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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-07-28 · Heft 31 (28.7.1856) · p. Seite 422

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 31 (28.7.1856)
Date
1856-07-28
Page
Seite 422 (sequence 8)
Language
German
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tüS Israels zu unterscheiden^ - Er gebrauchte Las Gleichniß von Spreu und Weizenjener-die Hülle der nährendeN; Getreidefrucht,' die der kluge -Landmann aüsscheidet und entfernt/ sobald-er den Segen in-die Scheuer gebracht. Der Redner ging noch, weiter und kleidete'feine Anschauung in die bekannte Fabel vom Wandersmanns Und der Sonne. — Der Wandersmann ist Israel/ das! lange --seine- Weltpilgerschaft fortsetzte, dicht gehüllt in den Mantel der Satzungen. — So lange der Sturm der Feindschaft und Verfolgung um sein-Haupt wehte, so lange schritt es dahin, tief verborgen in seiner Hülle. — Je heftiger die Außenwelt, ein unduldsamer Zeitgeist, Haß und Wuth auf Israel einstürmten, desto dichter zog es den Mantel um seine Schultern. — Als abev die Sonne eines milderen Jahrhunderts ihre sanften Strahlen aussandte, da — lüstete sich der Mantel allmählig, - und endlich wird er ganz abgelegt.—- So weit der Redner. -- - Hat Herr vr. Landsberger mit diesem Gleichniß eine Art Glaubensbekenntniß ablegen wollenso: verdient seine männliche Offenheit alles Lob. Wir aber dürfen nicht länger mit dem Bekenntniß zögern, daß die Mehrzahl seiner Zuhörer-seine Ansichtnichttheiln -Was will der Mantel des Wandersmannes Israel sagen? - Ist es das Ceremonialgesetz? — Gott verhüte, daß wir-Liesen-treuen Begleiter unserer Weltsendung von uns werfen, -daß: wir ihn, der uns durch die Wüste des Hasses; geführtnicht mit schöner Pietät mit uns nehmen in das gelobte^ Land der Duldung.- Lieber würdeti wir darauf verzichten/ das gepriesene Land zu betreten, wenn unsere Satzungen es nicht mit Uns betreten sollem Lieber würden mir auf ein schnödes Bürgerrecht verzichten, wenn wir -es um so edlen Preis erkaufen sollten. Israel wird der Weltlichkeit keine Conceffionen machen, wird nach der Hoheit und Würde, die es im Leiden bekundet, keinen unziemlichen Friedenmit dem „Zeitgeiste" unterhandeln und für die; höchsten Güter vergängliche eintauschen. Das eben mag -jene mildere Sonne beweisen, daß Israel auch in besseren'Tagen selbst-um ein Haar breit nicht wankt noch weicht von der scheinbar geringfügigsten Satzung seines Gottes. Diese neue Sonne hat auch dann nicht umsonst, geleuchtet, wenn sie nichts gewesen -ist als eine neue Beweisführung für die Treue Israels. . Oder bezeichnet vielleicht der Mantel des Wanderers die Tradition? Auch diese ist uns nicht verkäuflich um die Gunst einer besseren Zeit. Uns ist die Tradition kein Menschenwerk.. Sie ist uns die, notwendige, genetische Entwickelung und der Abschluß des Gotteswortess sie. ist das glorreichste Zeugniß einer ängstlichen Gewissenhaftigkeit in der Sache - der Wahrheit / beispiellos' unter allen Völkern -der Erde und auch für den, det ihre^innere Bedeutung verkennt, unantastbar Lurch Ihre' Hoheit ütth Majestät. Sie ist auch dawo Mensihenhände sie Lnvhllkommnet haßen/ das endgültige und uUümstößliche Zellgniß solcher Männer, deren ganW Leben Lem Dieüste der edelsten Wissenschaft geweiht war, der Männer, die noch die Flamme des Altares in ihrer Reinheit geschaut und deren Aussprüche noch aus der Anschauung eines Erhabenheit athmenden Cultus wie aus ewigen Lichtesquellen schöpfte. Es ist die Tradition' endlich jene Unterordnung des Menschenlebens unter einen großen Gedanken, jene Vergeistigung und Verklärung des Lebens zum Abstrakten und zur Idee, welche sie selbst in manchem Sinne noch Um eine Stufe höher stellt als das geschriebene Gesetz. Also auch diesen Mantel kann der Wandersmann nicht entbehren/ Oder ist der Mantel der Minhag? Ich göstehe, Lciß dies aus dem Vortrage nicht bestimmt zu Entnehmen war; und eben diese Unbestimmtheit vermehrte die Mißstimmung, welche jene Stelle hervorbrachte. Aber auch für den Minhag wagen wir eine Lanze zu brechen, so lange er als solcher in Bausch und Bogen verworfen wird/ Denn im Minhag spiegelt sich mehr als irgendwie die treue Pietät auch für die letzten der Heiligthümer Israels wieder; und wir wollen ihn nicht ohne Grund beseitigen, wenn wir nicht etwas Besseres haben, das wir an seine Stelle 'sitzen. Ja, eben weil es nur ein frommer Gebrauch und kein Gesetz ist, würden wir schwerem Vorwurf fürchten muffen, daß es für unser gläubiges Gefühl' einer Satzung bedarf, um das Höhe und Heilige zu schonen. Der Minhag ist die Krone, der Gipfelpunkt am lichten Bäu der Wahrheit; und wenn er auch an und für sich nicht unumstößlich ist, so soll er doch der bequemen Weltlichkeit''nicht" geopfert werden. Wohl giebt es Minhagim, gegen deren Aufhebung sich nichts einwenden läßt, und es gießt andere,' deren Ueberschreitung rühmlicher ist als ihre Befolgung — . . . . . . . s eustom More honour’d in the breach, than the observance. (Shakespeare.) aber die Autoritäten des Gesetzes haben niemals einen Minhag anders als mit der größten Vorsicht abgeschafft; und sie haben ihn alsdann nicht abgeschafft, weil es ein Minhag, sondern weil es ein schlechter Minhag war.*) / (Schluß folgt.) ' J '! *) Bemerkung der Redaktion. Wir haben schon zu dem zweiten Wiener Briefe bemerkt, daß wir die darin

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