Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1856)
- Date
- 1856-08-11
- Page
- Seite 444 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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444 Herr Abulasta, umgeben von seinen Chachamim, ihm den Besuch erwiederte. , - Nicht so freundlich sollte der Abend desselben Tages für ihn sein: AlS der Dichter der hebräischen Elegien „nach der Zerstörung" an die Westmauer des Tempels - ging, um, wie dies üblich am Freitag ist, daselbst daS Minchagebtzt zu verrichten- und er von wehmüthigen Erinnerungen und heilig-historischen Schauern erfüllt sein mochte, gesellte sich ein selbst hier wegen ercessiven Fanatismus berüchtigtes Individuum zu ihm mit den Worten: „Wir wollen keine Schute, hier ist heiliger Boden, hier muß Alles beim Alten bleiben bis der Messias kommt; nur er kann helfen. Hier, wo Zerstörung ist, darf nichts gebaut werden." Neugierige hatten sich ihm angeschlossen und begleiteten, ohne ihn jedoch zu beleidigen, unseren verehrten Gast, der ein eisernes Schweigen entgegensetzte, bis zu seiner Wohnung. Während er am folgenden Tuge in der historischen Großsynagoge des R. Jochanan b: Sakai mit allen synagogalen Ehren willkommen geheißen wurde, - ließen einige Fanatiker in der Synagogö Mschkenastm Peruschim" die Thora nicht vorlesen und machten die-Gemeinde auf daS „Unheil" aufmerksam, das ihr durch die zu errichtende Anstalt drohe. Einige Personen begaben sich hierauf zum Chacham Baschi; ihr Sprecher, ein durch Frechheit bekanntes Subject, insultirte den 89jährigen ehrwürdigen Greis mir Worten der Art, daß das „Besdin" einhellig beschloß, den Bann über ihn auszusprechen. Es wird von Männern, welche die Locälzustände zu kennen berufen find, die vielleicht nicht ganz begründete Meinung ausgesprochen, daß hinter den Fanatikern die Misfionsgesellsch'aft, vielleicht nur ein oder ein anderes Vorgreifen des Individuum, derselben stünde, indem jedeS für die Juden hier von Juden gestiftete Institut ihre Zwecke, wenn nicht völlig störe, doch erschwere. Am 2. Juni fand auf Einladung des Chacham Bafchi in feinem Amtslocale die von Dr. L. A. Frankl erbetene Sitzung statt. Ich erlaube mir, Ihnen das ordnungsmäßig zu Protokoll genommene Resultat derselben mitzutheilen. Versammelt waren die Chachamim mit dem Vorsitzenden Cha-; cham Baschi 15, und die Vorsteher je 2 von jeder der sieben hier bestehenden Gemeinden, die wir mit ihren Na- . men und ihrer Seelenzahl hier aufführen: Gemeinde Sepharadim . 3500 - Aschkenäfick „Perufkttt" 770 Gemeinde Aschkenasim „ChafstdiM" 430 - > * ■ ^österreichische" 145 - - „Warschauer" 145 --- - „Chabat" 90 - •. " - „deutsche" - 57 - ■ , - . 5137 : Möge diese Ziffer gleichzeitig als Beruhigung der in verschiedenen Reisehandbüchern irrig mitgetheilten Zahl der Juden in Jerusalem dienen. Nach einer dreistündigen Debatte, deren Details für die religiösen geistigen, sittlichen und Familienzustände Jerusalems bezeichnend und merkwürdig waren, in deren Schilderung wir jedoch dem aufmerksam beobachtenden deutschen Schriftsteller, der uns gewiß seine Reiseerlebnisse schildern wird, nicht vorgreifen wollen, wurde zur Abstimmung geschritten. - Es stimmten gegen die Annahme der Anstalt acht, für die Annahme siebzehn der Anwesenden; unter den Letzteren der Chacham Baschi mit seinem Collegium, als geistliche Behörde der Israeliten der heiligen Stadt, und ein Vorsteher der Gemeinde „Chasfidim" und der „deut-- schen" Gemeinde. Nachdem so die überwiegend große Majorität sich für die Gründung der eben so humanen, als Cultur und Sittlichkeit fördernden, Anstalt ausgesprochen hatte, trug der Vorsitzende auf eine zweite Sitzung am, in welcher von Denen, die zugestimmt hatten und von Herrn -vr. L. A. Frankl ein Programm entworfen und angenommen werden sollte. Um dieses so glückliche Resultat zu begreifen, ist -es nöthig, zu bemerken, daß die sephardische Gemeinde wegen sehr trauriger Vermögensverhältnisse schon vor zwei Jahren zu ihrem tiefsten Leidwesen gezwungen war, ihre Religionsschule aufzulösen und durch Verkauf des für die* selbe -bestimmten Hauses aus drängender Verlegenheit zu Helsen: ■ ■ ■- ■ *’• . - y.-.u wA^' Eine zweite, noch größere gesellte sich hinzu. Wie bekannt, erließ der Chacham Baschi von Konstantinopel bald nach der Veröffentlichung des „Hat" -die gemessenste Aufforderung an alle Chachamim des türkischen Reiches, Schulen zu errichten. Dieser zu entsprechen; fehlen hier alle Geldmittel, und so betrachten sie den hochherzigen Gedanken der Frau Elise von Herz- Lämel als einen -von Gott gesandten, der sie in die Lage fetzt, dem Aufträge und der. Absicht ihrer Regierung entsprechen und zugleich ein Bedürftriß nach Unterricht, lerfüllen zu können. Dieses istunter Vielen so groß, daß sie mit größten Opfern