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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-01 · Heft 1 (1.1.1857) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 1 (1.1.1857)
Date
1857-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Musik in den Tempeldienst einführten, galt es hiermit nur einen bedeutenden Zusatz zum Cultus, welcher letztere in keinerlei Weise angetastet ward; beide bestanden übrigens an sich schon Jahrhunderte in Israel. — Die Propheten, deren Amt es war, das Heidenthum bis auf die Wurzel aus Israel auszurotten, sie, die vor Allem auf die Belebung des Geistes, auf die unbedingte Herrschaft der Idee wirkten, auch sie traten nicht der bestehenden Satzung, sondern nur dem Mißbrauch mit derselben, der heuchlerischen Werkheiligkeit, der Buchstaben- und Formherrschast entgegen. — Kann man etwa, wie es öfter beliebt worden , E s r a als einen Reformator begrüßen? Das Streben dieses wirksamsten aller Männer Judas, denn er bestimmte den Entwickelungsgang des Judenthums auf Jahrtausende, war die Wiederherstellung des mosaischen Gesetzes, das er in vielen, tiefeinschneidenden Punkten außerordentlich verschärfte. — Die größte Umgestaltung, welche im Judenthume bis jetzt jemals geschehen — die Synagoge auf den Trümmern des Tempels — sie war nicht das Werk eines Mannes und einer Zeit, nicht einmal eines so ungeheuren Ereignisses, wie die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem, sondern bestand bereits seit Jahrhunderten, vorbereitet und entwickelt durch das Bedürfniß des Volkes. Ja, vergessen wir nicht, wie selbst diese furchtbarste Begebenheit, welche den Verlust aller Selbstständigkeit, jedes Mittelpunktes, jedes heimathlichen Bodens befaßte, so wenig umgestaltende Einwirkung übte, sondern nur die Erfüllung und Durcharbeitung dessen förderte, was schon seit Jahrhunderten in und für Israel sich vorbereitet hatte. Vergebens ist auch die Bemühung eines neueren Historikers, die talmudische Richtung an eine und die andere Persönlichkeit zu knüpfen. Sie war eine Strömung aus alter Zeit, welcher durch bedeutende Geister ihr Bett geregelt und erweitert wurde; sie war eine Strömung, die eines Jahrtausends bedurfte, um ihr volles , umgestaltendes Maß zu erreichen. — Blicken wir auf die hoch aufragende Gestalt des Maimuni. Welche außerordentliche Einwirkung bis auf die letzten Zweige der polnischen Pilpulisten, so wie bis auf die jüdischen Kantianer! Demungeachtet war es das Hauptwerk dieses Genius, das große talmudische Chaos zu einer lichten Schöpfung zu wandeln, in Gebiete abzugrenzen, und deren Inhalt zu ordnen. — Wie wirkte Mendelssohn? Nicht anders als von innen heraus die Lebensfunken des erstarrten Geistes anzufachen, Bildung und Gesittung unter seinen Glaubensgenossen hervorzurufen, die Lehre des Judenthums zu entwickeln, ohne damit mehr als den längst vorbereiteten Richtungen den Impuls zu geben. Wie sehr Mendelssohn von aller Kritik auf dem Boden der bestehenden Wirklichkeit abstrahirte, ist bekannt. Wir sprechen es offen aus, wir halten es für einen großen Vorzug und ein wahres Glück, daß im Judenthume allein das Gesetz der Entwickelung waltet, daß die einzelnen Versuche, durch jsogenannte Reformationen das Judenthum zu spalten und plötzlich in neue Bahnen zu werfen (wir erinnern z. V. an die Karäer), stets erfolglos geblieben. Es ist hiermit aber um so mehr die Berechtigung jeder großen Entwickelung im Judenthume erwiesen, weil fie von innen heraus als unbedingte Nothwendigkeit, als Ergebniß der göttlichen Waltung in der Geschichte, und darum auch allen Widerstand überwindend, erscheint. Wir brauchen nur auf die ersten Jahrgänge dieses Blattes, auf die Grundsätze der Redaction, wie sie in dem ersten Jahrgange dargelegt worden, zu verweisen, um bemerkbar zu macher^i, daß dies der Grundgedanke der „Allgemeinen Zeitunä des Judenthums" §om Beginne an war. } I Dunsens „Gott in -er Geschichte oder der Fortschritt des Glaribens an eine sittliche Weltordnustg." 1. Theil. I. Wir halten es für ein gutes Omen, urts mit dem Beginne dieses Jahres mit dem oben bezeichneten Werke beschäftigen zu können. Unsre Leser werden sich noch der vor einem Jahre erschienenen Schrift desselben Verfassers, des früheren preußischen Gesandten in London erinnern, „die Zeichen der Zeit", welche auch in diesen Blättern ihre Besprechung gefunden, und die uns in dem bekannten Wagener'schen Streite so gut zur Hülfe gekommen. Das vorliegende Werk wurde in jener Schrift im Voraus versprochen. Gott in der Geschichte! ist das nicht der ächte Grundgedanke der israelitischen Lehre, der Haupizug, der durch das ganze Judenthum geht? nicht der Gedanke, welchen wir in die Menschenwelt gebracht, und der hervortönt aus den ersten und den letzten Worten, die ein Israelit in unsren vier Jahrtausenden niedergeschrieben? Und ist es nicht vor Allem die Geschichte unsres Glaubens und Stammes, an welchem sich diese Lehre ganz besonders

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