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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-10-13 · Heft 42 (13.10.1856) · p. Seite 572

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 42 (13.10.1856)
Date
1856-10-13
Page
Seite 572 (sequence 8)
Language
German
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572 girt, »die einzigen, lebenden- Reste Roms, Menschen mit Vieles -duldendem :'Herzen ,, -wohnen in 'dem. elendesten Schmutze. - ' ,-Glücklicher find die! Juden, welche den obern Theil des Ghetto bewohnen,- zumal die Via Rüa. Diese breitere : Straße, welche'auch" gute>find: wohnlichere Gebäude - enthält,''ist gleichsam der Corso des Judenviertels. In d'er. Via Rua wohnen die Juden, welche das beste Dokument Gazzagä in der Tasche haben, selbst Häuser besitzen und wohlhabend find. Hier findet man denn Kaufladen mit allen' möglichen Tuchwaaren von dem gröbsten Linnenzeuge bis zu den kostbarsten-Stoffen. Es giebt auch, wohlhabende Juden; werden fie reich, so ziehen fie, wie man mir sagte, gern nach Toscana. Es ist auffallend, daß ächt jüdische Namen nirgends zu lesen find. Die Juden Roms nennen sich nach italienischen Namen, besonders der Städte, wie Asdrub'ale Volterra, Samuele Fiano , P'ontecorvo, Gonzaga, und es ist komisch genug, fie solche -stolz und fürstlich klingende Namen führen zu sehen«-. Auch ihre Sprache ist römisch; nur selten hörte ich Juden unter fich hebräisch reden; ihre Tracht unterscheidet fichnicht von der des römischen Volks, und selbst an ihrem Feste bemerkte ich kein einziges orientalisches : Costüm." — Zeitnugsnachrichte». Deutschland. Vom Rheine, 24. September. (Privatmitth.) Sie werden wissen, daß sich die israelitische Gemeinde zu Mainz wie zu Frankfurt in zwei Parteien getheilt hat. Heute nun, den 24. September, war es,' an welchem die orthodoxe Gemeinde oder vielmehr Gesellschaft ihre neuerbaute Synagoge, ein Meisterwerk der Baukunst, einweihte. Ueber diese Einweihungsfeier aber glaube ich, „meäivoritatem auream tenens"^ Einiges zu schreiben um so eher berechtigt zu sein, da meine Feder in keiner Hinsicht von Parteigeist ergriffen ist. Die Feier begann Nachmittags um drei Uhr. Man nahm Abschied vom bisherigen Bettocale. Herr Dr. Lehmann, Prediger der altisraelitischen Gemeinde, sprach, nachdem die üblichen Gebete vollendet, herzliche und alle Anwesenden rührende Worte. „Eng und klein", sagte er, „war unser bisheriges Gotteshaus, dicht gedrängt standen wir, und doch hatten wir Raum genug, und doch schien die Wohnung sicht zu erweitern, wenn wir dem Allherrn dienten." Leb Festzug ^setzte sich in Bewegung. Die Mädchen, Blümenguirlanden und Kronen tragend, die Knaben, der Vorsängersammt dem Chore, die Träger der Thorarollen, nämlich Herr Dr. Lehmanns Herr Rabbiner Hirsch, Herr Rabbiner Fromm zu Homburg nebst den sichen ältesten Mitgliedern.der Gemeinde. Beide Straßen, durch welche der Zug ging, waren festlich geschmückt und mit Fahnen bekränzt, da selbst der christliche Bewohner sein HauS zu bekränzen nicht.unterlassen hatte. Ueberhaupt war unter Allen, ohne Unterschied der Confessionen, eine freudige . Sensation und rege Bethetligung zu bemerken, wie dies auch ein Gedicht eines christlichen Mitbürgers zur Einweihung der neuen Synagoge zeigt. Nach der Ankunft in der Synagoge .sang der Chor, der aus Knaben und einigen jungen Leuten bestand, mehrere Einweihungslieder. Hier kann ich nicht unterlassen, des wackern Dirigenten des Chors, des Herrn Leo Cahn, rühmlichst zu erwähnen, der nicht nur selbst einige Gesänge meisterhaft componirt hatte, sondern auch selbst den Chor so leitete, daß alle Anwesenden es bewunderten. , Als der Gesang beendet, wurde dem Herrn Geheimen Regierungsrathe und Territorial- Commiffär Schmitt von einem der Mädchen feierlichst der Schlüssel überreicht. Die Thore wurden geöffnet und mit „langsam abgemessenen Schritten" trat der Zug in das Bethaus, dessen Plätze bereits alle besetzt waren. So beehrten die Feier mit ihrer Anwesenheit Se. Ercellenz der Vice-Gouverneur, Herr Generallieutenant von Bonin, der Festungscommandant, Herr Generalmajor Ritter von Steminger, der Geheime Regierungsrath, Herr Schmitt, der Großherzogl. Hessische Bürgermeister, Herr Nack, Herr Obergerichtspräsident Dr. Pittschaft, so wie andere Militair- und Civilbeamte. Der Umzug um den Almemor, angeführt von dem Prediger, dem die anwesenden Rabbinen und die sieben ältesten Mitglieder folgten, machte tiefen Eindruck auf die Zuschauer, und es war dies wirklich eine ergreifende Scene, die Rabbinen und diese schon am Abende ihres Lebens stehenden Männer mit vor Freude verklärtem Antlitze, fest drückend, an ihr Herz ihr heiligstes Kleinod, um den Almemor wandeln zu

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