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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-10-27 · Heft 44 (27.10.1856) · p. Seite 597

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 44 (27.10.1856)
Date
1856-10-27
Page
Seite 597 (sequence 7)
Language
German
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heilsamen, Früchte einer solchen Institution? "Etwa in - Frankreich, wo alle Oberrabbinen zusammen kaum das einzuführen vermögen, was bei uns ein einzelner Oberrabbiner,, wenn er es für zweckmäßig erachtet, zu thun im Stande ist? In Württemberg, wo trotz Kirchenbehördeund kirchlicher Organisation eben so wenig wie Ln Bayern von einem Ueberfluffe an Rabbinats- und Lehramts-Candidaten etwas verlautet? Nein! das, was Folge der allgemeinen politischen Zeitverhaltnisse und der Attractionskrast der neuen Welt ist, wollen wir nicht dem Mangel einer Centralisation vindiciren, die Religion commandirt, und höchstens den Ehrgeiz eines Emporkömmlings zum Nachtheile freier religiöser Entwickelung walten läßt. Jedenfalls weist die so fürchterliche (!!) Zeit der Richter— unter welcher eine Prophetenschule blühte, ein. Samuel auftrat — mehr Helden auf, als die gepriesen^ Satomo's, wo eines Jerobeams Freimuth wohl zeitweise unschädlich. gemacht werden konnte, aber nur um nachher die ganze Ordnung umzustoßen. w Und wenn in diesem Berichte unser Schulwesen als so bedauerlich hingestellt wird, so lassen wir das gelten, wo Elementar- und Religionslehrer in einer Person vereinigt sind, da in diesem Falle wegen der Fülle der Gegenstände dem Religionsunterrichte gewöhnlich Eintrag gethan wird. Wo aber besondere Religionsschulen bestehen und die Kinder zur Erlernung der Elementargegenstände die allgemeinen Schulen besuchen, kann nicht einmal über diesen Uebelftand geklagt werden, selbst wenn die Religionslehrer nicht nach;,den Regeln der Didaktik"' verfahren sollten; denn, obwohl nicht Hyperorthodor, erlaube ich mir doch, dem Herrn Berichterstatter in seiner Ansicht von der Zunahme des religiösen Wissens durch die wissenschasiliche Durcharbeitung des Ludenthums zu widersprechen, da die.tägliche Erfahrung Zeugniß dafür ablegt, wie die aus Therach, Raschi oder etwa gar aus Mischna und Gemara geschöpften religiösen Anschauungen und Kenntnisse in unserer Glaubensgenossen Gemüthern bei weitem besser eingeprägt und eingewurzelt sind, als alle Fragen und Antworten und Bibelverse, die erst durch den Canal eines Religionsbucheö eingeleitet werden, bei dem das katechetische Gewand oft die Hauptsache bildet. So sehnen sich weder Synagoge noch Schule nach einem Conflstorium. Wollen sich unsere Rabbinen ein Verdienst erwerben, so mögen sie es in dem Selbsteingreifen in das UnterrichtSwesen, wie dies in mehreren Orten Bayerns, z. B. Altenstedt' Fischach, Reckendorf der Fall ist, und nicht in einem Streben nach Hierarchie suchen und namentlich bei der neu einzuführenden Schulordnung dahin wirken, daß bei der Prolongation der Schulpflichtigkeit dem Religionsunterrichte mehr Zeit in den Elementarschulen eingeräumt werde, worauf wir besonders die Herren Rabbinen an Regierungssitzen aufmerksam zu machen für zeitgemäß erachten. Sobernheim, 10. Oktober. (Privatmitth.) In dem herrlichen Nahethale befindet sich unsre Gemeinde, klein zwar, aber rührig, eifrig in der Befolgung der Lehren unsrer Väter und gewillt, einen herzerhebenden Gottesdienst, geläutert.und-gehoben durch Chorgesang, einzuführen, wozu bereits der Anfang gemacht, aber auch bereit, pecuniäre Opfer zu bringen, wenn es gilt, Gutes fördern, 'wahrhaft religiösen Sinn und Bildung, gegründet auf ächte Religiosität, hervorzurufen und zu erhalten. So besteht hier eine GemeLndeschule, und sind schon alle Vorkehrungen getrosten, um recht bald den Grundstein zu einer neuen Synagoge zu legen, da die bis jetzt benutzte zu klein und allen Anordnungen zur Hebung des Gottesdienstes hindernd ist. Wie sehr aber auch' die christlichen Mitbürger die Ehrenhaftigkeit und Biederkeit der hiesigen jüdischen Familien, deren Namen in der merkantilischen Welt in weiter Ferne auch einen guten Klang haben, anerkennen und würdigen, davon mag das zeugen, daß aus der städtischen Kasse 400 Th lr. als Beisteuer zum Baue der Synagoge bewilligt worden sind. Zu besonderem Danke aber ist die Gemeinde ihren Vorstehern, den Herren Werner und Klein verpfiichtet, die mit rastlosem Eifer der Gemeindeverwaltung, vorstehen, und gewiß wird es ihren Bemühungen gelingen, in diesem neu angetretenen Kirchenjahre noch den Bau der Synagoge vollendet zu sehen. Preuße». Krotoschirr, 5. Octoben (Privatmitth.) Am 23. vorigen Monats trat hierorts ein junger Mann von 21 Jahren, Katholik, zum Judenthume über. Obgleich nun dieser Vorfall, wie aus den Berichten von der Ruhr und Bromberg in diesen Blättern zu ersehen ist, nicht mehr vereinzelt dasteht, so ist die Wiederkehr .desselben, doch immer bemerkenSwerth, zumal der Proselyt, so weit ich ihn kenne, durchaus kein

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