Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1856)
- Date
- 1856-10-27
- Page
- Seite 596 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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396 fp-; reichlich in diesen Tagen dev Versöhnung Und Buße zuströmten, einigermaßen gut zu machen. Erschrick aber nicht, -verehrter - Leser,; wir werden Dir,! da Du sicherlich diese geistige. Kost, genossen hast y keine Predigt zu lesen geben, wir wollen nur die-besten Themas^ Dir vorlegenwelche reichlichen Stoff zum Nach> denken geben.—; Rabh. H irsch sprach am Versöhnungstag über den Gottesdienst in seiner wahren. Bedeutung, daß er nicht nach Eigendünkel und Modegefühlen geändert werden dürfe*). Die Söhne Arons starben „als sie sich Gott näherten", weil sie „fremdes Feuer, das er ihnen nicht geboten, vor Gott brachten", nahm er zum Tert. „Mit.diesem darf Aron in das Heiligthum gehen"- in diesem Verse erklärt der Midrasch das Wort nur auf Sabbath, Milah, Thora, Armenpflege, rc., welche Auslegung dem Redner reichlichen Stoff gab, gegen diejenige Richtung zu polemistren, welche diesen Vorschriften eine zeitgemäße Form zu geben streben. — Rabb. Stein predigte über die Richtung und das Streben der Menschen zum Materiellen, Industriellen und Jntellectuellen, anschließend an Sprüche 3, 13—18. — In einem benachbarten Städtchen, wo die-Armenpflege sehr vernachlässigt, hingegen zum Bau einer neuen Synagoge an Rosch-Haschana reichlich gespendet wurde, hielt verflossenen Sabbath der Rabbiner einen Vortrag über Wohlthätigkeitspflege; er nahm zum Terte die schöne.Midraschstelle, in der es heißt, Salomon habe deshalb die von seinem Vater zum Tempelbau aufgehäuften Schätze nicht dazu genommen, weil jener in den drei Hungerjahren diesen Schätzen nicht eine bessere Verwendung gegeben und sie nicht, unter die Armen yertheilt habe. „Meine Kinder sterben Hunger", sagte Gott zu David, „und Du sammelst Schätze für.ein Gotteshaus!"- Zum Lobe unsrer Stadt müssen wir es sagen, daß ungeachtet der ungeheuren Summen, die der Cultus verschlingt, die Wohlthätigkeitsanstalten nicht dadurch benachtheiligt werden. K. Aus Unterfranken, im Oktober. (Privatmitth.) Diese Zeitung enthielt aus Bayern vor Kurzem zwei Correspondenzen, deren eine dem bayerischen Ju- . *) Ist es nicht aber auch „Eigendünkel" und „Modegefühl", wenn man die abgeschmacktesten und veraltetsten Mißbräuche, z. B. Piutim durchaus beibehalten will, die, so gut wie die Mizwothauction nichts als das Bestehen. fürfWhaben? R e d a c ti o n. denthume sofort alles Leben absagh deren ändere aber den Zustand zwar nicht für letal erklärt, dennoch ein Universalmittel für alle krankhafte Symptoms vorschreiben zu müssen glaubt. -; Dem ersteren Correspondenten nur so viel, daß, wenn auch Hierlands nicht -überall ein dem „Juden des neunzehnten Jahrhunderts" entsprechendes Leben sich vorfindet; wenn 'auch die Sturm - und Drangperiode der Reform sich ein wenig abgekühlt hat, dennoch reges Leben in den jüdischen Kreisen finden ist, wovon ihn eine kurze Rundreise in den verschiedenen Regierungsbezirken Schwaben, Unterfrankett.u. s. w. überzeugen könnte. Er würde bei solcher Gelegenheit die Ueberzeugung gewinnen, daß die jungen Kräfte, die seit dem letzten Decennium auf die Kanzel und in die Lehrstube berufen worden sind, hinsichtlich ihrer Leistungen nicht hinter den früheren geistlichen Führern und ersten Sprösslingen des Seminars Zurückbleiben, mit dem Unterschiede jedoch, daß sie, weil die Frühem allzu schranken- und rücksichtslos mit dem Einreißen verfuhren, das weit schwierigere und Mehr Umsicht erfordernde Geschäft deS Aufbauens und FrischpflanzenS haben, wobei sie sich der Gefahr ausgesetzt sehen, bei dem, was sie in redlichster Absicht und in Folge religiösen Bedürfnisses thun, als Finsterlinge verschrieen zu werden. Freilich, wenn man auf Mittelfranken, resp. dessen jüdischen Mittelpunkt in, numerischer Beziehung seinen Blick wirft und nach dem Eindrücke des daselbst gewonnenen Bildes Berichte erstattet, mag man wohl zu der Ansicht geführt werden, das Judenthum liege, wenn auch nicht in dem ewigen, doch in einem langwierigen zeitlichen Schlafe. Aber gerade von hier, wo zwischen Alt und Neu einst so Heiße Kämpfe auf religiösem Gebiete geführt wurden, und wo jetzt religiös-geistige Erschlaffung auf beiden Seiten die Nachwehen sind, lerne die Jugend, aus Glaubensgluth und dem Religionseifer nicht das ehrwürdige Gebäude des historischen JudenthumS in Brand stecken und die einmal theuer gewordenen Gebräuche mit Gewalt umstoßen zu wollen. i Unser zweiter Correspondenj ist so freundlich, mit der Sprache herauszurücken und so liebreich, gegen die „Freiheit im Synagogen- und Schulwesen", wie er's nennt, eine Centralbehörde als Eindämmung vorzuschlagen, für welchen wohlmeinenden Rath wir schönstens danken. Denn wo in aller Welt zeigen sich die