Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1856)
- Date
- 1856-08-25
- Page
- Seite 479 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225985-3226021--15564-3244366- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
479 Im Juni 1854 machte Prof. Pol l a k eine Erholungsreise nach Hamadan (dem alten Ecbatana) Und in daS Elvendgebirge. Aus seinem in wissenschaftlicher Beziehung höchst interessanten Reisetagebüche entnehmen wir folgende die Juden betreffende Data: „Bei Hamadan begegnete ich zwei reisenden Juden', die aus Jerusalem waren, und vorgeblich nach Indien reisten, um für den „Tempel" Geld zu sammeln. Sie,waren zwar mit Documenten reichlich versehen, deren Aechtheit oder Unächtheit ich nicht beurtheilen konnte, doch schienen sie mir beide mehr für ihren eigenen Säckel zu sammeln. Der Eine derselben läugncte, Deutsch zu verstehen, während er nach den in seiner Abwesenheit gemachten Angaben deö andern Reisegefährten auS Ungarn war. Der Andere war in Griechenland geboren und zuletzt in Jerusalem ansässig, und sprach geläufig italienisch, griechisch, arabisch, türkisch, Lingua-franca und hebräisch. Es ist wunderbar, wie sich diese Leute fortschaffen, sie reisen ungehindert nach Samarkand, Bochara, Kandahar, Herat, Balch, um ihre Glaubensgenossen zu besuchen; mithin durch Gegenden, die sonst für Europäer höchst gefährlich, ja undurchdringlich sind. Wären derlei Leute unterrichteter, sie könnten der Wissenschaftmanchen guten Dienst leisten. Die meisten derartigen jüdischen Geschäftsreisenden kommen überall mit der hebräischen Mundart durch und verschaffen sich von einer Station zur andern Begleitung, durch alle Hirten- und Romadenstämme, durch all die vereinzelten TribuS und Räuberhorden, und gelangen so ungefährdet an ihr Reiseziel. „In Hamadan selbst, einer Stadt von 50 bis 60,000 Seelen, leben bei 150 Judenfamilien, die sich meist yon Weinbau, Weinbereitung, Goldwäscherei und Münzenlesen ernähren. Die Gold- und Platinwäscherei, welche in dem aufgeschwemmten Boden' zwischen Elwend und der Stadt betrieben wird, beschäftigt bei 500 Individuen, und das durchschnittliche Verdienst eines Jeden mag sich täglich auf einen Karan (bei 27 Kreuzer C. M.) belaufen. — DaS Ausstichen der Münzen ist daS Nebenproduct der Goldwäfcherei» — Da diese Stadt einst persische Residenzstadt, später der Durchgangspunkt zahlreicher griechischer und römischer Heere war, so finden sich hier Münzen aus allen Zeitaltern verschiedener Nationen und Dynastien. In diesen Handel theilen sich Juden und Armenier, die, wenn sie. auch ihre Waare nicht immer verstehen, doch jedeSmal äußerst überspannte Preise zu stellen wissen. „So viel ich auch nach einigen GeschichtSquellen forschte, konnte ich doch nichts dergleichen ausfinden, indem sie nichts Geschriebenes auS früherer Zeit besitzen; die hier vorkommenden hebräischen Druckwerke stammen alle aus Livorno, Wilna, Wien und Prag. Im Briefwechsel bedienen sie sich der hebräischen Sprache und haben eine eigene Cursivschrift, die der chaldäischen sehr ähnlich ist. In Sitten und Gebräuchen sind die Juden Hamadans von den übrigen PersienS nicht verschieden." — Literarische Nachrichten. Danzig, im Juli. Systematischer Katechismus der iftaelitischen Religion, auf Beschluß des Vorstandes der israelitischen Gemeinde zu Luxemburg herausgegeben von vr. Samuel Hirsch, Rabbiner. Luxemburg. Druck und Verlag von V. Bück. 1856. 12°. III. 188. Das vorliegende Buch hat nur einen einzigen Fehler und zwar im Titel. In diesem ist daS Wort „israelitischen" zu streichen und dafür „Hirschischen" zu setzen.— Des Verfassers Religionsanschauung ist auS seinen früheren Schriften bekannt genug. Nun durste der Religionsphilosoph vr. Samuel Hirsch eben so gut wie Spinoza, Fichte und Hegel seinen Gott, seinen Geist, seine Ethik, seine Religion haben; aber darin ist er sehr im Jrrthum, wenn er S. 141. Anm. °° behauptet: ,,Da ihm von keiner Seite (über seine Ansichten) ein Widerspruch, geschweige eine Widerlegung zu Gesichte kam, so dürfe er ohne Anmaßung (?) dieselbe als richtig ansehen und sei verpflichtet, demgemäß zu lehren." Der Vers, nimmt hiermit dew talmudischen Satz^— trotzdem er S. 133. dem Talmud jede Autorität als Religionsquelle abspricht — sw kwrN2 Np'rnv, „Schweigen ist gleich Beistimmen" für sich in Anspruch; aber dann hätte er die talmudische Ehrlichkeit haben sollen, ihn nur da gelten zu lassen, wo keine NP7N, Befltztitel, ihm entgegensteht. — Wäre Israels Religion erst noch zu finden und Jemand behauptete: Dies ist sie, und kein Widerspruch, keine Widerlegung tritt dieser Behauptung entgegen, so wäre er berechtigt, seine Ansicht für die richtige zu halten; aber Israels Religion, seine Lehre von Gott, von der > 35**