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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-08-04 · Heft 32 (4.8.1856) · p. Seite 437

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 32 (4.8.1856)
Date
1856-08-04
Page
Seite 437 (sequence 9)
Language
German
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am der Zeit^ daß auch ich -mein obenberührtes BerKrechen erfüye. iu' i'.:-; Aber da kömmt nun wieder die Frage: - Was soll ich berichten? Neues giebt es durchaus nichts und ich muß daher nqlens volens wieder auf die Conferenz-Angelegenheit zurückkommen, um dieselbe vor. unseren deutschen Gläübensbrüdern ins gehörige Licht zu stellen', um so mehr, als man mir von Seiten der Deborah die Aufnahme selbst von sqctischen Berichtigungen in jene Sendschreiben eingeschlichener Jrrthümer verweigerte, so daß auf diesem Wege, auf dem man doch die Sendschreiben nach Deutschland. sandte, der wahre Stand der Dinge nimmer zur Kmntniß unserer deutschen Brüder gelangen konnte, sondern die. Herren in Cincinnati Rechtbehalten müßten; zumal da wir nicht erwarten können/ daß man in Deutschland-alle dahier erscheinenden jüdischen Blätter liest. — , Aus diesen einleitenden Bemerkungen müssen Sie, Herr Redacteur, schon ersehen haben, daß Ihre in Ihren beiden Artikeln über die Clevelander Conferenz (A. Z. d. I. 1855 Nr^ 49. und 50.) ausgesprochene Prophezeiung nur zu wahr geworden: statt des geträumten Friedens ist der Bruch und die Verwirrung im hiesigen Jüdenthume nur noch größer geworden, und die Schöpfer der Platform find wirklich „zwischen zwei Stühlen auf den Boden'' Ke-' fallen"- seitdem sie sich nothgeörungen habmerklärenmüssen. Und hier bin' ich an die Geschichte der ,-offenen Sendschreiben" des Herrn vr. Lilienthäl/ 'und' die mit denselben zusammenhängende „LxpMstiön anll äelsyes ok tke Olevelanä Conference etc.“' des Herrn Di*. Wise gelangt. — Leider muß ich aber' wieder behufs einer persönlichen Erklärung abbrechen. Die unerquickliche Controverse, wie-fie seit Monaten in unseren hiesigen Blättern geführt wird, und woran, wienatürlich / auch Ihr Correspondent Theil nimmt, ist — ich spreche dies feierlichst vor der ganzen Welt aus,— durch die Schuld der Herren in Cincinnati allein eine solch persönliche geworden, daß man keine Zeile mehr schreiben kann, ohne Persönlichkeiten hereinzuziehen, so daß ich Sie und Ihre Leser um Entschuldigung bitten muß, wenn dies auch iw diesem Berichte'der Fall ist. Hier zu Lande ist 'eben Alles, so auch das Judenthüm, noch sehr jung; Und die Jugend weißl nicht immer zwischen Person und Sache zu unterscheiden „sondern läßt fich' hier und da von ihrer Hitze verleiten, auch' mit Kolben drein zu schlagen. Prügelt man fich ja in den Hallen des Pereinigten.-Staaten-Senates! warum sollte man uns Juden-nichtentschuldigen, wenn -wir, gelegentlich mit Worten dreinschlagen? ' Welchen EiNdruÄ die'Clevekander Plqtförm' unter im hiesigen Juden herb orgierufen, habe ich in meinem.'jungsten Berichte aüseinandergesetzt; wie er sich nun seÄd'em wieder 'entwickelt, mußich jetzo mittheilen. Auf weiten der Fortschrittspartei blieb der Eindruck unverändert; entweder, so urtheilte man mit Recht, haben die Herren, die sich bisher als deren Führer gerirten, und als' solche betrachtet werden Mußten, durch Geständnisse,.Widerrufe und Schwenkungen ihr bisheriges Streben Lügen gestraft,' oder sie meinen eS mit dem zweiten Artikel — die Heiligerklärung des Talmuds"— nicht so aufrichtig, als er in seiner Nacktheit'betrachtet, zu vennuthen Grund und Veranlassung darbietet. Weder die stabile, orthodoxe Partei, noch' die der Fortschrittsmänner konnte sich daher zuftieden geben, und beide mußten demnach auf Erklärungen dringen/" ' Da' ich einsah, daß die Proteste mehrerer reformfreundlichen Gemeinden, deren Zweck' eben kein anderer war, als eine solche Erklärung Hervorzurüfen, mit vornehmer Mißachtung und Verachtung behandelt würden, versuchte ich selbst ein anderes Mittel, hoffend, daß Man meinen Absichten, da'ich'stets mit den meisten der Herren auf dem freundschaftlichsten Fuße, ja mit einigen 'in innigstem und vertrautestem Verkehre stand, keine gehässigen Motive unterschieben werde. Um den Bruch nicht zu erweitern, ver- : öffeNtlichte ich zuvörderst den von meiner Gemeinde be-' schlossmen und zu meiner Verfügung gestellten Protest nicht, sondern trat für Herrn vr. Wise, den Präsidenten''und Haüptleiter der Conferenz, gegen die Anklage des insbesondere ihm'" zur Last gelegten Verrathes auf; — erklärte, daß man sich durch die Interpretationen der or-' thodoren Partei zu dieser schweren Anklage habe verleiten r lassen, ohne auf die Gegenerklärungen der. dabei betheiligtm Reformers zu warten;— daß es wohl Ünmöglichssei,' daß eine so große Anzahl von Männern, obgleich das wohl bei Individuen oft der Fall sein kann und auch z wirklich'schön gewesen ist, auf einmal ihre bisher bekannj ten religiösen Ansichten geändert hätten, und ich der sichern! Hoffnung mich hinlgebe, daß deren offene Erklärungen den \ Frieden in der' eigenen Partei wieder hetstellen würde. Man - wollte den von mir hiermit gegebenen Wink in Cincinnati - rncht verstehen, ' und antwortete ausweichend Und' durchaus j Mbefriedigendman antwortete ohne Antwort/ : Aber auch die orthodore Partei schwieg nicht stille. Schlau, wie fie sich' immer zeigt, griff sie' nicht die Her-! ren vr. Wise und Eonsorten aN*, sondern ihre eigenen - Männer, die mit in Cleveland getagt hatten, klagte sie 32

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