Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1856)
- Date
- 1856-08-25
- Page
- Seite 472 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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472 mitte von dem Wohlwollen eines Launenhaften und eitlen Weibes abhängig. Und für ein solches Elend wollt Ihr Propaganda machen? -7- Ich glaube die Wahrheit gesagt zu haben und sehe dafür Schmähungen ruhig entgegen. Löwenstein. Auö der Provinz Posen, Ende Julü (Privatmitth.) In Rogasen ist eine Missionsschule eingegangen, in Gnesen dafür eine neue, errichtet worden. Im ganzen Großherzogthume eristiren jetzt 10 solche Anstalten, an denen 11 MissionairealsLehrer angesiellt sind, und zwar in Posen, Obornik, Kempen, Jnowraclaw, Gnesen, Margonin, Sandberg, Erin, Storchnest und Schlichtingsheim. DieKempener Missionsschule ist zweiclassig und hat zwei Lehrer. Früher gab es auch in Bomst eine Missionsschule, welche jedoch seit einem Jahre zu eristiren aufgehört hat. Missionsprediger sind in der Provinz Vier angestellt, und zwar zwei in Fraustadt, einer in Posen und einer in Gnesen. Bei dem am 1d. M. zu Bromberg stattgehabten Begräbnisse des Bürgermeisters Heyne wurde in dem feierlichen Zuge, welcher dem Sarge folgte, inmitten der Geistlichkeit auch der Rabbiner Di*. Gephard und unter den verschiedenen Deputationen der amtlichen Collegien auch eine des jüdischen Gemeindevorstandes bemerkt. — In Pinne waren Ende vorigen Jahres unter 2247 Einwohnern 740 Juden und unter 518 schulpflichtigen Kindern. 145 jüdische, welche in zwei Claffen von zwei Lehrern unterrichtet werden. Rechnen wir auf die erste Classe 40 Kinder, so kommen auf die zweite über 100 — eine Uebervölkerung, wie sie leider! in allen Unterclassen unserer Schulen angetroffen wird. Ja, es giebt bei uns sogar jüdische Schulclaffen mit mehr als 130 Kindern. Die Arbeit deS Lehrers bei solcher Schülermaffe. kann man sich denken. Und wie sind diese Lehrer gestellt? Wenn mancher von ihnen in diesem Jahre der Roth und Theuerung nicht zu Grunde gegangen, so war dies ein Wunder Gottes. Man hat zwar da und dort sogenannte Teuerungszulagen gewährt; doch von der Höhe (?) dieser Gnadengeschenke lassen Sie uns lieber schweigen. Ein Correspondenzartikel, den die P. Z. neulich aus Rakel brachte, hat uns wieder einmal an das bekannte „Lau meduwschach Vlau me-ukzach“ erinnert. Derselbe drückt Freude darüber aus, daß in Rakel die .Zahl der Ortsarmen kleiner sei als in den meistenandern Städten mit gleichen BevölkerungSverhältniffen und lobt namentlich die Juden, welche — wie er sagt — „immer zwar gern verdienen, aber auch wiederum verdienen lassen." — Hieran knüpft der Correspoüdent aber noch folgende Bemerkung: „Gerade die jüdischen Kaufleute, wenn auch sonst Jeder in ungünstiger Zeit mit dem Abschlüßen, namentlich z. B. bei Getreidekäufen, zögert/ kaufen hier gewiß, sie wagen immer, und glückt das Geschäft, dann lassen sie auch ihren Arbeitern nichts fehlen und bezahlen in der Regel durchaus zufriedenstellend." . '■’ 7; ' / , . Aus der Provinz Posen, 1. August. (Privatmitth.) Unter der Leitung deS Buchhändlers Peter Lippmann besteht in Posen seit fünf Jahren ein jüdischer Töchterverein, dessen Tendenz es ist, für die Erziehung armer Waisenkinder weiblichen Geschlechts zu sorgen. Im verflossenen Jahre wurden vom Vereine fünf Mädchen verpflegt und für jedes derselben außerdem noch 15 Thlr. zum Aussteuerfonds festgesetzt. Die Einnahmen des Vereins (welche im vorigen Jahre über 500 Thlr. betrugen) stoffen zwar größtentheilS aus den laufenden Beiträgen der Mitglieder, außerdem aber auch aus Geschenken, Legaten und einer Lotterie, welche von Zeit zu Zeit von den Vereinsvorsteherinnen-veranstaltet wird. Für den kommenden Herbst wird. Seitens der Letztem wieder eine solche Lotterie (Ausspielung weiblicher Handarbeiten) zum Besten des Instituts vorbereitet. — Inmitten der Gemeinde Liffa ward am 27. v. M. eine Frau zu Grabe getragen, deren Leben ein fortgesetztes Neben von Menschenfreundlichkeit und Wohlthätigkeit gewesen, und deren Tod daher auch in allen Theilen der dortigen Bevölkerung innige Theilnahme hervorgerufen. Die Verewigte, — Frau Sara Moll, Gattin deS auch in weitern Kreisen bekannten Kaufmanns Abraham L. Moll (man konnte hier mit Recht fagm: „wajowau Awrohbm lis’paud l’Soroh V Jiwcaiisch“ — 1 B. M. 23, 2.) — war eine Tochter des göttseligen Rabbi Chgim Auerbach, welcher sowohl in Polen, wo er eine lange Zeit (namentlich in Lezyc) als Rabbiner fungitte, als auch in unserer Provinz durch seine außerordentliche Frömmigkeit wie durch sein ausgebreitetes und gründliches talmudisches Wissen (wovon ganz besonders sein hinterlaffenes Werk „MvrroimisebM" ein Zeugniß ablegt) eine seltene Berühmtheit erlangt und einen nicht so bald zu verivi-