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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-08-18 · Heft 34 (18.8.1856) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 34 (18.8.1856)
Date
1856-08-18
Page
Seite 459 (sequence 5)
Language
German
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versendet zu sehen, nachdem der tarifmäßige Abzugszoll von 15 Fl. an die hiesige Stadtpfarre erlegt würde!! - Wie rührte *8, nicht jedes für ächte Religiosität noch empfängliche Gemüth, als Se. Majestät der König von Preußen jüngst auf seiner Durchreise nach Marienbad den Wagen verließ, um zu Fuße die im vorigen Jahre hier erbaute, von der Stadt entlegene evangelische-Kirche zu besuchen. — Doch wie traurig! wie viele Hundert sogenannte Börsen - Könige jüdischen Glaubens leben hier Wochen und Monate hindurch, ohne gar daran zu denken, ob die Religionsgenoffenschaft, zu der sie gehören , eine des Gottes, den sie anbeten, würdige Verehrungsstätte hat oder nicht, und ob für die Mitglieder dieser Religionsgenossenschaft ein Plätzchen anberaumt ist, - wo sie nach Vollendung ihres dunklen Erdenganges ihr müdes Haupt hinzulegen im Stande find. , Wie könnte nicht ein nur irgendwie-begabter Redner auf die Gemüther seiner Zuhörer hier einwirken; hier, wo der Mensch von den gewöhnlichen Plackereien und Geschäftssorgen des Lebens befreit und entfesselt und im Bewußtsein seines körperlichen Siechthums nur sich, nur der Natur und seinem Gotte lebt. Wie praktisch klug haben daher die andern, nicht zur herrschenden Kirche gehörenden Confesfionen dafür Sorge getragen, während der Sommermonate tüchtige Kanzelredner zu gewinnen. Wie sehr find daher die evangelischen und englischen Bethäuser während solcher Vorträge selbst von jüdischen Besuchern gedrängt voll. Aber das Hiesige allzusparfame Synagogen-Curatorium ist nur darauf bedacht, möglichst viel Spenden von den Besuchern des Gotteshauses zu erlangen, ohne dafür Sorge zu tragen, für die Sommermonate irgend einen Kanzelredner oder musikalischen Vorbeter aus den nächstgelegenen Gemeinden zu engagiren; wo jedoch, wie es das Beispiel Leipzigs zur Genüge darthut, die gemachten Auslagen durch den häufigern Besuch der Religionsgenossen reichlich verzinst hereingebracht würde. Doch ich habe vielleicht schon zu viel tauben Ohren gepredigt. Die Thejlnahmlosigkeit für jüdische Interessen ist hier so sehr unter dem Gefrierpunkte, daß an den Leseorten und jüdischen Restaurationen eines Curortes, wo mehr als sausend Juden sich befinden, keine einzige jüdische Zeitschrift, und nicht einmal die Allgemeine Zeitung des Judenthums zu finden ist. Mögen jedoch alle Diejenigen, welche zur Abhülfe dieser Uebelstände irgendwie beitragen können, und durch ihren Einfluß und ihre Stellung dazu berufen, find, beim Durchlesen dieser Zeilen die Versicherung hinnehmen, daß der Schreiber derselben ohne alle Nebenabsicht und Selbstinteresse, blos vom Ernst und der Wichtigkeit der Sache durchdrungen, den Gedanken und -Worten mehrerer hier lebenden gleichgesinnten Glaubensgenossen einen Ausdruck gegeben^ hat. Mögen diese Zeilen die angehoffte Wirkung nicht verfehlen! S i m o n B a ch e r. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Von der Unlerweser, im Juli. (Privatmitth.) Wenn die mittelalterliche Ausschließung der Juden Gottlob in unseren Tagen im civilistrten Deutschland zur großen Seltenheit und Abnormität geworden, so darf Bremerhafen noch auf diese seltene Auszeichnung Anspruch machen. Es wird aber diese auffallende Erscheinung um so größere Bewunderung verdienen, da dieser Ort, abgesehen davon, daß er als Freihafen und gewissermaßen als Vorhafen Amerikas, und in der neuesten Zeit, vor kaum drei Jahrzehnten entständen, am allerwenigsten solche Intoleranz erwarten läßt, selbst durch < das erfreuliche Beispiel seiner Mutterstadt, des einst wegen seiner Erclusivität so bekannten Bremens, daS bereits seit 1848 unseren Glaubensbrüdern gastfreundlich seine Thore geöffnet, nicht belehrt worden ist und noch immer mit unbezwinglicher Consequenz bei seiner consessionellen Absonderung zu beharren scheint. Man würde indeß unrecht thun, wenn man von dieser, hauptsächlich in den Localverhältniffen begründeten Inhumanität auf den Geist der Bewohner selbst schließen wollte, der vielmehr sowohl im Allgemeinen als auch namentlich den hier auS den benachbarten Orlen sich aushaltenden Israeliten und namentlich den jüdischen Auswanderern gegenüber als ein wohlwollender und vorurtheilSfreier sich kund giebt. Die Letzteren, die der Mehrzahl nach indem gekannten Auswandererhause Unterkommen finden, haben sich daselbst, so wie sämmtliche Passagiere, der freundlichsten und aufmerksamsten Behandlung zu erfreuen, und soll man von Seiten der Verwaltung darauf bedacht sein, so wie für die christlich-religiösen Bedürfnisse durch Herstellung einer eigenen Capelle, Anstellung eines Geistlichen rc. gesorgt ist, auch einen besonderen jüdischen Gottesdienst unter Leitung deö Landrabbiners Pr.

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