Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-12-15 · Heft 51 (15.12.1856) · p. Seite 679

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 51 (15.12.1856)
Date
1856-12-15
Page
Seite 679 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3225985-3226037--15780-3244598
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

67S und Strahlenkranz genommen, fich in eine zersetzende Verneinung, in die Verläügnung alles Höherri und Uebersinnlichem durch die' spitzfindigen Folgerungen einer sich' selbst verkennenden -Dernünftelei' zu verlieren -''in" unsrer Zeit abermals Platz gegriffen hat; und da dieses Mal' sie mit den Hülfstruppen 'einer in'-allzu schnellen Schlitten vorgerückten Naturwissenschaft, welche darum in ihren oberflächlicheren und leichtfertigeren Jüngern um die nö--' thige Besonnenheit gekommen ist, ausgerüstet und unterstützt erschien, zugleich auf eine tief in die Massen -gedrungene Bildung stieß, so konnte man mit Schrecken ihre zerstörenden Wirkungen um so offenkundiger gefahren. Auf diesem Punkte -angelangt, erkennt die Gesellschaft die große Gefahr, welche ihr in ihrer GesaMmtheit und in Wahllosen- Individuen droht, eine Gefahr, die um so größer ist, lje -'Mehr -sie es diesmal nicht blos mit leeren Speculätionen, sondern mit - den scheinbaren ^Resultaten einer riesenhaften exacten Wissenschaft,- mit dem'intelligentesten Egoismus, mit schiffbrüchigen Parteiüberresten und Mit dem läng andauernden Nachhall -stürmischer Ereignisse zu thün hat. Was ergreift sie hiergegen für Mittel?.^-. Auch-diesmal scheint sie-in das entgegengesetzte Extrem verfallen und aus Skepticismus in den düstersten Pietismus übergehen zuwollen. Wohlwiffendd a ß d i e w a h r e n H e i l m i t t e l n ü r i n e i n e r n e u e n Entfaltung des religiös-sittlichen Lebens ent-' halten find, überredet sie sich, daß dieses letztere mir in dem Formalismus einer früheren Religionsstufe enthalten sei, und macht fich glauben, daß es nothwendig, ganz und gar in diesen Formalismus zurückzukehren, der um so. starrer, je mehr, das; Leben, welches er in vergangenen Zeiten gehabt, aus ihm gewichen ist. Wie immer, verräth sich diese Rückkehr durch das Ergreifen von Gewaltmaßregeln' Seitens der ultra - pietistischen Partei-l durch das Streben der Letzteren nach unbedingter- Herrschaft und durch Zelotismus, nicht blos! gegen Materialismus und Religionslosigkeit, sondern auch' gegen die anderen religiösen und kirchlichen-Körperschaften'. ' Ja, d a s H ei 1 m i t tel g eg e n j e n e v e r d erb l i ch e R i ch t ü n-g ist alle i n in eiNer n e ne m E n t'ftt l t u n g des sittlich -religiösen Leb ens -enth-alten , > und Alles> was'Me solchä fördert, muß mit aller Anstrengung gestützt -und .gepflegt werden. Und wir findnichtbange.' -Jede einseitige Richtung, insbesondere die der zersetzenden und verneinenden Vernünftler erschöpft -sich' bald', und läßt den unbefriedigten Menschen zu dem Verlangen-nach Beftiedigüng des ganzen Menschen,! d'es ihm einwohNenden' HÄHern ÄZefens seiner Sehn^ j sucht nach dem' Göttlichen 'zurückkehren. Aber religiösz sittliches'LebeÄ muss'es sein,' von innen heraus stämmenv^der erlangten Entivickelüng der Menschheit ange- - messen, die Ausgleichung' chllev Seckenkräste beänspru- - chend-jder- Geist der Religion muß darin webess,»^Erj fett h j unb; ©efc^ iiÄ) te hi u ^efi sich darin ver- \ einen, Und die großen Fragen der Humanität, der L'iebe - und des RÄtS darin' gelöst werden. Rein , jener Pie- - ttsmüs 'mit seinen stärren Formeln und seiner Herrsch-' l sucht ist kein G e gen g i st, sondern ein anderes Gist,; welches, nur auf einem andern 'Äege, zur Tödtung des! religiös-sittlichen Lebens führt. Wahren wir uns also - innerhalb' des Jüdenthüms vor jener Annahme, als ob'; der Feindschaft'gegen die Religion und der Religidnslol sigkeit gegenüber allein das erstarrte Formwesen einer früj Heren Zeit Religion sei; ' entziehen wir uns nicht'selbst »die Erfolge einer schönen Entwickelung, und stellen unsre l Jugend der Gefahr eines „Entweder, Oder" aus, in welcher He schwerlich nach, der Seite .des „Oder" aushar- - ren' Mird. ' Die Iudenfrage in Mei deutschen Staaten.. - l Wir haben in -voriger' Rümmer zu berichten 'gehabt-! daß die k u r h es fische erste Kämmerdm Juden in' der Berathung einer neuen Verfassung daspassive Wahlrecht I äbgesprochen. - So viel wir - wissen , hat in den kurheffischen Kammern, trotzdeM seit 1834 auch das passive Wahl-' I recht den Juden - gehörte, üöch' nie ein Jude gesessen:- Gej geNden bestehenden Zustand ist jener Beschluß sogar-ein! Fortschritt> denn - gegenMärtig hat man - den kurhessischen Bürgern jüdischer Eonfessionauch -das äctive Wahlrecht; entzogen. *) ' - - -: 1;Vl" '! Um viel Wichtigeres und Reelleres -handelt es sich' -in; M ecklenburg: Die öffentlichen Blätter berichten:! - ‘ ■v;!,;®ie Judenfrage tritt jetzt auch inunfern Stände--! Versammlungen hervor.Seit 1848 haben-die Juden-das Bürgerrecht in'den Städten erworben und^ damit das davon unzertrennliche Recht,-Grundstücke ^zu erwerben. Seit Ein Mitglied', -deri.zw-ei-he% Kammer-bezeichnete in ' der Sitzung vom 3ten diesen Beschluß .der. ersten Kammer für einen großen Mißgriff-- dies, findet das jetzt in Kur- Hessen ' Mieder zugelaffene „Franks. Journ." '(!!>'— „'ko-' misch"!! Tempora Mutsntur et ^rsüüfürter lourasl" mutstur in illis! cRedact. d. A. Z. d. Jud. 51 *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.