Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1856)
- Date
- 1856-06-30
- Page
- Seite 367 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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367 wen, und den famosen Brief hat er nicht geschickt, r Mir bleibt-also nichts übrig, als zu erklären, daß ich r 1) der Oberrabbiner nicht bin, welcher dem Abg. Wagener für seinen! Antrag eine Dankadresse über- : macht hat und daß in dem Stettin, in welchem, ich r weile, kein Rabbiner außer mir eristirt; 2) daß ich: vielmehr die Ehre habe, Verfasser der Petition - meines Synagogenbezirks zu sein, welche Sie, Herr Redakteur, in der Zeit. d. Jud. auözüglich, und in Ihrer Sammlung ausführlich mittheilen y 3) daß \ ich die Gemeinden meines Bezirks zu Petitionen g egen den Wagener'schen Antrag zur Zeit aufgefordert: habe, und 4) daß ich mir schmeichle, dadurch zum Falle deS Wagener'fchen Antrages /in.nicht unwichtiger He- ' bel gewesen zu sein, daß ich durch meine persönlichen Bemühungen bei dem edlen Grafen Schwerin es veranlaßt habe, daß Letzterer bei Gelegenheit der an- - gestandenen Debatte über Art. 12. den Antrag auf Uebergang zur einfachen Tagesordnung stellte, durch den Wagener und Consorten so eclatant'von der Kammer desavouirt wurden. Ich reiste nämlich direct nach Berlin, um von unseren Abgeordneten, welche sehr; gern bereit waren, für uns in die Schranken zu treten, die Licenz zu erhalten, die hochwichtige Angelegenbeit dem, edlen Grafen Schwerin zu überantworten, der während der ganzen Kammersaison Sachwalter-des Rechts und der Verfassung gewesen. Ich stehe bei dieser Gelegenheit nicht an, zu bemerken, daß die Wärme des Grafen, seine Bereitwilligkeit und sein Eifer für die beregte Angelegenheit ihm den gerechtesten Anspruch auf die dankbare Anerkennung :von Seiten der gesummten preußischen Judenheit giebt! vr. Meisel, Rabbiner. - j Die Schweiz. Lmgnau, im Mai. (Privatmitth.) Es ist jetzt ein Jahr , daß ich Ihnen über das wohlthatige Wirken; -des Herrn Schulinspectors 'I s a a k für das; tische:-Schulwesen des Aargaus berichtete (ft Nr. 25-.? v. I.), und schon deckt das Grab, die irdische.Hülle I dieses edlen Mannes. Isaak war Professor.und Recj tor an. -der. Bezirksschule in Zurzach, Mitglied und s Schriftführer des-Bezirksschulrathes, so wie auch Di- : -rector ider Lehrerconferenz. -War sein Wirken an ei-? ner. höhernStaatsanstalt, als Schulinspector, für das I Elementarschulwesen, ein musterhaftes, so verdient sein Andenken namentlich als Förderer des israelitischen Schulwesens, seine Unparteilichkeit und Handhabung und Währung-:.der: Rechte unftrer Schulen^ sein -väterliches Wohlwollen gegen die Lehrer in den israelitischen Annalen aufbewahrt zu werden, und das um so mehr, da sein Verlust schmerzlich und unersetzlich für den Bezirk, schmerzlich und unersetzlich auch für uns Israeliten ist. Isaak hatte die Ausübung schwerer Pflichten -auf seinen Schultern, er gehörte zu denjenigen seltenen Charakteren, die sich zum Wohle der Menschheit so lange aufbürden lassen, bis sie unter der schweren Last brechen, und meistens erst dann auf ihre Persönlichkeit aufmerksam werden, wenn eS zu spät ist. — Wenn er den israelitischen Schulem seine besondere Aufmerksamkeit widmete, so geschah eS nicht mit jener birtern Ironie mancher Schulmänner, die an „Judenschulen" .ganz eigene Dinge sehen wollen, welche gar nickt vorhanden und die sie durch ihre pädagogischen Künste wegzaubern möchten, sondern' es war jene väterliche, warme Fürsorge, die im Schüler den künftigen Bürger erziehen will, etwaige Eigenthümlichkeiten aber aus den natürlichen und wahren Ursachen herleitet. Das religiöse Princip wurde von ihm mit der größten Zartheit behandelt: Als Philolog und Didaktiker den Lehrgang der Sprachen wohl kennend, lächelte er manchmal über den eigenthümlichen Lehrgang im Hebräischen, -der, man mag sagen was man will, noch immer nicht der geeignete ist. Es wollte ihm namentlich das Einpauken der Gebeteübersetzung bei den Mädchen nicht behagen, der Lehrgang bei den Knaben sagte ihm eher zu, weil dä^ doch die Grammatik nicht unberücksichtigt bleibt. -Dennoch überwachte er mitüngetheiltem Pflichtgefühl die verschiedenen hebräischen Fächer, undnur diesfällige ungebührliche Forderungen an den Lehrer wieSer zurück: Nach-- lässtgkeit in diesem Fache -wav ihm abereben so verhaßt wie in andern Fächern.: Daß er bei seiner aufgeklärten Richtung mit Wohlgefallen dem zeitgemäßen Religionsunterrichte im Stillen zusah, sich aber nie in das Innere mischte, bedarf kaum der Andeutung. Nie duldete er,, daß der- Lehrer -bei Schulbesuchen, wo er ihn gerade beim Hebräischen antraf, das Pensum änderte, sondern er mußte in diesem Fache nach Maßgabe des Stundenplanes fortfahren. Bei seinem letzten Besuche -erkundigte er sich: noch -sorgfältig über die Leistungenim Hebräischenim laufenden Schuljahre: Er stand daher nicht blos bei feinen christlichen Glau- 27