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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-08-25 · Heft 35 (25.8.1856) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 35 (25.8.1856)
Date
1856-08-25
Page
Seite 475 (sequence 7)
Language
German
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475 Heyr-,untz„fMMPublikums, Mehpj qlsi - siees' an sich v^dien^ -erregt, daß.ghAen, geehrter Herr Redacte.urfolgende^ kleiner,, w a h r h e i t s g e t re u.e r Bericht.nicht unwjllkommey sein.dürfte.^ Sie wissen aus-früheren Berichten,- daß.der ehrsameMorstand zu .Leipnik hübsch gelassen..und, .bedächtig-hierin -zu - Werfe zugehengedenH u^:«;hat nach.einer neunmonqtlichen Vacanz in., ,ei^e^^ Plenarsitzung am -Osterfeste den - heroischen Entschluß .gefaßt, vorläustg die Sache ruhen zu lassen,,^unH Mahlte' blos ein Comite, welches inzwischen mit.. Muße-die nöthigen Schritte und Verhandlungen nnbahnen soll^ Als Richtschnur.und Maßstab jbei der Mahl, ^der Kandidaten wurde demselben aufgetragen, vorzüglich auf Rabbiner der altern Schule, -die" rühmlichst-bekannt als Talmudgelehrt.e, im.alten Sinne des Wortes p^ptnaii öbp, ■’pm pnti, und; als Preh i g,e,r:und H,o m i l e t e n sind, sein Augenmerk zu richten /und mit denselben sich in, Correspondenz zu setzen. Da^j Cpmite wußte sich her schwierigen Aufgabe nicht besser^zu ,enttedLgen, als sich an die Herren Rabbiner Rapoport in Prag, Schwab in Pesth, Placek in Boskowitz zu qdressiren, um sich solche talentirte Candidatey, groß in der pilpulistischen Klopsfechterei und in der Kunst des Demosthenes, aus dem großen österreichischen Vaterlande Vorschlägen zu lassen. Mit Spannung sah . man nah und, fern den Antworten der geehrten Rabbiner entgegen, da Jeder neugierig war, das glückliche Land kennen zu lernen, wo solche Geonim blühen. . '^.Ihrerseits waren die befragten Gelehrten nicht wenig .perlegen,, w.ie sie sich der bescheidenen Anforderungen.ches Leipniker Comites. entledigen sollten. Allein merkwürdiger Weise suchten alle drei.durch ein Hinterpförtchen. zu entkommen und der Verlegenheit glücklich, zu^ entschlüpfen. — Ein Schelm giebt mehr als ^r hat! — Herr Rapoport schlug vor den Rabbiner B. Oppenheim in. Eibenschitz (Vater des Rabbiner D. Oppenheim rn Jamnitz), Herr Placek den Rabbiner I. Frankfurter m Triesch , Herr Schwab den Rabbiner aus .Werbo u. s. w. .Wer schildert die curiose Nell erraschung der Gemeinde, als die drei Briefe, die gar nicht lange auf sich, warten hießen, ankamen .und die Namen der vorgeschlageuen Candidaten bekannt wurden! Der-Eine erwartete z. B. von Rapoport berühmte Namen aus dem Polenlaflde, vielleicht gar aus Kamtschatka, der Ändere eine unbekannte Größe ^N-dep Mofdgu , ^auf. den- .Karpathen u. dgl. — Der- .gebildetere Theil der Gemeinde -betrachtete daS Ganze als eine feine Ironie auf die etwavermessenen Ansprüche und der hochweise Vorstand beschloß/ die-Briefe aus Achtung-gegen die geehrten Schreiber-all yots zu legen. . Nun will das Comits, gleich Diogenes mit der Laterne, selbst, den rechten Mann suchen und Ihr Correspondeyt aus Galizien hat demselben die Reise dahin erspart, da es daselbst wohl -ipv aber wenig tüchtige Seelenhirten giebt. — — Dem - fernen Bewerber dürften die Notizen über Leipnik erwünscht sein, vLeipnik ist eine ordentliche, aber arme Gemeinde von ungefähr 250 Familien. Der Gehalt des Rabbiners ist 500 Fl.; Synagoge passabel; aber die Schule verdient den Namen nicht! Das Schulwesen ist daselbst am schlimmsten bestellt, wie nirgends mehr in. Mähren! Ein großer Theil der Jugend besucht die-Trivialschule Und die HauptschuU am Kloster der Piaristen. Uebrigens herrscht daselbst viel Bigotterie, aber wenig wahre Religion, viel Halbwissen und wenig Bildung. Bon der westgalizischen Grenze. IN. Brief. Ende Juli. Wahrhaft bemitleidenswecth ist der Zustand der Heranwachsenden Jugend. Von Erziehung kann bei so bewandten Umständen natürlich nicht die Rede sein. Die Kinder wachsen heran wie ihre Eltern herangewachsen sind, in derselben geistigen Versunkenheit und Indolenz, und bleibt Alles der lieben Natur und dem Selbsterhaltungstriebe überlassen; von Veredelung und Bestrebung, sie der Ebenbildlichkeit Gottes würdig zu machen, ist keine Spur. Davon kann sich jeder Fremde, der in Galizien reiset, überzeugen. Kaum verläßt er das Hotel, um sich in den Straßen der Stadt zu ergehen, sieht er sich schon von jüdischen Bettelknaben umringt, die ihn mit: „Bitte, Herr Leben, schenken Sie mir Etwas" anreden, und wehe ihm, wenn er beherrscht von Mitleid, oder angeregt von dem Wunsche, freie Passage zu gewinnen, nach seinem Portemonnaie greift, sogleich umtoset ihn ein Rudel brummender und heulender Sansculottes .Den Pfad ihn sperrend und schnaubet Geld Und hemmet des Wanderers Schritte Mit lauter und drohender Bitte. — ' Aus dieser peinlichen Lage kann er nur durch ein Losegeld von einer Handvoll kupferner Scheidemünze, die.er in die Masse hineinwirft, oder durch die zu-

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