Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1856)
- Date
- 1856-08-18
- Page
- Seite 458 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Lage-keinen nAiHL' zu sehen bekam, so daß durch die Verschlimmerung seines Zustandes er den Curort verlassen mußte. Uebrigens Märe auch etwas weniger OekoNomie in der Verköstigung zu empfehlen, 2^2112 >>22 0^52, wie es gewöhnlich die hier aüfgenommenen jüdischen Patienten find, können die Anforderungen ihres Magens unmöglich mit einer magetn Milchsprüdelsuppe befriedigt erklären. Da die Direction der Anstalt, an deren Spitze gegenwärtig hochverdiente Männer stehen , immerfort in Prag ist, so ist es derselben wohl unmöglich-, genaue Einsicht in die Verhältnisse zu nehmen. Es wird daher gewiß blos dieser AndeutüNgen bedürfen, um die Abhülfe dieser Uevelstände herbeizuführen. Tief zu beklagen wäre eS allenfalls, wenn ein so heilsames, durch die Beiträge des gefammten europäischen Judenthums gegründetes Institut durch den Rangstreit und die Eifersüchtelei der an demselben angestellten, sonst verdienstvollen Aerzte zu Grunde gehen müßte: Ein voN weit nachtheiligern Folgen begleiteter und . von säMMtlichen hier weilenden Israeliten tief empfundener Uebelstand ist der Verfall eines andern nicht minder wichtigen und heilsamen Institutes, nämlich der mit dem Hospitale zugleich gegründeten Synagoge. Wer an einem Sonntage die schmucken Gassen des Curortes durchschreitend, die Angehörigen der verschiedenen christlichen Confesstonen festlich geschmückt und mit Gebetbüchern versehen, zu ihren Kirchen und Bethäusern hineilen steht, um dort mit wahrer Andacht dem Herrn der Welt für die in diesen Heilquellen wiedergefundene Gesundheit zu danken, andererseits aber an einem Samstage während der gewöhnlichen Stunden des jüdischen Gottesdienstes die vielen hundert Bekenner der jüdischen Religion zwar geschmückt und geputzt, aber gähnend, witzelnd und medifirend vor den Casts und auf den Promenaden herumschlenkern Und herumlungern sieht: dem wird wahrlich keineswegs der Ausruf entfahren: „vs qn nrn -bnan ■nan 11221 ü2n." (Sr wird vielmehr, einem klagenden Jeremias gleich, auf den Trümmern seines gebrochenen Herzens über das Hinsterben und Erlöschen jedes religiösen Gefühles in Judäa mit tiefster Betrübniß seufzen und trauern. Gleichzeitig mit dem im Jahre 1847 gegründeten Hospitale würde zwar auch ein kleines bescheidenes Bethaus errichtet, welches für die damaligen Verhältnisse wohl hinreichte , bei der gegenwärtig durch die erleichterten Communicatrottsmiktek vergrößerten Frequenz des Curortes feinem Zwecke jedoch kaum entsprechen dürfte, indem es bei einer ärmlichen Ausstattung mit Inbegriff der parterre befindlichen Frauenabtheilung kaum 100 Sitze enthält. Was aber um so trauriger, selbst diese wenigen Sitze sind zur Hälfte leer, und hieran ist allenfalls blos die Verwaltung oder vielmehr die Verwaltungslostgkeit der Synagoge schuld.— Da wird der Gottesdienst noch so ganz artig-12212 wie in dem entlegensten Ungarns oder Galiziens abgehalten, mit dem einzigen Unterschiede, daß möglichst Viele zur Thora gerufen werden, um möglichst viel Spenden zU erlangen, wo daher die endlosen Ö21218TB dem Besucher eine Tantalusqual sind. — Der Vorbeter, ein die ganze Woche handeltreibendes Jndividuüm, hat nebst der Geschmacklosigkeit seines-Vortrages kein anderes Verdienst,- als daß er das Vorbeteramt gratis verrichtet, und dem oft Lachen erregenden Singsang einige selbst erfundene Schnörkeleien hinzufügt. Was ist daher natürlicher, als daß jeder nur irgendwie Gebildete von einem Gottesdienste fern bleibt, der allen Regeln der Msthetik-Hohn spricht.. . Aber auch Solche, denen das „Schulgehen" am Sabbath Gewohnheit und Bedurfniß ist, entziehen sich dem Gottesdienste, indem das taktlose Sparsystem der Verwaltung sie aus demselben verscheucht. Bezeichnend ist die Antwort, die mir jüngst ein Bekannter, ein ftommer, eingefleischter Schulgeher aus dem Innern Ungarns, auf meine Frage gab: warum er die Synagoge nicht besuchet — Was sagte er? Ein Gotteshaus, wo ein Richtjude das *i2, die Synagogenlampen und dio Sabbathlichte anzündet, ein solches Gotteshaus werde ich eben so wenig besuchen, wie ich nicht die Thoravorlesungen aus einer Gefetzesrolle anhöre, wo ein Nichtjude die riivn und umhängt. — Die Antwort ist wohl naiv genug, aber hinlänglich hezeichnend für die taktlose Sparsamkeit des Synagogen - CuratoriumS, indem dasselbe den christlichen Hausmeister des HospitalS zugleich zum Synagogendie^ ner benutzt. So wäre es auch jetzt ein Leichtes, einen eigenen jüdischen Friedhof zu erlangen, da die Friedhossangelegenheit aller Akatholiken jetzt geordnet wird. Trotzdem hatten wir hier vorige Woche das schaudererregende Schauspiel, eine plötzlich verstorbene Mauensperson ohne Sang und Klang, ohne Sterbegebete und Geleite, einem Frachtgute gleich, nach den; meilenweit entfernten Süthenstadt