Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1856)
- Date
- 1856-11-17
- Page
- Seite 631 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3225985-3226033--15728-3244542- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mejnnngen medergehalten, so daß «nstp KehreHyx Prälatenohne Pfründen wie ohne polizeilichen Schatz . sich entwickelt und im Innern an Festigkeit, nach Außen an Gl.yrie gewinnt. Du Hast uns, und so auch in diesem Jahre, geleitet zur gerechten Anerkennung menschlichen Werthes. Wir sind umgeben von edeln, von weisen,. von wissenschastsreichen, vo^gemeinnützigen, wohlthätig^n, jq von tugendhaften Männern und Frquen, von denen wir wissen, daß sie von einem tiefen Widerwillen nicht nur gegen uns Männer,, sondern auch gegen unsere Frauen und zarten Kinder erfüllt sind. Aber von Dir, o Gott, belehrt, hindert uns dies nicht, ihre Verdienste zu würdigen, sie zu achten, zu verehren, sie zu lieben, von ihnen zu lernen, ihnen Vertrauen zu beweisen und mit ihnen umzugehen, so weit das ohne Aufopferung unserer Ehre geschehen kann. ' So haben wir uns gewöhnt, gerecht und billig gegen Andere, ja sogar gegen die Abtrünnigen aps unserer Mitte zu denken, ihnen daß Böse nicht anzurechnen, das sie, perleitet durch falschen Unterricht Md vermeintliche Sitte, durch Einseitigkeit, ja selbst aus Uebermuth und Muthwillen gegen uns an den Tag legen, vielmehr fteuen wir uns' des Guten und Schönen, das wir gern' und mst Esser an ihnen entdecken und anerkennen. Es ist, o unser Meister, eine allbekannte Wahrheit, daß -der Mensch am meisten von seinen Feinden lernen kann, die ihn auf seine Fehler aufmerksam machen. An solchen Feinden hast Du uns auch in diesem Jahre keinen Mangel' leiden lassen, und wir danken Dir dafür von ganzer Gxele. Und obwohl diese Feinde uns gleist solche Vorwürfe machen, die. uns im Allgemeinen gar nicht treffen, fp blicken wir doch, von ihnen angeregt, tiefer in unser JnüereK und erkennen diejenigen Gebrechen, die uns, hem seinen, dies, dens Andern jenes, gufsehen. Wir erschxecktzn dann por .ihrer Menge und Größe, und Zeder ^on uns bemüht sich, wenigstens seine Kinder davon fern zu halten. Auch dafür, sei Dir Dank gesagt. Dem gegenüber hast Pu, und zumal in dieser Ieit, pns gg schweres Beispielen die Übeln Folgen der Intoleranz, des Aberglaubens, der Frömmelei, der Priesterherrschaft, des öffentlichen Rechts- und Eidbruchs, des ^Standes - Uebermuths sehen lassen. Du hast uns üh§r das große Weltmeer hin in einepf schrecklichen Bilde Pie .staurigssn Folgen gezeigt, hie dgs Zllrückhleihen eines einzigen h.ysen Elements in die edelste Schöpfung: bringt"?). ' ' *)'-Bietetsticht--die^Selavenftag-Hü Norhümerjkä Q ststhgroßer Mster haß dst guten, Lehrzn^ die wix daraus ziehen könney, Flucht tragen pH ggs nichf, durch dis eglpfundenenl Her auch, nur zr^euch^testMsschMtungeg Einzelner aus unstreh Mitte verkümmert werden. Mit. Dg iy Deiner Weisheit daß steinerpe, SalomH Nische Gefäß zerbrächest,.Hs unsere Vorfahren starr zusammen Hrband, hast. Du uns sn^alle Epftsirlander^ zerstreut . und uns eitlen biegsamen, elastischen Sinn, erhalten, damit wir in allen Honen und Lestenscheisen dst unS somit zugefallene Mission betteiben könnep. Und Hzu hast Dü unsere Mehrzahl an den Handel.geknüpft, a.n diesen ersten und stärksten Hebel alles Fortschritts zur.Humanität, .vor dein alle Scheidewände sinken, die stemdHeg Menschen sich aneinander schließen, die Intelligenzen sich paaren,, die Msehgebungen sich ordnen, die Schleusen alle^ Segens sich öffnen. Wir haben dst Schmach mit getragen, die Räuberstolz, Bettlerfreiheit und Schulduckerei früher aüf den Handelsstand warfen und nehmen jetzt an seiner Glorie Theil, die das Wohl der künftigen Geschlechter. zeitigt und verbürgt. Wie stände.es um uns, wie fade wäre das Salz der Erde.wie der Ällergeehrteste unsereß Stammes uns Juden nennt — wie fade wäre Pies Salz nicht geworden, wenn es blos als Viehfutter in irgend einem Winkel der Erde-aufgehäuft geblieben, öder blos zu mechanischen Arbeiten gedient hätte? Aller Gelegenheit zur Verständigung mit der übrigen Welt ermangelnd, wären wir, umringt von Feinden,längst aus dem Gevächtniß der Menschen verschwunden und mit uns unsere Fortschritts - Mission - Sache. Es wäre dann weder freundlich noch feindlich unserer gedacht, wie es doch -jetzt, in einem das Zahlverhältniß weit übersteigenden Grades fortwährend in allen Gebieten zum Wohl Der Welt geschieht. . . 'h'", ^...^'1 Auf demselben Wege erziehst Du uns zu derjenigen Wohlthätigkeit, die fich'nicht' auf das hohe Piedestal stellt, sondern direct von Herz zu Herz, von Mensch zu Mensch geht und nichts weiß von Geringschätzung des Unterstützten, und von der gehässigen Verstoßung derjenigen Brüder, die sich ihr Unglück selbst zugezogen haben, wie das diejenigen Glückskinder am häufigsten sagen, die ihrerseits iht Glück und ihre Wohlfahrt sich wahrlich nicht selbst zugezogen haben. Nein, bei uns steht fast noch immer eine haarsträubende Aehnlichkeit mit der Judenfrage in vielen' Ländern Europas? Und namentlich die gegenwärtige Phgf^ gleicht sie nicht dry K.jiWs. einzelnfx.MHte, stanvsthgftfN,.^CantHs ihrHripilegium,steine Jv- M zu^Mden? /;f0 Costresp^ "st?* ’’