Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1856)
- Date
- 1856-09-15
- Page
- Seite 517 (sequence 9)
- Language
- German
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517 oder weniger des- Genusses der bürgerlichen Rechte erfreuen, und wahrend selbst in den Ländern , wo Fanatismus und. Krämerneid den Juden ihre Rechte vorenthalten,, sie .doch als Menschen behandelt werden, giebt. sich hier leider ein Judenhaß kund, wie in den fanatischen Zeiten des Mittelalters, Beschuldigungen /dieser Zeü tauchen wiederum auf. Pater Scriban, .ein' hiesiger Bischof, suchte in einem Pamphlet" gegen die Juden 'seiner Galle '.Lust zu machen. Er. behauptet Günter Änderm, die Unreinlichkeit der Juden sei -Ursache mancher epidemischen Krankheit — wenn aüch jeder unparteiische Reisender sich augenscheinlich überzeugen kanndaß der Pope ein Verleumder ist, denn die Reinlichkeit der hiesigen Juden ist. wahrlich musterhaft — man solle sie daher aus ihren eigenen Häusern verdrängen und in ein Ghetto außerhalb der Stadt .einsperren! Man soll den Juden' den Detailhändel entziehen, ihren Verkehr mit den Christen überwachen,'damit Letztere nicht betrogen werden/ und dergleichen Gemeinheit mehr. Hinsichtlich. der Bildung weiset der Herr Bischöf die Juden den Zigeunern cm, wenn man auch, ohne ein Gelehrter zu sein, aus' den Flugschriften, dieses Popen/ .sich sehr leicht einen BegM. von dessen Bildung machen kann, und vergebens sucht man die Universität,/ auf der Pater .Scriban gebildet wurde, und wahrlich', es giebt moldauische Popen, die in intellectueller Beziehung selbst den Zigeunern 'nachstehend Zwei Zeitungen, „Donau Stern" und „Zyrnbrul", die hier erscheinen, haben es sich zur/.Aufgabe gemacht, Judenhaß' und/ Judenverfolgung zu' predigen,. und 'ist es nur der Occupation der kaiserlich ostexreichischen Truppen zu verdanken, daß es bis jetzt /zu keinen Thätlichkeiten kam. Leider lehrt uns em vorgestriger Vorfall, was die Juden hier erwartet, Mnn', keisie Schritte in 'Konstantinopel und bei tön Konferenzen zu ihren Gunsten gethan werden, eine Begebenheit, die in einem Lande, das wenigstens der Karte nach zu Europa gehört, unglaublich scheinen würde< Vor einigen Tagen.wurde ein Jude in.einer Vorstadt hier verhaftet, weil-Wanbei ihm gestöhlene! Effecten gefunden haben sollte.: Der- Commiffair dieses Viertelst, uw von diesem 'Juden Geständniffe' — eigentlich Pucaten — zu erpressen," ließ ihm Montag 60. und Dienstag 85 Swckstreiche geben> so daß er Dienstag rmter den Streichen seiner Henker näch furchtbaren Qualen den Geist aushauchte^ Der Commisfair, nachdem?r auf den Entseelten vergebens-ein ganzes Faß Wassergeschüttet, ließ den Cadaver in den Kerker tragen —. so wird es allgemein erzählt — begab sich selbst dahin, band ihm eine Scherpe um den . Hals und sprengte aus, der Jude habe sich selbst durch Stränguliren entleibt. Damit aber keine Zeugen gleich zur Hand seien, 'entließ er alle anderen Verhafteten', deren viele waren, in aller Eile ihrer Haft, die Jndiscretion seiner Untergeordneten schien er weniger zu fürchten. 'Daß so ein Vandalismus die 'Gemüther der Juden sehr erbitterte, ist ganz natürlich, und da die Wohlhabendem hier kaiserlich österreichische Schutzgenoffen, und daher gewöhnt sind , bei jeder Unbill, die ihnen begegnet, Schutz unter den Fittichen des österreichischen Adlers zu suchen, begaben sich Einige zum k. k. Herrn Agenten und Generalkonsul. Der Ermordete war aber kein Oesterreicher' und konnte der Herr Agent in dieser Angelegenheit Nichts thun, war aber von dieser Grausamkeit sichtbar ergriffen, und' schickte 2 Ducaten, damit für den ersten Moment für die zurückgebliebenen 5 unversorgten Waisen Brot angeschafft werde.. Der Chef der Polizei begab sich auchan den Ort des Vorganges, auch mehrere Aerzte wurden geholt, aber es war augenscheinlich, daß diese Sache vertuscht werden sollte. Man forderte in derselben Nacht die Judengemeinde auf, den Erschlagenen zu beerdigenz erst als dieses verweigert wurde,- transportirte man die Leiche ins Moldauer St. Spiridon-Spital) um solche Tags darauf seciren zu lassen, was auch gestern geschah, und trotzdem, daß die Spuren' der furchtbaren Mißhandlung deutlich genug die Ursache dieses rapiden Todes angaben,— der Körper war derart zerfleischt, daß es ein Miraktl wäre,' wenn derselbe leben geblieben —- gaben doch die Aerzte ihr Gutachten dahin, daß das Stränguliren diesen Tod verursacht habe. BemerkenSxverth ist hier, daß der jüdische Arzt T. Dienstag nach Besichtigung der Leiche behauptete, daß derselbe erschlagen worden, über Nacht aber sich eines Bessern besann und den-andern Aerzten betftimmte*. i Dahingegen wurdw nicht einmal die Untergeordneten dieses Cömmiffairs, so wie die Kosaken, die diese Erccution vollzogen und die selbst geäußert haben, Laß sie es nicht mehr ertragen können, daß seit' zwei Tagen ein armer Jude furchtbar gemartert wurde) vernommen, um zu erforschen, ob der Jude sich selbst entleibt hat, wie der Commiffair behauptet, 38