Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1856)
- Date
- 1856-12-08
- Page
- Seite 672 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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672 ben wird, zwar ein freidenkender, aber auch ein frommer Mann war/ selbst an der jetziges Gestaltung des Beth Hamidrasch ein/ genügendes. Org aff' gefunden hat? — wir enthalten uns einer jeden kategorischen Antwort, und genügt' uns dieses Factum wenigstens als ein eclatanteS Beispiel dessen, was' heut zu Tage so oft und so heftig bestritten wird, daß nämlich die Zerfahrenheit der jüdischen Zustände nicht erst von gestern und heute datirt. Mit welchen immensen Geldmitteln hätte Berlin bei irgend einigem Gemeinsinn und Gemeinstreben dem schon vor 10 und 15 Jahren fühlbar und lautbar gewordenen Bedürfnis eines Rabbiner - Seminars entgegen kommen können,! Verfolgen wir nur die dieser einzigen Familie Ephraim entstammten, die 'Unterstützung jüdischer -Gelehrten und die Beförderung jüdischer Wiffenschaft zürn Zweft habenden Vermächtnisse: von Beitel Heine. Ephraim die erwähnte Summe von jährlich 800 Thlrn., von dessen Sohne Zacharias Beitel (f 1779) die jährliche Summe von 571 Thlrn., von dem zweiten Sohne, dem Hofjuwelier Ephraim Beitel (f . 1803) das Drittel voff 33,333 */3 Thlr., einen Mrlichen^Ziüsertrag von circa 500 Thlrn.,so ergiebt'sich uns eine jährliche Einnahme von fast 2000 Thlrn.; und rechnen wir endlich das eigentliche Beth' Hamidrasch, '.das ein Capital von 15,000 Thlrn. und eine schone Bibliothek besitzt, welches beide, ohne die Auflösung dieser Anstalt, dem Rabbinerseminar hätte zu' Güte kommen können, so ist eS klar: Berlin hätte nicht nöthig gehabt, uns auf die Fränkel'sche Stiftung warten und die Schwesterstadt Breslau mit der Errichtung einer solchen für die Bedürfnisse der Gesammtheil unerläßlichen Lehranstalt zuvorkommen zu lassen. Hier,,wo dem Studirenden die Universität so Vieles und Reichhaltiges bietet, wo er die Lehrstühle in den verschiedensten Disciplinen der Wissenschaft, in Philosophie und Philologie, Geographie und Geschichte, Literatur und Naturwissenschaften von den fast größten Heroen der Wissenschaft unseres Jahrhunderts besetzt und ausgefüllt sieht, hier hätte er auch ein heimisches Asyl für die Pflege des ihm am nächstenliegenden Gebietes gefunden; wie einst nach Prag, Metz, Preßburg und Fürthwürden jetzt nach hier die nach der Thoraquelle lechzenden Jünglinge eiffn, und Berlin 7— die Metropole der Bildung ünd^iffenfchaft, dürfte sich auch die der jüdischen WiffenMast im Besonbern nennen. Wie oft stellen wir döchMchnungen an Andere aus und vergessen dabei die an uns Mst.. ÄZenn wir noch heute —7 und dies, mit Recht suns über Staat und Regierung, beklagen, daß sie für die Beförderung der Literatur der. fernliegenden Völker und langst verschollenen Zeiten) keine Kosten scheuen, nur die jüdische/ Literatur und Wissenschaft keiner besonderen Äusmerkfamkeit würdigen; wenn wir klagen, daß noch kein jüdischer Professor über Judenthum und dessen Geschichte liest,..keine deutsche Akademie Preise darauf setzt/ und die Wissenschaft der jüdischen Religion im Allgemeinen.noch unter der Last Eisenmenger'scher Animosität und Vorurtheile schmachtet, so dürfen wir.in Betracht, zu ziehen nicht vergessen, was denn eigentlich von. uns. deutschen Juden im Großen und. Ganzen für solche, vor Vorurtheilen nach Außen schützendem und' den intellectuellen Fortschritt im Judenthum, fördernden Rabbinerschulen geschehen ist und hätte geschehen können!)! Nur von solchen wäre ja eine vorurtheilsfreie wissenschaftliche Behandlung und Darstellung jüdischen Wesens und MissenS angebahnt undbefördert worden^; welcher treffliche Same wäre da ausgestreut, welche tüchtigen Kräfte entwickelt, welche, herrlichen Früchte zu Tage gesördert worden! Schwerlich bietet uns dieses unter der Leitung des Herrn Lebrecht stehende Beth Hamidrasch mit der bezeichneten Tendenz hinlänglichen Ersatz, schwerlich der von dem Fonds des oben erwähnten Zacharias Beitel'schen Vermächtnisses erhaltene wno,. ben noch heute 11. junge (?) Leute , besuchen (sollen) — deren seltenes Erscheinen-aber einzig und allein dem rann gilt — und bei dem man wohl mehr an die sonstigen verschiedenartigsten Nebengeschästchcn denkt, als an die geistreichen Verhandlungen der rx-inÄ, eines oder -sw. — Sollte Ln dem bisherigen Mangel an Rabbinerseminarien der Umstand begründet sein, 'daß man bei Eröffnung jüdischer Religionsschulen auch den Mangel tüchtiger Lehrkräfte verspüren und diese Lücke mit Medicinern ausfüllen muß, die der Berliner Jugend wenigstens offen und thatsächlich bezeugen, daß, so man einmal die Zeiten der Re ligions bedürftig ke i t hinter sich hat, auch weiter kein Unterschied obwaltet zryischen und — Sed haec hactenus. Fürchten Sie Nichts, meine Herren, meine Feder ist nicht mit dem Gift jener bittern Ironie und fanatischen Schwärmerei benetzt;. Sie sehen, ich —- schweige-schon. - - — t.