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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-10-06 · Heft 41 (6.10.1856) · p. Seite 553

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 41 (6.10.1856)
Date
1856-10-06
Page
Seite 553 (sequence 3)
Language
German
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553 bey p,ix deshalb eine.Darstellung dieser.auf die Juden bis jetzt drückenden. Maßnahmen. Rußland - wird . hin? sichtlich - der Recrutirung .in die Ost? und Westprovinzen getheilt.In einem Jahre werden Recruten in den Ostprovinzen, im andern in den Westprovinzen ausgehoben. Die.Juden hingegen waren der Recrutirung in jedem Jahre,-unterworfen und wußten dabei zwei mehr als die Christen stellen, d. h. wenn für die Christen fünf von tausend Seelen ausgeschrieben waren, hatten die Juden sieben zu stellen. Blieben jüdische Gemeinden aus. Armuth von dem Kopfgelds, welches jeder männliche Kopf bezahlen muß, wobei selbst für die Verstorbenen bis zur neuen Conscription, die je fünfzehn Jahre einmalgeschieht, bezahlt werden muß , Rückstände schuldig, so mußten sie für jede 600 Silberrubel einen Soldaten liefern. Waren die. jüdischen Gemeinden durch diese beständigen und . starken Aushebungen außer: Stande, die neuen Recruten zur bestimmten Frist zu stellen, so wurde ihnen für jeden ^verspäteten Soldaten vier zu stellen zur Strafe aufgelegt; blieben diese Strafsoldaten wiederum aus, so mußten sie abermals vier für jeden.stellen... Bei der dadurch bewirkten schrecklichen Verheerung der jüdischen Familien. wurden daher acht- und zehnjährige Knaben - aus den. Armen ihrer Eltern genommen und deren weiteres Schicksal ist in diesen Blättern bereits.besprochen wurden. Reichten auch diese nicht aus, so wurden, ohne Berücksichtigung des Alters, selbst Greise, diejenigen Personen, welche zum Ansheben, der; Soldaten gewählt worden, als Ersatzmänner weggeführt. : Alle diese den Bestand des jüdischen Stammes untergrabenden und unberechenbares Elend . über die Familien häufenden Ausnahmegesetze sind nunmehr aufgehoben, und nicht blos die Herzen der russischen Juden, sondern auch aller;theilnehmenden Menschenfreunde müssen dem? neugekrönten Kaiser zuschlagen, welcher, durch diese, Acte seiner Krone den wahrhaftesten Glanz bereitet hat. Da wir, den Wortlaut derdesfallfigen Ukase - noch, nicht in Händen habenso wissen wir noch -nicht,. iob auch die Stellung, des jüdischen dienstthuenden Soldaten..dew darüber bestehenden Ausnahmegesetzen Tentzogemworden,..worüber wir-dann-zur Zeit Weiteres mittheilen-werden. .-7-- - Daß die Krönung des Kaisers vonfeineuisraelitifchen Unterthanenwit um sy auftichtigerhewegtem Herzen durch Gottesdienst, Speifuyg der Armen, - Geschenke.qn. wohlthätige Jnstitute,gefeiert wurde-, läßt.fich.porays'sWy;. .-unher vielen. anderen derartigen Piöcen, die uns..zugekommen sinh,; heben wir ein Programm in hebräischer Sprache für die Ahnggoge irr Odessa - hervor, in welchem, ein Wechselgesang, verfaßt -von Herrn Alerander Z.e derb a.um, den Beifall, jedes Kenners erwerben wirk Die correcte und innige Diction, die sich bisweilen zu? wahrem Schwünge erhebt, macht diesen Psalm seines Gegenstandes würdig. — Preußen. Es ist ein eigenthümliches, vielleicht noch nicht dagewesenes, aber um so interessanteres Schauspiel, welches wir Juden in Preußen darbieten. Wir meinen-den-Kampf um die Ausrechthaltung eines Paragraphen der Verfassung, der nach der Auslegung des gegenwärtigen Ministeriums gar keine Verwirklichung erhält. Wir sagen des „gegenwärtigen", da z. B. den 5. Juni 1849 der Minister von Ladenberg in einem Rescripte aussprach, daß die Vorschriften der Specialgesetze nur in so fern fortbestehen,. als -sie mit der Verfaffungsurkunde nicht im Widerspruche stehen. Wir sagen des Ministeriums/- denn die erster Kammer erklärte Ende 1849 bei Revision der Verfassung : daß . sie ,-die Gleichstellung .der Religions- Parteien als eine Lhatsache ansehe, die nicht ^mehr zurückgenommen werden kann." *) Der Kampf also.um einen Paragraphen, der einstweilen nichts als eine-Wortformel ist und somit lediglich auf dem Gebiete der Idee vorgehtist immerhin interessant. Glauben wir aber nichtdaß derselbe' mit: den . Vorgängen in der letzten Session des Abgeordnetenhauses entschieden ist. Denn.an sich ist der Dissensus, welcher den Redner Reichenfperger die Unmöglichkeit. der obigen Auslegung Seitens - eines. Ministeriums behaupten:, den Minister -des Innern aber, diese Auslegung . unumwunden - darlegen ließ,. noch nicht zum Austrag gekommen und muß einmal von der einen-oder anderen Seite wieder-zur Verhandlung kommen. . . Wenn uns unsere-Berichte: nicht täuschen, so wird diese Gelegenheit früher; kommen als man denkt ,, und wir Unterlassen es daher nicht, die preußischen G emeinden frühzeitig darauf:aufmerksam z-nmachen. Der - Abgeordnete- Wägener soll - beabsichtigen „-den im -.vorigen: Jahre - verfehlten Versuch, - den ,§; >12. -zu i beseitigenwieder zu erneuern-, wenn auch-in etwasanderer Weise.-: - Auch an.einigen- Bestimmungen, des?. Gesetzes *) S.' unfern „Kampf der preußisches Juden-für die Sache: der- Gewiffensfteiheit." /-iGebvi. Baensch nl'856. S. XXXVli: ss - . v.

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