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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-06-30 · Heft 27 (30.6.1856) · p. Seite 364

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 27 (30.6.1856)
Date
1856-06-30
Page
Seite 364 (sequence 6)
Language
German
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denkend schrieb, vertrat er die Rache der Weltgeschichte, die'das Weltgericht auf Erden darstellt. Der Redner zeigt dann, quod nemo nescit, wie das Geschlecht-Amaleks noch immer fortwuchert in zahllosen Enkeln, und deutet, zum Erkennen ähnlich,'-auf die AMaleks im Palaste und in der Hütte hin. Er schließt mit dem Aussprüche frommer Wunsche für die Zukunft Israels. Viele werden diesen Inhalt etwas dürftig und den Hauptgedanken nicht fruchtbar Und entwickelungsfähig genug finden für einen gottesdienstlichen Vortrag. Auf mich hat diese harmonische Einheit und Kürze einen äußerst wohlthätigen Eindruck gemacht. Es giebt verschiedene Wege, sich durch eine Probepredigt auszuzeichnen. Wenn wir eine Industrieausstellung besuchen, so sehen wir gar mannigfache Erzeugnisse des menschlichen Kunstfleißes. Da fesseln Kunstwerke unfern Blich denen man es aNfieht, daß sie Jahre der Anstrengung ihren Meistern'gekostet haben, und daß sie" eigens für diesen Saal angefertigt worden; ja, man fühlt; daß der Schöpfer dieser Werke sich hier selbst überboten hat. Nebenan sehen wir Werke/ die bei weitem weniger Fleiß verrathen, und denen ein weiser' Preisrichter oft den Vorzug giebt, weil er fühlt, daß der Meister hier eine Probe Dessen gesandt hat, was er sich immerdar zutraut, und zu dessen Herstellung es keinen besondern Anstoßes'für ihn bedarf. Es ist mit den Schöpfungen des Geistes, in so weit sie einen praktischen Zweck haben, nicht anders. So ist auch Meisel's Predigt eine schöne Probe geistiger Kraftfülle. 3«/ es ehrt den Redner, daß er besonderen Redeschmuck Und außerordentlichen Aufwand von Geist und Wissen seiner unwürdig erachtet und gerade so gesprochen hat, wie er wohl zur selben Stunde in der Mitte seiner Gemeinde am Strande der Ostsee das Gotteswort würde verkündet haben. ' - War aber der Eindruck deshalb ein minder bedeutentender? Mich dünkt, es ist immer ein gutes Zeichen,'wenn ein Geistesprodüct eine -einheitliche und harmonische Wir^ kung inder Seele des Hörers zurückläßt, ein lichtes Nachfühlen und Verstehen möglich macht, und eine ungeschwächte Erinnerung zuläßt. Das beste Gedächtniß wird sich oft vergeblich abmühen,' aus viel-geistvolleren und reicheren Reden den Zusammenhang festzustellen. Börne's schöner Ausspruch: „Eins ist, was nützt: die Klarheit sei Kei^- nem beherzigenswerther als'dem Redner." ' Dieser schöne Und harmonische Eindruck wurde durch eine edle 'Diction Unterstützt-, welche' zwischen schwülstiger Blumenfülle ‘ und abstoßender Nüchternheit eine glückliche Mitte hielt: Diese Markige lebendige Spräche zeigte -sich Namentlich in- Schilderungen und Durchführungen einzelner Gedanken fruchtbar! Wie kräftig: und frisch war der Krieg und sein Gefolge von Leiden in wenigen Zügen Umrissen! - Wie anschaulich und zart war die Idee der Schonung in den rabbinischen Satzungen Nachgewiesen! Ja, selbst eine gewisse Kürze darf als Vorzug geltendenn 'siebegünstigt Rundung und Klarheit und zeigt^fich vor-'Allem einem indifferenten Geschlechts gegenüber von praktischem Wortheil!' ' Nur durfte der Vortrag nicht so rasch und urplötzlich bei seinem Mittel - Und! Höhepunkte abbrechen! ' Hier konnte der Zuhörer mit Gewißheit eine tiefere Begründung erwarten. Es war nicht genug, den Gedanken eines Weltgerichtes anzüdeuteU: die weitere Ausführung drängte sich hier gebieterisch auf; und wie reich und lohnend könnte sich dieses weitere Eingehen erweisen; 'welch eine Welt von großen Anschauungen bot sich hier dem Redner dar. - Er hat eine Erwartung in dem Hörer erregt,-die' er' zu befriedigen versäumte: dies stand nicht in seiner Willkür. . 'iWir haben einen : schönen harmonischen Eindruck diesem Vortrage! nachgerühmt. Wir finden die Erklärung dieser Wirkung in einer geschickten VertheilUNg des Stoffes/ in gewandter Steigerung, und in jener Rundung, die aus den fast symmetrisch gegliederten Theilen: Anfang; Mitte und Schluß sich! ergab. Auch sprach ein gewisser männlicher Ernst würdevoll und groß uns'dem Ganzen. Schon daß der Hauptgedanke jenes - Recht des Hasses gegen üngesühnte Feindseligkeit aussprach, gab der Rede einen heroischen Hauch! Ja, eine glückliche Wahl nenneich"-es , dass gegenüber jenen Männern der Toleranz, jenen Thätern wohlfeiler Liebesthaten,' jenen ewigen Schwätzern von Verträglichkeit und Milde, jenen immerdar Weichmüthigen im Siechhause des „Zeitgeistes", hier einmal zur Abwechslung die Losung des Hasses ertönte. Erschrecket nicht, ihr zarten Seelen; es ist der Haß in seiner ganzen nächtlichen Gestalt, dessen Losung wir hier aussprechen! ' Es giebt eine Grenze der Duldung gegen die Feinde des Glaubens, die Feinde des Rechtes,-die 'Feinde der Wahrheit: an dieser Grenze steht der Haß. Nach so vielen weichen Liebesworten, und wäre es auch nur der Veränderung-willen, sei er uns willkommen!' Fühlet ihr nicht schon das kräftige Stahlbad, mit dem er die Geister stärkt? ^'' Ich hörte vielfach den Einwand, daß jener Gedanke von der weltgerichtlichen Sendung der Geschichte' nicht

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