Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1856)
- Date
- 1856-07-28
- Page
- Seite 420 (sequence 6)
- Language
- German
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4211 Einsichten des Staatsmannes^ Diesem drättgt sich Nothwendig die-Frage'auf: wie -ist es möglich, daß eine so zahlreich^ Bevölkerung unter solchen Verhältnissen nur eristiren fütö Alle Zähigkeit des Charakters,- alle glühende .religiöse Anhänglichkeit vermag' allein diese Frage ihm nicht zu beantworten. Er wird auf die dunkle Schattenseite verwiesen; wo! dem grausamen Gesetze gegenüber die Bestechung des! Beamten das einzige R'ettüngsmittel vor dein Untergängen wird, wd--die Menschlichkeit--und' der Vortheil zu gleichen'Theilen den Beamten dahin führen, den tödtlichen Stachel des Gesetzes dem Unglücklichen nicht einzüschlagen — wo aber-dadurch wiederum einem wie dem andern Theile der größte Nachtheil an seiner Sittlichkeit,' dem Staate unermeßlicher Schaden zugefügt wird. Erwägt man, daß bei immer längerer Dauer solcher Zustände eine so zahlreiche Bevölkerung immer tieferm, sittlichem und gewerblichem, geistigem und körperlichem Verfalle zuschreitet,' undzuletzt unrettbar ' äußerster Versunkenheit anheimsällt; daß damit der Staat eben' so wohl einen-- empssndlichen Verlust, an gewerblichen und Steuer- Kräftenals auch eine unerträgliche Last verkommenen Proletariats erhält;- ■ daß - sich 'hierzu alle die Conseguenzen gesellen, die nur angedeütet zu werden brauchen so wird sicherlich nicht! allein die Humanität, welche einer so leidenden halben Million Menschen ihr Mitgefühl schenkt, sondern auch die Staatsweisheit eine dringende Aufforderung erkennen, -Gesetze, die sich so nachtheilig bewähren, und die dem Staate statt Nutzen den größten Nächtheil erwirken, aufzuheben. Hierzu kommt, daß mitder Abschaffung jener die Juden - erdrückenden Gesetze nicht >— wie: auf anderen Gebieten —- in - die bestehenden Rechte Anderer eingegriffen wird, daß in keiner Beziehung damit eine Benachtheiligung Anderer verbunden -ist, so daß -ihre Aufhebung in den organischen Verhältnissen des Staates Und der Stände auch nicht die kleinste Veränderung Hervorrufen--würdet. " ' Fürwahr! Heil dem Monarchen, der berufen ist,- solchen' Nebeln abzuhelfen, solche Leiden zu mildern —* unsterblicher Ruhm Und ewiges Heil muß ihm werdest! Mieuer Briefe. . - Von H. Zirndorf. ' ' - Hl. Am 22. Mätz lit ’to hielt HerrM. Sänger- Rabbiner zuuMtztgenHeim, seine Probepredigt: HerrSAnget ist durch länWßrigen'-Äufenthalk''dahier MH "Mlest-M ehrenvollen 'Gedächtnisses man schätzt' in''ihm^deti^wurdigeu'Mannund den^KnWs''Mb'fäÄen-OOhrstn. Es war mir nicht vergönnt;" diesist Vortrag zu hören,'uM ich wage daher-aus^denchiAen sichwrdersprechendeü 'Urtheilen'Mrüber' kein'GesaNimtbilb zu '-geben: Sein TM' war die - bekannte-Schlüßstelle aus der Haft tara, Jeremias 9; 22.- 2Z:: : -• - ------ ".ai iriaini'bbri Am 29. März % -bestieg 'Herr vr. Lä n d's b erg er, Prediger der' ReforMgenoffenschasi zu Posen, die Kanzel. S'eiUen' Ausgangspunkt Mdetei die Schtifft stelle, welche den Tod der beiden Söhüe-AroNs ÄzäM Nicht lange -blieb der Redner 'hierbei 'stehensdurchw einen geschickten Uebergang gelangte -er zu den Unterscheidenden Zeichen, die das heilige-, das ächte Feuer des - Glaubens und der- Wahrheit- -tenMich-Müche'n.- -DM Frü'er,-welches-die frommen'Priestersöhne--verzehrtuff-eben^Vie -Heilige Glüth des innigen , - hingebenden- Glaubens, - -die ihre Wirkung an den Zurückgebliebenen - wiean'! den edlen Opfern leichter Schuld -'bewährt; Hier würdevortrefflich die schörie Agada äüs Ätact8t JöMU' -eiMflöch'IM', welche das - ächte Opferfeüet Michsinnett;Eige'nthüMlichMteU üe* zeichnet:-- Mbbitä W tisd rr -pü-pb Yrib nbbia*'izjüe Mi ■ „Fünf Eigenschaften werden der- Dlamüte - des 'Altares beigelegt: sie liegt ruhig wie ein Löwe; sie leuchtet gleich der Sonne; es ist an ihr etwas' Wirkliches; -Greifbares; sie verzehrt Flüssiges wir Trocknes; ste sendet-keinen Rauch empor." Den Kern des Vortrages' bildeten nun eine Fülle schöner Deutungen und Anwendungen, die den Hörer' immer froher überraschten und seine Aufmerksamkeit gespannt und wach erhielten. - Es' waren Strahlen -! und Blitze; Hie-einander drängten und jagten; duftige Blüthen des Morgenlandes; die den Vortrag schmückten'. Verstand,'- Scharfsinn, Phantasie waren hier verschwistert/ .eine in 'ihrer Art denkwürdige Probe von Beredsamkeit: zu liefern-; -und die tiefe Kunde des Midrasch, die den Redner auszeichnet,- half ihm statteines Kranzes eine ganzem Reche'vonHKränzmeinen ganzen Wald von Blumen^ eine um:die andere geschlungen;- darzubieten.' Wir versuchen es;- -von dieser Fülle reizender' Auslegungen einige Proben zu geben.. Der ruhende^ Löwe stellt dieedle, selbstbewußte- Sicherheit des Glaubens dar: — Tritt erheraus-aus seiner Ruhe, erhebt er sich zum Angriff und zur Abwehr'