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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-08-25 · Heft 35 (25.8.1856) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 35 (25.8.1856)
Date
1856-08-25
Page
Seite 478 (sequence 10)
Language
German
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aufzufindenum ihr chäusliche>S Leben-näher kennen jir lerne«;:-' r/': >$■' : „Ihre Physiognomie ist so wenig Don der der^ europäischen Juden verschieden, daß sie, in europäische Kleidung gesteckt, nicht als geborene Orientalen auffallen würden; so wenig ist Klima und Gesittung im Stande, den ursprünglichen: Gesichtsausdruck dieses Stammes zu beeinflussen! — Hier wie dort dieselbe nervöse. Beweglichkeit des. Körpers» - Der Perser gesticulirt nicht beim Sprechen, der Jude thut es. Der Perser läßt sich zum Reden Zeit und spricht ungemein deutlich; der Jude spricht schnell, mehr aus der Kehle alsaus der Brust 'undverschlingt Silben. Der Perser hat keinen Zischlaut in seiner Sprache; der Jude hat immer die Zunge zwischen den Zahnen und spricht das s regelmäßig wie das englische th aus» Zur Erklärung dieses Phänomens erzählt mir ein hier eingeborener jüdischer Galen-Praktikus das auch in Europa bekannte Märchen mit dem Becken glühender Kohlen, an welchem sich das Moseskind Hand und Zunge verbrannte. — Sie heirarhen mehrere. Weiber; ernähren sich vom Handel, betreiben hie und da kleine Eisenschmieden, Gold-und Silberwerkstätten; gehen mit einem Sack unter dem Arm hausiren >: rufen: „Zeri zerore!"; u; s. w. d. h. „alte goldene Treffen! " schmelzen diese einmachen BrandgolL und Brandstlber; erzeugen Wein- Branntwein unv Spiritus; essen Kuhfleisch, auch den Hintertheil des Thieres, während der Perser in der Regel meist nur Lammfleisch genießt, die ^sch-lech te ften Melonen und Kürbisse, so wie überhaupt die'elendesten Rückstände des Obstmarktes.- Der Perser, selbst der ärmste ist in i Anzug und Bartwuchs stets sauber und-elegantder Jude kleidet sich wohl ebenfalls persisch, geht aber, selbst der reichere, immer schmutzig und zerrissen einher, rasirt sein: Haupt gleichfalls, jedoch mit Ausnahme der Scheitel- und Schlätengegend, von wo das. Haar in ungepflegten Ringellocken herabfällt. — Ihre Wohnungen zeigen durchaus tieft Armuch und Verwahrlosung; den Eingang bildet meist ein zum Verrammeln geeignetes Loch, doch sollen einige derselben innen elegant ausgestattet sein." In einem einige . Monate später datirten Schreiben lesen wir Folgendes: . „Gelegenheitlich einer in einer hiesigen Judenfamilie gemachten Operation konnte ich weitere- Detailnachrichtensammeln. Es leben hier in Teheran bei 300 Hainilien^! Ste Vevbächtest die in vMorthodo^ reO Provinzen Eüwpas!W Uebung befindlichen Rib ruälgesetze bis auf'chaSl Kleinste ntttr großer Gewissenhaftigkeit. Testlitt >> Mesusa, Talith, Arbä-Kanfoth ststd, nur letzteres itwas ftltener, überall im Gebrauchs Beim Schlachten: deS VieheS dasselbe ftreNße Wkeö ..moniell- - nur daß die Auslösung des Hüftnerven den Weibern zu Hause überlassen wird, daher der > allges Meine Genuß des Hintertheils. Die Kapora wich auch hier sehr in Ehren gehalten. — Sie nehmen mehrere Frauendoch sind die Weiber keineswegs-.so streng abgeschlossen wie bei den Muselmännern^ Sie kennen nur die Mischna, aber nicht den Talmud; und die zum Gebetewie zu Studien nöthigen Bücher werden aus Livorno bezogen. — Am Sabbath wird ein Abschnitt aus dem Pentateuch inder Ursprache, jedoch die Haftorah in persischer Sprache gelesen. Dieser. Gebrauch schreibt fich noch aus den alten Zeiten her, - wo die Mosesbücher.- fehlten,'oder ihre öffentliche Lectüre untersagt war und man sich daher genöthigt fandetwas Analoges aus dem Propheten in vernaeul» zu lesen. Die ununterrichteteten Juden sprechen' auch hebräisch, welches sie s'phardifch aussprechen, und dieser Gebrauch ist es, der auf ihr persisches Idiom so störend einwirkt. — Der syriakische Dialekt des sogenannten I'arguw Onolos wird von den Chaldäern., d. i. nestorianischen (prvtestautischen) Christen, die am Urumiasee und in Kurdistan verbreitet sindallgemein gesprochen.;-.uov? ,-Die größten Judengemeinden sind zu Hamadanj Jspahan; Kaschan, Kermanschab. In Kurdistan sind sie überall einzeln versprengt. Auch in Senns ist eine größere, in Demavend eine'kleinere Gemeinde. — ZiN Städtchen Rhs so wie in Hamadan treiben sie Go^dwäscherei; sie verstehen sich auf Edelsteine-und sind ziemlich gute Goldschmiede; in Kurdistan treiben-'sie häufig Viehzucht.- Sie verheimlichen, wie seit jeher die orientalischen Juden, ihr Besitzthum uttd hüllen sich in Lumpen. Aeußerst selten ist wirkliche Brötnoth unter ihnen; man sieht meist gut genährte und wcchl gebaute Gestalten; jene Gravität und Amnuth, die jede Bewegung und Geste des Persers kennzeichn net, geht ihnen hingegen völlig ab. Ueberlritte zuM Mohamedanismus sind äußerst selten, doch kommen sie auch vor. Montesiorp hat hier Verbindungen uni! Einfluß , und von Zeit zu Zeit schickt er Bücher und' Nachrichten hierher."

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