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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-09-15 · Heft 38 (15.9.1856) · p. Seite 515

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 38 (15.9.1856)
Date
1856-09-15
Page
Seite 515 (sequence 7)
Language
German
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515 ab, -d aß. - ex .Angeklagte. nach demjenigen, Religionshegriffe, zu welchem er sich vor dem. Richter bekannt.hat> vereidet worden ist." . , (Dieser Fall möchte auch ein solcher sein, der den evangelischen Geistlichen Berlins das Convertiren etwas .bedenklich machen möchte! S> Nr.. 33. S. 446. d. Bl. , Redact.) , / Qesterr e ich isch er Kaiserstaat. Krakau,. Ende Juli. (Privatmitth.)^ In Nr. 26. chnd 30. dieser Zeitung übernimmt es ein „Reisender", von der westgalizischen Grenze Berichte zu veröffentlichen, und entwirft mit etwas zu grellen Farben Bilder, die eher geeignet sind, die ohnehin so dunklen-Begriffe/ welche man in Deutschland von unfern religiösen und socialen Verhältnissen hat, noch mehr zu verwirren. — Wenn der Correspondent die galizischen. „Deutschen" indifferent nennt,, so mag er hierin einigermaßen Recht haben. Aber blos einigermaßen; denn unbedingt konnte das nur in früherer Zeit der Fall gewesen sein, als „Polnische", und „Deutsche" sich einander schroff und feindlich gegenüberstanden, wie einst Pharisäer und Sadducäer; als noch ein Deutscher nicht in die Synagoge kommen konnte, ohne mit scheelen Augen angesehen zu werden; als man cs noch scheute, gegenseitige Heiraths- Verbindungen einzugehen; was Wunder also, wenn damals der „Deutsche" von aller Gemeinschaft mit Juden gleichsam ausgeschlossen,, auf sich , selbst angewiesen, dem jüdischen Leben gänzlich entfremdet wurde. Aber mildere Zeiten brachten mildere Sitten — und „Polnische" und „Deutsche" sind jetzt bluts- und sinnesverwandt. Friedlich steht man jetzt in Synagogen, auf öffentlichen Platzen und in geselligen Zirkeln Streunet und Cylinderhut, Schubeze und Frack neben einander, und wahrlich, beide Parteien gewinnen bei dieser Annäherung, die eine an Politur und Weltbildung, die andere an Religiosität. Hoffen wir, daß die Zeit bald die gänzliche Gleichheit der Gesinnung in dieser Beziehung herbeiführen wird, und daß Alles, ob. deutsch oder polnisch, sich mit gleicher Liebe und Wärme für unsere heilige Religion interesstren werde! — Mag ferner der Berichterstatter die Chassidim abergläubische Fanatiker, Schwärmer nennen; ich will ihm Ml widersprechen,, denn , ich bin überzeugt, daß jeder tolerante,, recht - denkende und fühlende., Jude mit mir diese Verblendeten bedauern, sie aber, keineswegs, verachten wird; mag er die. Rabbis, als .Ignoranten, Obscuranten, Heuchler und Schamanen bezeichnenich will ihm auch hierin nicht widersprechen, denn dieser Vorwurf trifft nur . Einzelne— wenn er aber den Chassidismus im Allgemeinen als einen <Psuhl des Lasters, als die Wiege der Demoralisation und der Unsittlichkeit darstellen will, so muß ich, und mst mir jeder wahrheitliebender Mann, diese Beschuldigung mit aller Energie zurückweisen!' Fern sei es von mir, dem Chassidismus das Wort reden zu wollen! Ties schmerzt es mich, wenn ich sehe das Umsichgreifen dieses unjüdischen Götzendienstes! Ich kann dennoch auf einem großen Theil meiner.Landsleute und Glaubensgcnoffen nicht eine unverdiente Beschuldigung lasten sehen, welche diese bedauemswertheu Opfer der Verblendung der. Verachtung einer ganzen Welt Preis geben würde.— Ich hatte oft Gelegenheit, den Trinkgelagen der Chassidim beizuwohnen. Da ging es bunt her, aber nie hörte ich ein unzüchtiges Wort; nie ist ein solches Gelage in eine Orgie ausgeartet, wie sie in der modernen Welt wohl Vorkommen mag. Wenn die Geister durch erhitzendes Getränke aufgeregt, da tönt aus den rohen, ungeschulten Kehlen in einfacher, aber erhebender Melodie: "isn dT’« oder eine andere der gottbegeisterten Oden, an denen, die Hebräische religiöse Poesie so reich ist! Nein, wahrlich, Menschen, die selbst im Branntweinrausche, bei .aufgeregten Sinnen, sich , zu Gott erhebenkönnen unmöglich lasterhaft sein! Es wäre auch unsinnig, eine ganze Secte, die Hunderttausende von Mitgliedern zählt, der Lasterhaftigkeit beschuldigen zu wollen! —^ — Man kann die Chassidim bedauern, ja sogar sich über sie lustig machen, aber unedel ist es, sie zu beschimpfen!-— Hätte sich lieber der Reisende die Mühe genommen, dem deutschen Leser einen Blick iy die diplomatischen Umtriebe der Rabbis werfen zu lassen; vielmehr als durch fade Verleumdungen, hätte er ihn durch Erzählung der Geschichte vom Kongresse zu Chrzqnow amüsirt. — „Vom Congresse zu ,Chrzanow?" höre ich den Leser erstaunt fragen, und schon, greift seine Hand nach dem Lericon, um sich Auskunft zu holen. —r Aber ersparen Sie sich die Mühe, mein Werther, noch ist dieses Ereigniß von welthistorischer Bedeu-

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