Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-01 · Heft 1 (1.1.1857) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 1 (1.1.1857)
Date
1857-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226041--15816-3244631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 welche, beharrlich auf einem bestimmten Standpunkte verweilend, zwar Kritik üben, aber nur bis zu einem willkürlich gewählten Punkte, und die nun von aller Welt verlangen, da stehen zu bleiben, wo sie ihr „Bis hieher und nicht weiter" ausrufen; welche gewisse Gegenstände als Prämisse setzen, und nun die Kritik, welche sie gegen andere Momente willig verfolgen, gegen jene unterlassen. Bimsen ist bei umfassender Gelehrsamkeit und tüchtigem Denken dennoch vorzugsweise Gefühlsmensch, der ihm denn bei Gelegenheit die klarsten Gedanken verwirrt. Dabei spricht er gern die christliche Bibelsprache, welche nicht angerhan ist, den Gegenstand logisch sestzuhalten. So bringt er schon in dieser „Zueignung" viele Ausdrücke an, welche seine Gedanken, nachdem sie eben Festigkeit erlangt haben, wieder schwankend machen. Er beginnt dieselbe: „Die Weltgeschichte ist das große Sonnenjahr der Menschheit." Und den Vergleich des Ganges der Menschheit mit dem Laufe der Gestirne führt er durch die ganze Piece durch. Aber wie? So weit wir die Bahnen der Gestirne kennen, laufen diese, ein jedes seine Zeit, immer wiederholt dieselbe Bahn, es ist Bewegung, aber kein Fortschritt! Also das gerade Gegentheil von dem, was Bunsen sagen will. Höchstens könnte der Entwicklungsgang der Menschheit mit der Bahn des Mondes verglichen werden, der, immer um die Erde kreisend, mit ihr zugleich fortschreitend um die Sonne gelangt, Kreisläufe, die aber elliptisch immer weiter gehen. Ein ander Mai sagt er: „Die Menschheit ist nicht allein das Gedicht, welches vie Gottheit in ihrem ewigen Gedanken gedichtet, und in der Zeit auseinandergefaltet: sie ist auch selbst der Dichter dieser Entfaltung der göttlichen Idee in der Zeit." Welche Geschraubtheit! Heißt das: sie ist Gedicht und der Dichter zugleich? Was ist dann Gott? oder nicht Dichter des Gerichts, sondern Dichter ver Entfaltung, während Gott cs entfaltet?... Dann sagt er: „Des Gvttesbewußtseins Werk ist die Geschichte, wie Gottes eigenes Werk die Schöpfung ist, die ewige und die zeitliche." Wie? die Geschichte ist das Werk des Gottesbewusitseins — nicht Gottes, seiner Waltung? Das Gottesbewußtsein ist im Menschen, so wäre also die Geschichte nur das Werk des Menschen? Und doch sagt er einige Zeilen weiter: „Gott allein ist das wahrhaft Entfaltende und Erhaltende" — welch ein Widerspruch! Ja, das Gottesbewußtsein, d. h. das religiössittliche Princip wirkt im Menschen und schafft aus ihm heraus — aber sowohl die Berufung der Menschen, in denen und durch die es vorwiegend wirkt und schafft, und die Zusmammenfügung der Verhältnisse, innerhalb derer fie wirken und schaffen, zu wirken und zu schaffen vermögen, ist unmittelbares Werk Gottes, das ist die göttliche Vorsehung!-Doch gehen wir weiter. Zeitungsnachrichten. Preußen. Aus der Provinz Posen, 16. December. (Privatmitth.) Die Repräsentanten und der Verwaltungs- Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Liffa haben unterm 2. v. M. einen „Verwaltungsbericht über den Zeitraum von 1854 bis ultimo October 1856" veröffentlicht, auS welchem wir Folgendes hervorzuheben uns nicht erwehren können. Die Gemeindeschulden betrugen zu Anfänge des Jahres 1854 noch 59,753 Thlr. 26 Sgr. 6 Pfennige, während sie jetzt dagegen nur 52,331 Thlr. 12 Sgr. 7 Pfennige betragen; sie sind demnach innerhalb der letzten 3 Jahre um die Summe 7,422 Thlr. 13 Sgr. 11 Pfennige vermindert worden. Da die obengenannten Behörden aber in dem ersten Irieunium ihrer Wirksamkeit, nämlich von Anfang 1851 bis Ende 1853, bereits 12,181 Thlr. 28 Sgr. 4 Pfennige von der Schuldenlast getilgt hatten, so ergiebt sich daraus, daß die Letztere innerhalb der verflossenen 6 Jahre überhaupt um 19,604 Thlr. 12 Sgr. 3 Pfennige — also um beinahe „zwanzig Tausend Thaler" — verringert worden. — Bei der am 6. v. M. in der Gemeinde Liffa stattgehabten Neuwahl von Repräsentanten und deren Stellvertretern sind zumeist diejenigen Canvidaten aus der Urne hervorgegangen, welche zu den Gegnern des bisherigen Verwaltungs-Systems gehören. — Seitens der Stadtverordneten zu Liffa ist der dasige israelitische Kaufmann Moritz Moll jun. zum Schiedsmann des vierten Stadtbezirks erwählt worden. — Der israelitische Kaufmann Joseph Ruffak in Posen hat eine Denkschrift „über die Fortführung der Warschau-Lowitscher Eisenbahn bis Gnesen" herausgegeben, welche — der Klarheit wegen, mit welcher sie ihren Gegenstand behandelt — allgemeine Anerkennung findet. — Das, seit der Berufung des Herrn M. Loewenstamm nach Posen erledigte Rabbinat zu Fraustadt soll nunmehr bestimmt von Neujahr 1857 ab wieder besetzt werden.— Nachträglich haben wir noch zu berichten, daß der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.