegen die Mehrzahl sich füget und die Wünsche des Geistlichen erfüllt, ist reine Wahrheit. Wir wissen übrigens mit Bestimmtheit, daß der Corresp. seinen unüberlegten Schritt sehr bereut, daß er seine Mitthcilung in seiner Zeit reclamirt habe, es war aber schon zu spät. Um ihm nun das Gegeniheil von seiner Schilderung zu zeigen, wollen wir schließen mit an-n awi niai. A. D. C., K. u. P. Rußland. Von der russischen Grenze, im December. (Privatmilth.) Zur Ergänzung meines letzten Berichtes in Betreff der Rabbiner-Commission zu St. Petersburg sind bereits einige Kaufleute und zwar sehr reiche Kaufleute aus Weiß-Rußland und Wolhynien zu Mitgliedern derselben gewählt worden. Schade, daß unter ihnen nicht immer sehr unterrichtete Männer sind; kenne ich doch einen, der bei großem Reichthume nicht einmal einen hebräischen Sidur (Gebetbuch) zu lesen im Stande ist. Welche wird nun die Wirksamkeit solcher Männer sein, die für Bildung und Anbauung der großen jüdischen Wüste in Rußland weder Sinn noch Bedürfniß haben. Im Gegensätze hierzu haben sich, da in einigen Gouvernementsstädten bei jedem Civilgouvcrneur ein Jude für die jüdischen Angelegenheiten gegen einen kleinen jährlichen Gehalt angestellt werden soll, eine Menge armer unwissender Männer aus Klausen und dergl. hinzugedrängt, so daß, wenn die Wahl auf diese fallen sollte, auch diese weise und humane Anordnung der hohen Regierung nur wenige Früchte zeitigen würde. Indessen hoffen wir, daß auch hier das Gute im Laufe der Zeit sich Bahn brechen wird. Zytomir, im November. (Privatmitth.) Am verflossenen Eres Succoth wurde unsre Rabbiner- Schule von Sr. Ercellenz dem Herrn Minister der Volksaufklärung inspicirt. Der Herr Minister versteht gut hebräisch, hat selbst Fragen in dieser Sprache an die Schüler gestellt, ihnen zum Dictando ganze Stellen aus der Bibel vorgelesen und grammatische Fehler bemerkt und verbessert. — Auch wurde den Lehrern die hohe Ehre zu Theil, dem Herrn Minister in einer bcsondern Audienz vorgestellt zu werden. — Bon dem Lehrer M. Levin hier ist eine russische Grammatik in hebräischer Sprache erschienen, von der in kurzer Zeit 2500 Exemplare verkauft wurden, und sehr viel Kenntniß der russischen Sprache unter den Juden verbreitet hat. Man sieht daraus, daß es unter den Juden in Rußland auch Männer giebt, welche der Landessprache ganz mächtig sind und in ihr öffentlich auszutreten sich nicht scheuen. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Ein bei Mitau aufgefundener alter hebräischer Leichenstein. Mitgelheilt von R. I. Wunderbar. Bei Gelegenheit des jüngst bei" Mitau unternommenen Chaufseebaues wurde gegen drei Werst von der Stadt etwa drei Klafter tief in der Erde ein für die Geschichte der Juden Kurlands interessanter, sehr alter hebräischer Leichenstein aufgefunden. Nachdem derselbe gehörig von Moos und Erde gereinigt, ergab sich ein Fragment nachstehender zwei Inschriften, welche zu Gedächtniß zweier