Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1856)
- Date
- 1856-06-23
- Page
- Seite 350 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Unternehmen, das * weit die räumliche * Grenze dieser Blät- - ter überschritte. Es würden sich da vielleicht' wieder-eben so vielerednerische Kategorien als Persönlichreiten ergeben; denn jeder von diesen Männern hat mit? der schöpferischen Kraft des wahren Talents und einer-vollendeten Bildung eine eigene Bahn eingeschlagen: Eine angenehme Pflicht des öffentlichen Berichterstatters ist es mir vergönnt zu üben, indem ich den Namen des Rabbiners Schmie dl zu Proßnitz an dieser Stelle erwähne. Er wurde als ein Angehöriger und- Sohn, dieses Landes oft in der schwebenden Predigerfrage genannt. Sein Bürgerrecht ist aber in der That das geringste Anrecht auf Beachtung; ein größeres Recht liegt in dem fast allgemeinen Rufe seiner ausgezeichneten rhetorischen Leistungen. Diese müssen denn eben jenem Rufe nach, den eine so kurze Wirksamkeit zu gründen vermochte, so wie nach gedruckten Proben -bedeutend genug sein, um in ihm einender besseren Prediger erwarten zu lassen. So - viel Einleitendes möge nicht als vergeblich gesagt betrachtet werden. Die Wahl eines Lehrers - und Führers in dieser Riesengemeinde ist ein -zu wichtiges Ereigniß, als - daß es nicht seine Schlagschatten« auf dm jetzigen Zustand der jüdischen Kanzelberedsamkeit werfe. Auch ist der-Verlauf dieser Wahl, deren. Ende kaum noch abzusehen ist,- als Beispiel hervorragend, und gleichviel, , ob im ermunternden, ob im warnenden Sinne, .bedeutsam. Unter den zur Probepredigt Berufenen bestieg Herr vr. W. A. Meisel, Rabbiner zu Stettin, am 15. März' TD* 'b, der Erste, die Kanzel. Ein günstiger Ruf war ihm vorangegangen, und sein Ruf als Schriftsteller schon' gegründet, als er hier auftrat. In seinen nicht lange vorher erschienenen „Homilien über die Sprüche der Väter"' hatte sichder Redner in einem, höheren Sinn gezeigt, derineiner vollendeten Form Bleibendes zu schaffen vermag; was auch idem trefflichsten- Redner oft so schwer wird. Da--> gegen war in der . wohlgelungenen Uebertragung der Ma- - kamen-des „Jbn Chisdai, Prinz undDerwisch" - der-schöne Gedanke ausgesprochen, einenachtungswerchtn« Autor auseiner Zeit, der.Blüthe.und des Strebens'-aw das Tageslicht zu :ziehem und in :den Rahmen der Welt--> literatur zu schließen. Schon : daß hebräische Dichtung i hier in einem Deutsch erscheint, das auf die Höhe des-- Gegenstandes sich , erhebt, ist, ein Gewinn - in unserer! Zeit. Ja, wie mag sie, -jubeln, diese« , festliche Sprache- Zions, die? sonst gewohnt ist, von jenen Uebersetzungsfabrikanten wen -schnödestm; Zwang zu: erdulden«, die-sichn dennoch innihren--Dachkammernn S-terne. sonder: Gleich chen dünken , —- wenn sie endlich - - die Hund - eines' Meisters--fühlt.! - - - (Schluß folgt.) - Zeituligsuachrichteu. Deutschland. München, 2. - Juni. Wir' geben folgendes Referat des Fr: I. hier' in extenso, um zu zeigen, wie auch die nothwendigsten und erwiesensten Maßregeln zu Gunsten unsrer Gtaubensgenossen-- den schlagendsten Gründen - gegenüber verschleppt werden. Män bedenkt nicht/ welche Ungerechtigkeit mau begeht/ wenn man selbst anerkannte ungerechte Gesetze bestehen läßt, weil man— sie späterbeseitigen wolle! Der Kammer der Abgeordneten liegtbekanntlich ein vom Frhrn. v. Lerchenfeld und 9 Genoffen gestellter Antrag bezüglich der Verhältnisse'der Indien vor, dahin gehend, es-möge durch den Landtagsabschied ausgesprochen-werden: 1) die Juden »sind < in Ansehung , der Ansässtgmachung an Orten, wo bereits Juden wohnen, den Christen gleichgestellt; die Beschränkung - aufdie« Matrikelzahl' ist aufgehoben. Hinsichtlich der Ansässtgmachung' der Juden - an» andern Orten soll es vorläufig noch beim Edict von 1813 sem-Bewenden haben; es soll jedoch bei Ansässtgmachungder Juden in Städtenmit magistratischer Verfassungdie Bewilligung - nicht versagt werden, wenn die. Aufnahme von Seite der Gemeindebehörde ertheilt worden-iss; 2) die Juden sind-bezüglich der Ausübung der Gewerbe den christlichen Staatseinwohnern -gleichgestellt; die bisher bestandenen Ausnahmsbestimmungen sind aufgehoben. lieberdiesen - Antrag-Hat - nun'Fürst Wallerstein ausführlich referirt. Es wird von den Antragstellern vor Allem-hingewiesen auf die bisherigen parlamentarischen Vorgänge, und hervorgehoben: wie dem Landtage von 1849 von Seite - dev Krone ein „auf völlige Gleichstellung der Juden-- mit den - christlichen Staatseinwohnern^ lautender--Gesetzentwurf übergeben, dieservon der Kammer der Abgeordneten mit großer Majorität angenom-l men, von jener der Reichsräthe aber abgelehnt wor- - den sei; wie in beiden Kammern „selbst den Gegnern-'?des Entwurfs" klar gewesen, daß die auf den Judenjnoch lastenden bürgerlichen- Beschränkungen - Beseitigung, erheischten; wie „die Abficht dieser Gegner" nur