Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1856)
- Date
- 1856-09-15
- Page
- Seite 516 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225985-3226024--15604-3244409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
516 Lurig zu jung, um der -Geschichte anzugehören; erst wenn die Gegenwart ihren Historiographen gefunden haben wird, wird die Löbliche- Stadt Chrzanow die wohlverdiente Berühmtheit erlangen.—, -/Aber nicht einmal die Journale, -selbst nicht bie Times und die D6bats haben etwas^ davon erzählt."— Aber desto mehr wurde und wird noch vor, während und nach dem Beten bei den und den wwnn iimn*) davon erzählt und gesprochen. — „Könnten Sie mir vielleicht —? " Zu dienen.v Und nun aufgepaßt. — Chrzanow, eine Stadt im krakauer Gebiete, bekannt durch ihre Brezel-Industrie, in der sie einen seltenen Grad von Vollkommenheit erlangt, bewohnt von vielen wohlhabenden jüdischen Familien, war von jeher ein neutrales Gebiet, das heißt: sie schickte ihre Wallfahrer und Lösegelver bald dem Rabbi von Sandez, einer Kreisstadt Galiziens, zu, bald nach Radomsk, einer Stadt in Russisch-Polen, wo gleichfalls ein großes Licht tagt. — So bildete Chrzanow eine Zeit lang eine ergiebige gemeinschaftliche Geldquelle für den Schatz zu Sandez und zu Radomsk, bis vor einigen Jahren durch Eröffnung der Eisenbahn die Communication zwischen Chrzanow und Rabomsk — beide Bahnstationen — derart erleichtert ward, daß Sandez, wohin nur eine beschwerliche Wagenreise führen konnte, gänzlich vernachlässigt wurde. — Um Diesem abzuhelfen,-und das verlorene Territorium wieder zu gewinnen, wußte der Rabbi von Sandez den Augenblick zu erhaschen, wo der Rabbinatssitz zu Chrzanow vacant war, und diesen mit einem seiner Söhne — welche er für solche Fälle immer in Bereitschaft hält — eigenmächtig zu besetzen. Unberufen, ungefragt, gelang ihm dieser eoup d’etat blos durch die einschüchternde Wirkung seines plötzlichen persönlichen Erscheinens' an Ort und Stelle, und Chrzanow, durch dynastische Bande an das Cabinet zu Samez gefesselt, fing nun an, dem Cabinet zu Radomsk untreu zu werden. Dieses schickte nun, um seinen Einstuß und um eine bedeutende Einnahmsquelle besorgt, seine Emissäre nach Chrzanow, um das Volk aufzuwiegeln, was auch bei dem maßlosen Despotismus des dortigen Rabbiners — der jederzeit auf die Unterstützung seines Vaters-rechnen durfte — gar nicht schwer war. Die Unzufriedenheit wuchs von Tag zu *): Die Ramm von einem Chassidim - Vet - hamidrasch zu Krakau und von dessen Filiale. daselbst. Tag. Endlich erschien vor zwei Monaten am Hofe zu Chrzanow, vom Cab inet zu Radomsk abgesandt, ein Mentschikoff in der Person des Glasermeisters , - welcher den Auftrag hatte, unannehmbare Betz ingniffe zu stellen und die diplomatischen Beziehungen abzubrechen. Nun war der Bruch vollständig und offenkundig. Die Emissäre von Radomsk gründeten im Herzen von Chrzanow eine Colonie — nämlich eine Clause — unter dem Namen „Radomsker Stübel", zogen 'die einflußreichsten Leute an sich, und ihr Anhang wuchs täglich, so daß der Ortsrabbiner bald verlassen dastand und um Succurs an seine väterliche Schutzmacht nach Samez sich wenden mußte. Der Rabbi von Samez, durch die Uebergriffe seines nordischen Gegners aufgebracht, begab sich in Person aus den Kampfplatz nach Chrzanow, um durch seine Gegenwart seine Getreuen anzueifern, die Abtrünnigen einzuschüchtern und nötigenfalls den Kampf zu beginnen, welcher gewiß ein sehr heftiger geworden wäre, hätte nicht der Rabbi von Neustadt die, Vermittlerrolle übernommen, und sich in Begleitung eines großen Schwarmes von mehr oder minder bekannten Rabbis aus allen Gegenden Polens und Galiziens — welche sämmtlich durch den drohenden Krieg zwischen den beiden Großmächten geängstigt waren — nach Chrzanow zu einem Congreffe begeben. Als der Rabbi von Samez in Chrzanow anlangte, hatten die Conferenzen bereits begonnen, und er ließ sich überreden, an den Verhandlungen Theil zu nehmen, welche in einigen Tagen so weit gediehen, daß ein beiderseitig befriedigender Vergleich getroffen war, wodurch das Gleichgewicht wieder hergestellt und der Frieden gesichert wurde. — Die Congreßmitglieder aber weilten noch einige Tage in Chrzanow, um den Frieden durch Trinkgelage und öffentliche Festlichkeiten würdig zu feiern, und eine große Menge Volkes strömte von allen Seiten herbei, um so viele Potentaten beisammen zu sehen. — Dieses ist die wahrhaftige Geschichte von dem denkwürdigen Congreffe zu Chrzanow, welchen die dortigen Schank- und Gastwirthe noch lange Zeit segnen werden! — — Douaufürstenthüiner. Jassy, 21. SCugufi.' Während'in manchen Ländern unsere Glaubensgenossen sich mehr