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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-10-13 · Heft 42 (13.10.1856) · p. Seite 566

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 42 (13.10.1856)
Date
1856-10-13
Page
Seite 566 (sequence 2)
Language
German
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566 He sich des Wohllebens nicht, welches er ihr schuf, sondern war „bekümmerter Seele" und „schüttete aus vor demEwPen ihr.Gemüth." - - t •%a«;$ ein Spiegel.für die,Jetztzeit, sie Hstzje. hinvm ünd ^blicke M' y: Die,Richtung, der Charakter, der Inhalt unster Zeit, wie diese seit lange sich vorbereitet, wie sie seit einem Jahr-- gehend ganz hervorgetreten und immer nackter 'Ach zeigen — man - Kat es schon oft genug gesagt, sie sind materialistischer Art, schnöder Materialismus. Was heißt dies? Daß. alles Streben in unsrer Zeit vorwiegendaus die Güter dieser Erde gehet, auf Erwerb und Geüüß, daß das ^Geistige,' das Höhere, das Übersinnliche und Ueberirpische vergessen, vernachlässigt, verachtet wird, und selbst so weit es vorhanden, nur als Magd, der Erde zu immer größerm Raffinement für Erwerb und Genuß angewendet wird, daß alle höhere Sehnsucht, alles erhebendere-Verlangen, alles Vergeistigende, Verklärende, Heiligende geschwunden, selbst aus der Achtung und Ehrfurcht'der Menschen geschwunden ist. Es ist dies eine schwere Anklage unsrer Zeit, es/ ist dies ein erschreckender Zustand, der das Verderben in sich trägt— aber ist sie -unwahr? fühlet, indem ich sie ausspreche-'nicht ein Jeder von uns schon in sich, daß sie mindestens zum Theil wahr sei? Lasser uns genauer Zusehen. Gehen wir von Außen nach Inn?n, blicken wir zuerst auf Verkehr und Wandel. Da sehen wir jene verderbliche Pest: reich werden zu wollen, reich werden zu w ollen ohne Mühe, über Nacht, die die Menschen ergriffen, von einem Punkte ausgegangen, die Länder durchschreitet, immer Mehrere ansteckt, und. in ihren Wirbel und Schwindel hineinreißt, diese Speculationswuth, welche in kürzester Zeit mit Nichts, wetz er'mit Mitteln, noch Arbeit, noch Geist, Tausende, wo möglich'Millionen in eine Hand erraffen will, dieses Häzardspiel, dessen -Wahlspruch ein teuflisches: Entweder, oder! Dies ist das wirre und verwirrende Fieber unsrer Zeit, das immer mehr Zweige der Industrie ergreift mit seinem Schwindel. Wohin ist jene Genügsamkeit geflohen, welche fich des sauer erworbenen Pfennigs freute, welcher die einfachsten Erwerbsquellen genügten, weil sie ruhig und sicher stoffen, und Morgens wie Abends ein kleines, aber gewisses Maß gaben? Wohin jene Rechtlichkeit und Billigkeit, die nur nach Dem die Hand ausstreckte, worauf sie ein Anrecht hatte durch Fleiß und Verständniß? Ha! und in diesen /Schlund" fahren die besten Kräfte, fährt die Ruhe und das Glück des Lebens hinab — ^a^hört aller Sinn für Liebe und Wahrheit, für Heil und Adel auf — es ist kein w „ Haschen ^nach<Winh" , sondern eik'MÜMerDng'ch Wind "y 'Vä^ in den.AbgrurfK ‘ schleudert.heute jubelt Ä)e'r ob 'des maßlosen KewlnnS/^der^be^iM^^ gezogen, und morgen ist ihm Alles geschwunden. Aber nicht blos der Einzelnen, der ganzen menschlichen Gesellschaft Untergang 'ist es, denn auf Arbeit und Sicherheit ist diese gebaut,' auf'rastloses Wirken und Festigkeit, auf Vertrauen und Bestand, auf mühevolles Erwerben und eisernes.Festhalten — sonst wankt sie und bricht zusam- ' men.' UndUr sägt es sich nicht beute schon, daß es so kommen müsse auf diesem Wege?! - ' Wir kehren von dem Markte des Lebens im Hause ein. Da erblicken wir ein andres Uebel, das theils Folge, theilS Ursache jenes erstern ist. Es ist der Lurus, der seine Wohnung da aufgeschlagen, der wetteifernd im äußern Glanzein Meubeln, Geräth und Gewändern, alle Stände verhältnißmäßig zur Überschreitung ihrer Kräfte antreibt. Da ist es insonders das weibliche Geschlecht, welches, ergriffen vom Dämon übertriebener Putzsucht, mit Sammet Und Seide und Spitzen alle Mittel des Mannes erschöpft, und einherstolzirt in Eitelkeit, oft wahrend .der Mann, schon das trübste. Geschick vor Augen hat. Und wenn dann zwei Klugen sich schließen, und statt eines ersparten Vermögens nichts als jener werthlose Plunder übrig ist?.. Es ist fürwahr! ein Jammer, an welche Nichtigkeit der jetzige Mensch alle seine-Kräfte setzt und sein Leben hmgiebt! Wohin ist jene edle Einfachheit geflohen, die unsre Väter zierte, wo am Eichentische des Großvaters noch die Enkel ihr Sabbathmahl einnahmen voll -Weihe' und Ruhe und Freudigkeit, und - das Brautgewand der Großmutter noch der Enkelin zum Schmucke diente? wo .mit der Sorge für die erste, einfache Einrichtung die. Sorge für das ganze Leben gelöst war? Wie? habet Ihr mehr Glück dafür eingetauscht mit Eu-, ren kostbaren Hölzern, Spiegeln und Teppichen? mehr Frieden, mehr Tugend, mehr Anspruch auf die Gnade des Herrn?! Und wer flehet nicht, daß dieser ungeheure Verbrauch, der froh ist, wenn die Einnahmen die Ausgaben decken, und der Zukunft sich ganz entschlägt, den Bestand, des Familienlebens untergräbt, daß jetzt schon die jungen Männer kaum an die Ehe denken können, weil sie zu kostspielig ist, und die Einzelnen wie die Gesellschaft in die^größten Gefahren versinken? * Und hieranreihet fich die maßlose Genußsucht, die sich des Geschlechtes bemächtigt hat, in der jeder

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