Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1856)
- Date
- 1856-08-04
- Page
- Seite 433 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die weiter hiezu einberufenen Israeliten waren: Herr Rabbiner Adler in Oberdorf, Herr Hofagent Pfeifer in Weikersheim, Herr Commerzienrath Kaulla in Stuttgart und Herr K. Marr Erlanger in Buchau. Letzterer wurde nicht unmittelbar durch daö Königs Ministerium einberufen, sondern eS wurde den Israeliten in Oberschwaben der Auftrag ertheilt, einen tauglichen Glaubensgenossen aus ihrer Mitte zu wählen und zur Theilnahme an den Berathungen zu senden. Die-ganze Commission bestand aus drei königlichen, fünf landständischen Commiffarien und den genannten fünf Israeliten. Die Verhandlungen fanden statt in dem Ständehause unter dem Vorsitze des damaligen Herrn Kammerpräsidenten von Weishaar und dauerten bis zum 6. Juni. Obwohl der von der Königlichen Regierung vorgelegte Gesetzesentwurf in dieser Commission berathen wurde, so kam derselbe doch, erst im Jahr 1828 zur Vorlage in die ständische Kammer; sein Schicksal ist bekannt. Was alsdann das Zustandekommen der israelitischen Waisenanstalt in Württemberg anlangt, deren der Herr Verfasser der „Briefe aus Württemberg" S. 59. erwähnt und von der er berichtet : Durch den hochedlen Sinn einiger Israeliten Stuttgarts und auf dem Lande wurde eine Anstalt ins Leben gerufen, die unferS Wissens die erste derartige in Deutschland war. vr. Dreifuß und Di*. Herrn. Kaulla ftif-' teten den israelitischen Waisenverein, der im Jahr 1833 v inS Leben trat. Weitere Förderer des Werkes der rettenden Menschenliebe waren die Familie Kaulla, Benedict, Pfeifer, Dr. Carl Weil, Buchhändler Heß, Rabbiner vr. Maier und noch Viele rc., erlauben wir uns, folgende Berichtigung, gleichfalls aus öffentlichen Acten entnommen, zu geben, indem wir glauben, den Herrn Buchhändler Heß, den der Herr Verfasser der „Briefe" in letzter Reihe aufführt, geradezu als Urheber der Anstalt mit Recht bezeichnen und ihn als solchen der historischen Wahrheit gemäße voranstellen zu dürfen, ohne dadurch den hohen Verdiensten, die die genannten, edlen Männer und Frauen Stuttgarts und auf dem Lande sich in anderer Weise, d. h. durch sehr namhafte. Geschenke, Vermächtnisse rc. um die Anstalt erworben haben, Eintrag zu thun, welchen wir vielmehr unsere vollkommenste Anerkennung in hohem Grade zollen müssen. . Rach den vor uns liegenden Acten hat Herr Buchhändler Heß schon im Monat Juli 1830 einen Plan zur Gründung einer Versorgungsänstalt für israelitische Waisett und verwahrloste Kinder der Königl. Regierung vorgelegt, deren Fonds gebildet werden sollte theilS aus der Privatwohlthätigkeit und theils auS fortlaufenden Beiträgen von der Staatskasse rci In einem an Herrn Heß erfolgten Ministerialerlaß 6. ck. 29. September 1830 Wurde demselben daS Wohlgefallen des Königl. Ministeriums deS Innern für feine wohlthätige Unternehmung zr? erkennen gegeben und ihm zugleich ängedeütet, daß vorerst ein fortlaufender Beitrag von Seite der Staatskasse nicht zugesichert werden könne; daß aber in vorbemerktem Umstande kein Hinderniß liege, die Anstalt vorläufig inS Leben treten zu lassen und daß man auch gegen einen deshalb an die Privatwohlthätigkeit zu erlassenden öffentlichen Aufruf und gegen den Entwurf der Statuten nichts zu erinnern wissen In Folge dieser hohen Entschließung erließ Herr Heß in dem „Schwäbischen Merkur" vom 17; März 1831 einen öffentlichen Aufruf an die Privatwohlthätigkeit, nachdem er sich zuvor mit allen Rabbinen und andern wohlthätig gesinnten Männern im Lande in Correspondenz gesetzt hatte, um diese für die gute Sache zu gewinnen. - : DaS Resultat steigerte schon die Hoffnung auf ein baldiges Zustandekommen der Anstalt. Zu gleicher Zeit aber wendete sich Herr Heß an den bekannten Edelmuth Sr. Majestät unseres vielgeliebten Königs; Und kaum nach wenigen Tagen wurde er mit folgendem Allerhöchsten Königlichen Decret erfreut: „Die Königliche Regierung des JartkreiseS an das Oberamt Ellwangen. Da Se. Königl. Majestät auf die erhaltene Anzeige von der durch den Vorsteher einer israelitischen Lehranstalt, Jsac Heß zu Ellwangen, unternommenen Versorgungsanstalt für israelitische Waisen einen Beitrag von 300 Fl. zu dieser Anstalt aus Höchstihrer Privatkaffe gnädigst verwiüigt und zu dessen AuSbezablung die Königl. HofdomainenkamnSr angewiesen haben, so wird daS OberaA beauftragt, den Jfac Heß dieses zu'eröffnen. Ellwangen, den 15; April 1831. Auf befondem Befehl." *) ■ Diese huldvolle Gnade, womit Se. Majestät un- *) Diefttz Geschenk läßt Se. Majestät Noch jetzt jährlich der Anstalt zufließen. Corr.