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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-08-11 · Heft 33 (11.8.1856) · p. Seite 445

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 33 (11.8.1856)
Date
1856-08-11
Page
Seite 445 (sequence 5)
Language
German
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* 445 ihre Kinder durch Privatlehrer unterrichten lassen und, wenn auch mit widerstrebendem Herzen, in die protestantische Misfionsschule schicken, um z. B. die Landessprache, - Englisch oder Französisch erlernen zu lassen. Heimlich geschieht dies selbst von einigen Pharisäern („Perusch im")' Wir wollen durch Nennung ihrer Namen sie dem Zorne ihrer Gleichgesinnten oder der Entziehung von'Almosen nicht preisgeben. Die sephardische Gemeinde — in welcher eine bedeutende Anzahl österreichischer Unterthanen — vereinigte sich mit Herrn vr. L. A. Frankl zu einem Schulprogramme, welches gegenseitig am 1V. Juni durch Unterschrift und Siegel bekräftigt wurde. Es war nun eine auffallende Erscheinung, wie die entschiedene Minorität, welche noch dazu nicht aus heimischen und nur aus fremden, seit kurzer Zeit eingewanderten Russen und- Polen' besteht, sich alle Mühe gab, das nun einmal Beschlossene zu stören. Eine eben so freche Anmaßung als Einmischung in Verhältnisse eines Staates, der sie mit der größten Gastfreundlichkeit mehr als duldet. . / Wir wollen geneigt annehmen, daß manche Aeußerung, mancher gesprochene Widerstand, manche Demonstration nicht von den Vorstehern, sondern nur von einzelnen jüdischen „Derwischen" ausgegangen ist. Wir führen der Curiosität wegen an: aufreizend geschriebene anonyme Placate gegen die Anstalt an den Häusern der angesehensten Chachamim — nächtlicher Aufruf einzelner berauschter Schwärmer, Klagelieder anzustimmen, endlich die Aufforderung zweier Religions-Berserker, sich an der Westmauer' des Tempels zu versammeln und um Abhülfe der „Geftre" zu beten. Dinge und Scenen, wie sie der edle, aufopfernde Montefiore, der begeistert thätige Alb. Cohn erlebten und erdulden mußten. . ,, Wirklich.kamen vier bis fünf Individuen dahin und störten durch ihr ercesfives Benehmen die Andacht Vieler, namentlich jüdischer Pilger aus Aleppo. -; Die Situation dürfte am besten durch folgende an die Vorsteher der„Aschkenasim" gerichtete Zuschrift des k. k. österreichischen'Eonsuls erscheinen;. sie lautet wörtlich wie folgt: ■ ■ t Vf , ' .;; „Es ist mir die unliebsame Mittheilung vielseitig zugekommen, daßeinzelne Individuen Ihrer Gemeinde gegen die von Frau -Elise von Hertz-Lämel gestiftete Anstalt jur Jerusalem und gegen Herrn Vr. LA. Frankl Opposition machet Weit entfernt, Ihnen.zumuthen zu wdllens was Sit gegen Ihre -religiöse Urberzeugung Haltens mache ich Sie für jede' Unanständigkeit, 'wie jede wir immer geartete Demonstration verantwortlich und, nachdem die Anstalt unter den Allerh. Schutz Sr. Majestät.-des Kaisers von Oesterreich gestellt ist und die k. k. Regierung die Ausführung will, werde ich jede Opposition gegen die Anstalt, jede etwa beabMtigte Beleidigung des Mannes, der sie auszuführen gekommen ist, nach dem-strengen Wortlaute des Gesetzes ahnden. Ich hoffe und wünsche, daß Sie mich nicht in die unangenehme Lage bringen werden, diese meine bestimmte und gemessene Pflicht in Ausführung bringen zu müssen. . Jerusalem, 12. Juni 1856. Pizzomano." Mehrere Tage darauf ersioß folgendes Belobigungs- Decret: „Se. Ercellenz der Pascha von Jerusalem an den Chacham Baschi der Großgemeinde! . . Ich habe vernommen, daß ein Angehöriger des Kaiserthums Oesterreich, ein Ausgezeichneter der.hebräischen Nation, Herr vr. L. A. Franks, in Jerusalem angekommen ist, um eine Unterrichts-Anstalt zu .begründen, in welcher Religion, ^Wissenschaft und Moral gelehrt werden sollen. Ich freue mich , Solches zu vernehmen und daß sich so der Wunsch und Befehl unseres großmächtigen Herrn des Padischas, Schulen zu errichten, erfüllt. Nimm dies zur angenehmen Wissenschaft und Gott möge Dich in seinen Schutz nehmen und Euch Alle behüten. Kiamil Pascha." Während die hohe Behörde des Sultans die Annahme der Anstalt Seitens der Großgemeinde dankend anerkannte, wagten es wieder einige russisch-polnischecherüchtigte Individuen am 14. Juni, die Andacht an der Westmauer des Tempels zu stören, indem sie Protestation und den beliebten Cherem, mit dem schon Sir Moses Montefiore beehrt wurde, gegen die Anstalt aussprachen. Am darauf, folgenden Sabbathtage lasenzwei unmündige Leute in den polnisch - russischen Synagogen -eine Schrift vor> ün der sie zum Nichtbeitritte auffovdwten. In einigen Synagogen wurde ihnen die Vorlesung nicht gestattet; in den vier sephardischen wurden sie natürlich gar nicht versucht. Der österreichische -Consuk, der seine Würde und.Autorität auf diese Weise verletzt fühlte, schritt nun, um seiner wohlgemeinten Warnung Nachdruck zu geben, thatsächlich ein und ließ die Betheiligten vorladen und nahm

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