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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-08-11 · Heft 33 (11.8.1856) · p. Seite 447

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 33 (11.8.1856)
Date
1856-08-11
Page
Seite 447 (sequence 7)
Language
German
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447 dessen erforscht werden soll, ob der sich convertirende. Jude es aus Ueberzeugung oder um äußerer.Vortheile willen thue..-Bekanntlich hat das Judenthum von jeher die Profelytenmacherei ernst von sich gewiesen und den Uebertritt aus äußeren Motiven geradezu verboten. Man konnte und kann also auch hierin vom Judenthume lernen. .Wenn nun eine kleine Zahl convertirter Juden nach diesem Schritte sich olß, eifrige Christen geriren, so kann.man von der Mehrzahl, sagen, was die Freunde Schillers von diesem erzählen: er habe nach dem Acte der Trauung niemals wieder eine Kirche betreten. Diese Leute.sind nachher eben, solche Christen, wie sie vorher Juden waren; ihre Eristenz ist der Religion, deren Namen sie führen, nur eine Last und böses Beispiel. Rechnet man hierzu den „zerfressenden Verstand", der solchen Subjekten von Juden innezüwohnen pflegt und der mit dem Heiligsten Spott zu treiben sich geneigt fühlt, um den Gewinn bemessen zu können, den die Kirche an ihnen erwirbt. Können wir daher jene Berathungen evangelischer Geistlichen nur billigen , wenn sie ernstlich dahin streben, die Religion nicht mehr zu einem Gegenstände des Schachers und der Leichtfertigkeit zu machen: so müssen wir sie darauf aufmerksam machen, daß ihre Berathungen und alle ihre Beschlüsse und Maßnahmen ohne die Verwirklichung voller bürgerlicher Gleichstellung nur eitel, nichtig und Schein sein werden. . Denn so lange der Staat selbst auf den Uebertritt die großen Vortheile voller bürgerlichen Freiheiten setzt, hat er für den überzeugungslosen Uebertritt die höchste Lockspeise ausgestellt. Zeitmrgsnachrichte«. Oesterreichischer Kaiserstaat.; Aus der Bukowina, im Juli. (Prlvatmitth.) Will man versuchen, das geistig-religiöse Leben der bukowinaer Israeliten nach dem Vorbilde Galiziens darzustellen, so stößt die Hand des Bildners aus ein Chaos, das ihr entschlüpft und ihn in Verlegenheit bringt. In Galiziens bedeutendern Städten unterscheidet der Beobachter drei Religionssecten. Die Secte der Traditionsgelehrten (v^id),- die Secte der Frommen (o^ron), und die Secte der Aufgeklärten (DWipis«), die mit der Leidenschaft von Parteien an ihren Systemen hängen und dieselben verfechten. . - Dem Traditionsgelehrten ist der.Talmud in.seiner Totalität Offenbarung Gottes auf dem Berge Sinai — und das Studium desselben Zweck/des Daseins. Vom frühestem . Alter bis zum Grabes arbeitet er. sich an den demselben zu Grunde, gelegten Principien unausgesetzt ab, und! giebt ihnen>die weiteste Ausdehnung^ Im Verhältnisse , zu - diesem ist ihm . die . heilige Schrift von secundärerBedeutung,.und. er widmet nur demjenigen TheileDerselben. leidliche Beachtungrdey der Talmud zum. Stützpunkte seiner. Gesetze. macht. Der Talmüd ist ihmder Inbegriff alles.. dessen, was je der Geist, in seinen, erhabensten Aufschwüngen, was je Wissenschaft, Kunst und Religion errungen, under hält dieses Flammenschwert , gegen alle- und jede- Anforderung eines auf der Höhe der Intelligenz. stehenden Zeitalters. — Eine Fraction von ihnen studirt mitunter die Schriften der sogenannten Forscher hauptsächlich die des großen Maimonides, er gewinnt aber nur da ihren Beifall, wo er als geistreicher Ausleger der talmudischen Satzungen auftritt, reißt ihn jedoch der Geist der. Philosophie hin, in Etwas abzuweichen, so schützt ihn seine umfassende, unübertroffene Schriftgelehrsamkeit nicht vor heftigem Tadel und Verketzerung. Beiden reicht das Studium und die gewissenhafte Befolgung der bis ins Kleinlichste gehenden Vorschriften des Talmuds und seiner Commentare für alle Fälle des zeitlichen und ewigen Lebens vollkommen hin, und sie negiren hartnäckig die Eristenz und Notwendigkeit des Fortschrittes.. — , •„ Der Fromme hingegen betrachtet die unablässige Talmudforschung des Traditionsgelehrten als zu reell, gleichsam als irdische Fesseln, die für das Kindesalter der-Auffassung des Erhabenen berechnet sind; — er schwingt sich kühn in die Himmel mittelst zweier geistiger Stufen, des Betens und der Kabbala. Er betet mit großer Hingebung, ja mit Begeisterung, nicht ohne nachdem er den Körper von allem Irdischen gereiniget, und wähnet, in. unmittelbaren Verkehr mit den Engeln, ja in das Allerheiligste Gottes selbst zu treten, — weil die Kabbala in jedem Vers, in jedem Wort, ja in jedem Buchstaben der Bibel — also mittelbar der Gebete — die Pamen Gottes und seiner Heerscharen in tausendfachen Variationen, Verknüpfungen und.Zahlen, und die Mittel und Wege, in ihre Nähe zu gelangen, sucht, findet und anweiset. 7— Jene einfach - erhabenen göttlichen Lehren der heiligen Schrift, ihre historischen Wahrheitenihre poetischen Schönheiten gehen an seinem starren, in

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