Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1856)
- Date
- 1856-11-24
- Page
- Seite 642 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225985-3226034--15740-3244555- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
♦oüt J j y.i -m?ar die Bühne seines ganzen Lebens. Alle anderen Kenntnisse und Studien waren verbannt, so wie der Jude aus allM, gesellschaftlichen Beziehungen verbannt war,. "Diese' beiden- Skizzen muß inan neben einanderstellen/ um ein ^titzes'ÄrWil^über "die Resultate des modernen jüdischen Religionsunterrichtes gewinnen zu können. Wir wollen hier davon absehen, daß, wie Jedermann weiß, der sich noHunter den „Alten/^umgefthen hat^ trotzdem die Ungeheure Mehrzähl als „Ämrazim", die nicht viel mehr als incorrect „dawnen" konnten, hervorgingen^ und daß die oben geschilderten Schwierigkeiten die Mfysge^ des Religionsunterrichtes b'ei Unzähligen höchst problematisch machen müssen, .daß daher die unwissenden Eltern oft genug ausrufen: „sie lernen nichts" — so ftäg'en tvit: isi,tzas, von gewisser Seite erhobene Geschrei gegen den Religionsunterricht,., die Religionsbücher, die grammatische Methoden, flgegründet .und berechtigt oder nicht? ,?; ÄhgseM wir. zugeben,- daß sich in diesem Unterrichte noch Vieles klären und festigen muß, so sprechen wir es doch aus innerster Seele, aus vollster Ueberzeugung und diner^ reichen '-Erfahrung äüs': tasttzt' diesen religiösen Un/ terrich'ö ja" nicht an, sondern heget und psteget ihn mit allem - Nachdruck Und Eifer, suchet 'ihn 1 immer fester wurzeln - und immer chöher wachsen' zu'machen , denn er ist allerdings' für - lange' Zeit eine' wesentliche Basis für den Bestand'' uüd die- Wirksamkeit' unsrer Religion! Ist aus. den' Häusern nicht blös bie Praris der Satzung, sondern auch ' der 'religiöse Geist so schrecklich gewichen, wird. der Gottesdienst von Jugend auf so wenig besucht, ist die Strömung des weltlichen Lebens einer tieferen Pflege des Geistes/ insbesondere des religiösen Geistes, so sehr abgewandt, nehmen die Sorgen und Anstrengungen für die immerwächsenden Bedürfnisse des Lebens so überaus in Anspruch — und streichet nun noch den Religionsunterricht aus der Jugend aus — und Ihr habet allerdings die Religion zü einem bloßen Worte, zu einem Phantom, zu einer wesenlosen Nebelgeftalt gemacht. Mag das spätere Leben noch so sehr wie mit einem feuchten Schwamm über die geistigen Erwerbnisse und Richtungen der Juden hinweggehen: die Eindrücke der ersten Lebenszeit, das Erlernte und die Begriffe aus der Kindheit bleiben im Innersten des Menschengeistes, uüd dieser beruhet immerfort, wenn auch unbewußt, auf jenen. Dahin kehrt er immer wieder zurück; das erwacht in ihm zur Zeit, wenn er es bedarf; und selbst im schlimmsten Falle hat er immer noch eine Ahnung von dem Pfade, auf welchem er wandeln sollte. Hierzu kommt noch die andere Seite, daß, je weniger die jetzigen Juden in der Satzung leben, desto nothweydiger ist fuj sie die Kenntniß der Rxligjonslehre,^ desto uneMMWMein geMchGckesDDiM W#|öion. werGHnIDeH^ed He sittlich religiösen LebeMVund fürwahr! diese beiden find .^.stark genug, um sie in ihrer Religion zu erhalten und ihnen Ueberzeugung, Kraft und Trost in allen Fällen zuzuführemr Aber MuH Wst,-' Weins '.M MteWicht im Hebräischen kerne großen und dauernden Erfolge bei der Mehr- , zahl erzielt, so bleibt doch wenigstens eine gewisse Kunde vyn.^diesem^heiligensöapdhmnd Besitzthum unsrer GlaubeNsgeüoffenschast, ein Gefühl der Verwandtschaft und Nähe zu ihr zurück.. HLäffen'wir'lins . also von diesem Geschrei nicht irre machen. Es kommt' aus den Reihen Derer/ wWe in ihrer Verblendüng / den Ruin/' unsrer Religion mit/aller Macht darum-suchen;,- weil sie' ste-'nicht so."erhalte w-Msirneu, "wie sie war, und' wird nur von Denen wiederholt, welche aus Mißwollen und Verdrießlichkeit Alles tadeln, was eristirt und gilt.. Streben wir vielmehr, diesen Religionsunterricht .in seinen Mitteln und Zielen jmmer fichV« rer zu machen, seine Schwächen zu erkennen und zu beseitigen / > und durch Liebe Und Energie seine Einwirkung zu vergewissern. Halten wir, Lehrer, GeckeindeLorsteher und Eltern, die Ueberzeugung fest, daß in diesem Religionsunterrichte eine, große Aufgabe, und Mission Enthalten sei. - v i - - Me Macht der Entwickelung. Die Macht der Entwickelung ist eine unwiderstehliche. Nur die blinde Pürteileidenfchäft kann fie läugnen. Sie hat den großen Vorzug, daß fie besiegt, ohne zu vernichten fie läßt die. Widerstrebenden bestehen, aber nur indem sie fie von einem Terrain zum andern verdrängt. Sieht man sich nach einem längeren Zeiträume um, .so ist unmerklich, nunmehr aber überraschend, durch;: ihre Gewalt weit mehr erreicht worden, als zu. erreichen getrachtet wurde. Diese Betrachtung, insbesondere wenn sie durch Thatsachen erhärtet wird, hat so "viel Erfrischendes und Kräftigendes, daß sie auf un serem: Gebiete nicht oft genug erneuet werden kann. Sowohl in unserer Stellung nach Außen, als auch in unseren Bestrebungen nach Innen , müssen wir der Macht.der. Entwickelung ihr volles Recht.einräumen; dann wird unS keine Arbeit vergebens ( keine Anstrengung erfolgloser-