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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-09-08 · Heft 37 (8.9.1856) · p. Seite 500

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 37 (8.9.1856)
Date
1856-09-08
Page
Seite 500 (sequence 4)
Language
German
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Haus des Naßi. Dort zieht man ihm die Fußbekleidung^ ab, wäscht ihn^ Und sammelt das Wasser davon, um e^ zu trinken. Zu dieser Ehre, gelangen jedoch nur die An ge-! seheneren, das. Uebrige erhalten Frauen-und Kinder. Der, Verfasser hat sichvergeblich dagegen gesträubt; sie Haltens dies Getränk für heilsam gegen Krankheiten. . j In der Woche an Werktagen tragen die Männer nurl Hemde, kurze Hosen bis ans Knie, eine. kleine Kappe mir schwarzem Streif umgeben. Sie gehen,-ba-rfuß.. Mn Sab-! bath haben sie einen langen dunkelfqrbenen, wollenen Rock^ an; dieser'schließt eng .an, ist zugeknöpft, .bis zum Gürtels und fällt von .da in sechs Abstufungen.bis zu,den Fußend herab; auch die Ae.rmel find eng.; .^Dse ^RAchern. haben j Schuhe an, die^ Üebrijgen Sandalen vvNnUngegerbtem Le-? der. Die. Frauen haben ein. farbiges weites. .Hemde, ei-! nen Fpulard oder ein Stück Zeug,um den Kopf, die Hagre! hängen spei über die Schultern. Sie sind auch barfuß,! aber die Fuße find wie .die ArM.und. Hände mit gol--^ denen und,, silbernen Ringen geschmückt. ,Sie tragen auch! oft lange Nasenringe. . [ Was ihre Arbeiten betrifft, so weben sie wollene Zeuge, welche,inHandel kommen. Sie machen auch.Teppiche. Ihr' We'bffuHl ist sehr einfach; zwei in die Erde gesteckte Stanj gen bilden das Mittel, um recht gute und sogar schöne l Zeuge zu verfertigen. ' j Ein ansehnlicher Theil der Israeliten lebt vom Acker- { bau. Man sieht diese des Morgens mit Frauen und Kin- \ dern hinausgehen, und erst Abends kehren sie heim. Wein .? bereiten sie nicht, .sondern nur Rosinen. An Brotfrucht haben sie reichlichen Ertrag. Baumfruchte werden nichtviele gezogen. ' . Ihre Häuser bestehen aus Lehm, sind inwendig kahl, auswendig mit Mörtel überzogen, und bestehen nur aus einem ziemlich hohen Erdgeschoß. Im Sommer schläft man auf erhöhten Lagern im Freien, um den Skorpionen zu entgehen, die hier: überall vorhanden find. — Die Speisen sind ekelhaft und widern den ärmsten Bemerkenswerth ist, daß sowohl Kurden wie Israeliten von der. Ernte einen Theil für Wittwen, Waisen und» Arme übrig lassen. Jeder darf auch von stehender Frucht Etwas zur Stillung seines Hungers abreißen. Auch die Erstlinge werden abgeliefert, von Seiten der Kurden, an: ihr^H^upt, und. von Seiten der Israeliten an ihren, Rabbinen. Alles acht biblisch, wie nych manche . andere Sft'j,e Wer,^öMsch.^sten., , Die ßa$I tjfn Kurhen wohnenden Israeli-? .ten chaf der-Verfassernicht angegeben,! ungefähr.200 Familien hat-er besucht.. . in Juden in Vagdad. .-!: Ein durchaus verschiedenes,! und zwar erfreuliches Bild bieten dje,.Judenin Bagdaddar.' Sie zählen dort, etwa ,2000 Familien, die meistentheils ein besonderes Stadtviertel bewphnen;-sie können aber auch sonst in der Stadt ,wohnen, , ugd viele machen Gebrauch vondieser; Freiheit. Sie haben 9 Synagogen, wovon 8 in einem Hofe-sich befinden. , Am Eingänge diesesuHofes -stehen- .einige.'-angesehene .Mitglieder der Gemeinde bei einer großen Büchse, um Morgens- und Abends von den Eintretenden die Gaben zu empfangen, .von. denen die Armen Spenden erhalten und die Jeschiba unterstützt wird.. Diese Gaben sollen, sich täglich im-Durchschnitt auf >1000 Piaster belaufen. Außerdem: lastet eine Armentare auf Fleisch. Die größte Synagoge ist.die neunte, welche sich durch einen .Emporplatz, mit 16 Säulen -auszeichnet, wo am 14. und 15. Adar. -die Megillah - vorgelefen wird. Sie heißt ri^ Mä . ‘•p.ttbtf .nwsn nach einem nachtalmudischen Gelehrten, dessen ^rab in rer Nähe ist. In der Synagoge ist ein Katafalks etwa 6 .Fuß hoch, mit farbigem T,uch bedeckt. - Z ehn Rabbinen müssen du beständig lesen und. beten. Viele Juden pilgern dahin. — Am Freitage werden frühzeitig alle Geschäfte geschlossen; nach dem Abendgottesdienst, werden in allen FamilienSabbathlieder gesungen. Nach dem Frühgottesdienst des Sabbath treten mehrere Familien zusammen, um eine Vorlesung und Erklärung aus den Propheten zu hören, wobei große Andacht, herrscht. - 'V. Uebrigens haben die Reichen prächtige Landgüter, -am Tigris, auf denen sie: den Sommer zübringen.;. Das Wesen der Juden zu - Bagdad ist in Betreff der Lebenssktte fast ganz europäisch; sie sind fein gebildet, überaus artig im-Umgänge, und gewandte Weltleute; auch wissen sie nichts von Bedrückung und erscheinen stets heiter und, lebhaft. Die Rabbinen . find ihres Faches gründlich kundig. Aus-ihrer Mitte, wählt man 3 als Dajanim (Richter). Im Jahr 1850 waren deren Namen: R. Jakob, Vorsitzender und tüchtiger Gelehrter, R. Eliahu Ob ad ja, ein reicher Kaufmann, welcher ausgebreitete Geschäfte hat, und R. Avdola, ebenfalls Kaufmann. Der eigentliche Richter, welcher.Strafen verhängen kann, ist ab.er. Hack am -Basch.i\ den. die Pforte ernennt und der die Juden/heim Staatevertritt. Er ist das Oberhaupt in allen Religions- und Berwaltungsangelegenhei-

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