Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1856)
- Date
- 1856-11-10
- Page
- Seite 620 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3225985-3226032--15716-3244529- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ben des Judenthums ausüben —' so -werden wir den Werth aller der Bestrebungen erkennen , welche dahin zielen) sowohl die lebendige Bewegung im Jüdenthüme zw erhalten-und?zu stärken? als auch dem Lebendes Jü-l denthumS seinefeste- Stellung im allgemeinen Weltleben anzuweifen und zu sichern und die Versöhnung beider zu vermitteln. und zu erwirken. Von diesem Gesichtspunkte aus! müssen wir, fo sehr wir sonst alle geistige Arbeit, auch wenn sie-;die geringfügigsten Gegenstände betrifft? zu schätzen wissen, jene kleinliche Trennung zwischen Le--' ben und fügenannter Wissenschaft, jene Verachtung des Lebens? und 'Selbstüberschätzung' der Wissenschaft verurtheilen/ ja verdammen. Sie zehrt an dem Lebensbaume des?Ludenthums, deffen 'Wurzeln so schön einen so begrenzten -Raum zur Ausdehnung haben; sie entzieht' diesem 'Baumeeine1 Menge-treibender Kräfte? welche sie für , Schmarotzerpflanzen verwendet; sie führt die Nahrüngssafte von dem eigentlichen Marke ab, um sie 'aUf''die äußeke'r Äertröckstete -'Rinde'lzu werfen. -Darum können wir jendn - Männern auch - den Vorwurf mcht 'ersparendaß ihnen das Judenthüm selbst--gleichMtiA-ist-n'-a.-fl^ allein den > Sinn' für seine abgestorbene Vergangenheit Haben, um, aus ihr einen Hausen' mikrologischer literärhistörischer ]Forschungen zu machen. Chinesisch wäre ihnen -dasselbe? wenn sie sich' zufällig darauf geworfen hätten. ' ■f: Wir sagten oben, daß es-keine Wissenschaft sei, waS diese -Männer treiben. Denn die Wissenschaft ist das Erforschen ,! Auffassen und Verständniß des Lebens, des Wesens de r Dinge, welche Object der Wissenschaft sind. Nicht das Factum an sich und in seiner äußeren Gestaltung, sondern der lebendige Inhalt desselben und w i e dieser sich in das allgemeine Leben einfugt, ' w i e das Wesen des FactumS aus der Gesammtheit heraus gewachsen und wieder in dieselbe schaffend und wirkend sich versenkt hat —- das ist historische Wissenschaft. Wie vermögen nun Diejenigen die wahrhafte historische Wissenschaft deS Judenthums zu pflegen, denen das Leben desselben gleichgültig ist, die keine Ahnung von dem Leben in ihm, wie es.war und wie es ist, haben? Wie wir den Ausdruck schon einmal gebraucht: sie stellen nichts weiter als daS Jnventarium des Nachlasses auf — der Erblasser selbst und seine Lebensgeschichte liegt außerhalb ihres Gesichtskreises! Wir unsrerseits wollen uns nicht davon stören-lassen; was sie an Arbeiten von Bedeutung liefern, wollen wir unS gefallen lassen und benutzen; bisweilen sie aber mit Ernst erinnern, daß sie nur handlanger der Wissenschaft, nicht aber Meister und Herren derselben sind. ..Herr Lettekis hat "m - einet' Anmerkung -zü dem -erwähnten -Artikel -der -^Wiener Mittheilüngen" für' gut befunden,' mit einigen Fingerzeigen aus seinevon'Zünz u. Vgl. selbst anerkannten' Verdienste zu verweisen. Wir ahmen-dieses Beispiel nicht nach, scheuen uns aber nicht? es auszüsprechen,' daß? ' wenn wir für das ''geschichtliche' Material des: JuventhüMs aüch nur in einigen Partren 'gearbeitet haben, - w ir -W - die ErkennMß der' -AWrchtliMn-Entwickelung-- iM?JübenthÜme>'für das 'Verständniß seiner ganzen Geschichte? feiner 'Stellung, Leistungen' Und Ziele i'm-Weltleben mehr geleistet haben, als alle' diese' Männw HisamMen? daß^ w'ir^ es waren Wöm Beginn unsrer Laufbahn an,- dem'es gelang? die -HelleTotal-Anschauung des jüdischest' Geschichtslebens zu}ffchaffert^ dre "jetzt theils durchUnsre'?'theiks durch-'Anderer Bemühungen -immet' mehr ''das' Eig'enthUm aller >gebÄvetkn^ZüdeW'-Lvird'.,?-UW tzie ^allein' befähigt-'ist?-invielen- Bttenriwst'-deS Jüdenthums' ein starkes' Veivlrßtsein? eine' -gläubeüsfeste Üeberzeugüng' zü schaffen*)? Hierin^lasset 'uns undrmüdet iveiL . terstreben / gleichgültig gegen die' Anerkennung Einzelner:. Zeitungsnachrichten. Preußen. Vom Rhein, 31. October. (Privatmitth.) Herr Rothschild, Vorsteher der israelitischen Gemeinde-zu Grevenbroich,, der sechs Jahre Stadtrath war, -trat vor etwa einem halben Jahre durch das Loos aus und wurde, als man bald darauf zur Wahl neuer Stadträthe schritt, nicht wieder gewählt. Vor Kurzem fand wieder-eine Neuwahl statt.? Kein Jude war zur Wahl erschienen. WaS that nun die erste Classe? — sie wählte einstimmig Herrn Rothschild. Nur die Einstimmigkeit veranlaßt den Wiedergewählten, die Wahl anzunehmen. J. G. Breslau, 28. October. (Privatmitth.) Der abgelaufene Rosch haschana brachte uns eine schon längst *) Wir können uns hierbei z. B. nur auf die wirklich^ über alle Erwartung günstigen Urtheile der ftanzöfifchen Journale — wir meinen nicht. die jüdischen — über unsere Vorlesungen über die Entwickelung der religiösen Idee beruftn. .